Scheyern

Wiener Schmäh und viel Humor

Viele Lacher bei Premiere der Kriminalkomödie "Der richtige Riecher" auf der Scheyerer Bühne

13.10.2019 | Stand 02.12.2020, 12:51 Uhr
Bedroht von Gangster Joschi (Philipp Kalthoff) muss Tierarzt Stiegler (Stefan Koller) Schrotkugeln aus der Kehrseite von Kumpan Charly (Lukas Euringer) entfernen. Sprechstundenhilfe Silvia (Charlotte Seuferling) assistiert. −Foto: Steininger

Scheyern (PK) Den richtigen Riecher haben die Theaterbesucher gehabt, die sich Karten für die Premiere der Scheyerer Bühne am vergangenen Freitag besorgt hatten.

Denn die Kriminalkomödie "Der richtige Riecher" sorgte für viel Amüsement beim Publikum.

Das war eine gelungene Regiepremiere von Philipp Kalthoff, der gleichzeitig als Schauspieler auf der Bühne steht. Mit der Paraderolle schlechthin, denn er verkörpert einen Wiener Kleinkriminellen und das in einem derart breiten Wiener Dialekt ("ois leiwand"), als hätte er in der Wiener Unterwelt Milieustudien betrieben. Von den frechen Sprüchen ganz abgesehen, die er zum Gaudium des Publikums immer parat hat, wobei er ständig auf der Flucht vor der "Kiberei" (Polizei) ist und er womöglich am Ende wieder im "Häfen" (Gefängnis) landet. Aber diese Rolle ist nur eine Facette in der Geschichte voller Irrungen und Wirrungen, "die sich auf einer Simultanbühne abspielt", erklärt der Erste Vorsitzende des Theatervereins und Regieassistent Siegfried Einödshofer dem Publikum vor Beginn der Vorstellung.

Die rechte Bühnenseite zeigt den Praxisraum des Tierarztes Ludwig Stiegler (Stefan Koller), dessen privates Wohnzimmer beansprucht die linke Bühnenhälfte, beide mit der gewohnt bis ins Detail stimmigen Bühnendeko von Doris Kalthoff. Und auf beiden Bühnenhälften spielen sich zeitweise parallele Szenen ab, was den Theaterbesuchern eine neue Sicht auf das Bühnengeschehen verschafft.

Ein passendes Ambiente also, in dem ein engagiertes Ensemble eine Geschichte abwickelt, die von einer turbulenten Nacht vor der Hochzeit erzählt. Die gerät immer mehr ins Chaos, da gibt es eine Geiselnahme, da muss ein Tierarzt aus einem männlichen Hintern Schrotkugeln entfernen, ein Schwein büxt aus, verwüstet das Kräuterbeet der Nachbarin und hat am Ende doch den richtigen Riecher.

Da gibt es die leicht überdrehte Braut Moni (Sabrina Schmutterer), die dem schönsten Tag ihres Lebens entgegen fiebert, die beste Freundin, Brautjungfer und Sprechstundenhilfe Silvia (Charlotte Seuferling), die ein ausgeprägtes Faible für knackige Männerpos besitzt, und den Charly (Lukas Euringer), einen vom Pech verfolgten Gangster mit Leidensfähigkeit.

Eine besonders komisch angelegte Rolle hat Lukas Koller als hoffnungslos in die Braut verliebter, dichtender Postbote Robert. Marianne Seltmann als kräuterkundige Nachbarin Ulla ergänzt sich bestens mit Irma Schmutterer als Hedwig, der resoluten Schwester von Tierarzt Stiegler. Erst relativ spät tritt Bräutigam Michael (Andreas Oberhauser) aufs Tapet, Polizist von Beruf und diensteifrig um jeden Preis. Nur imaginär aber das Hausschwein Xanthippe, dem trotzdem eine wichtige Rolle im Geschehen zukommt.

So sind alle Zutaten gegeben, aus denen eine würzige, humorige und kurzweilige Komödie abläuft, in der die Darsteller alle Register ziehen zum großen Vergnügen des Publikums. Da geschieht Kidnapping der lustigen Art, mit kuriosen Wendungen und witzigen Szenen, die Sonderapplaus und/oder schallendes Gelächter auslösen. Bei all dem Tohuwabohu aber behält die Moni die Übersicht und hat am Ende alle Fäden in der Hand, wobei alles anders kommt, als gedacht.

Ein Theaterabend, wie man ihn von der Scheyerer Bühne kennt: Ein mit Herzblut spielendes Ensemble, eine deftige Gastronomie, wie sie einfach zu einer Bauernbühne gehört, und beste Sicht auf die Bühne. Übrigens: Es gibt noch Restkarten.

Hans Steininger