Ingolstadt
Wenigstens das Dach ist dicht

Das baufällige Zeughaus des Schlosses wird nach Jahrzehnten vielleicht doch mal saniert – irgendwann

08.03.2012 | Stand 03.12.2020, 1:44 Uhr |

Ein Traum für Denkmalschützer, eine Herausforderung für Handwerker: Martin Baur, Schreiner im Dienst des Bayerischen Armeemuseums, inspizierte gestern das historische Gebälk des spätmittelalterlichen Zeughauses. Seit Jahrzehnten soll es saniert werden. Doch zu viel mehr als einem neuen Dach (1983) hat es bisher nicht gereicht. - Foto: Rössle

Ingolstadt (DK) Bayerns Wissenschafts- und Kunstminister Wolfgang Heubisch (FDP) hat jetzt eine Prioritätenliste für die Sanierung von Kultureinrichtungen vorgelegt. Er sieht einen Bedarf von 700 Millionen Euro. Das marode Zeughaus des Neuen Schlosses steht auch auf der Agenda; aber das hat nicht viel zu bedeuten.

Der Minister parierte die Frage elegant: Wann sein Haus das Ingolstädter Schloss zu sanieren gedenke, wollte der DK-Reporter wissen, als Wolfgang Heubisch vor einem Jahr ebenda den Vertrag für die Landesausstellung 2015 („Napoleon und Bayern“) unterzeichnete. Hier lege er sich nicht fest, erwiderte der FDP-Mann. Jedoch: „Die guten Kontakte Ingolstadts zur bayerischen Staatsregierung sind ja allgemein bekannt.“

Zweifellos. Aber sie werden offenbar stark überschätzt. Die Sanierung des Neuen Schlosses ist seither jedenfalls kein Stück vorangekommen. Dabei hätten es die Werkstätten des Armeemuseums und das Zeughaus im Norden des Hofs sehr nötig. Die Ausstellungsmacher vom Haus der Bayerischen Geschichte in Augsburg würden ihre opulente Schau gern darin präsentieren. Doch daraus wird wohl nichts.

Das Zeughaus steht zwar auf der Prioritätenliste für die Sanierung bayerischer Kulturgüter, die Heubisch diese Woche vorgelegt hat, aber da der Landtag bisher nur knapp die Hälfte der nötigen 700 Millionen Euro bewilligt hat, erscheint die Heubische Agenda eher als Wunschzettel. Wie weit oben – oder unten – das Neue Schloss darauf steht, wollte die Ministeriumssprecherin Susanne Raab nicht verraten. Dafür lieferte sie andere Details: „Es gibt eine Grobkostenschätzung für die Sanierung des Schlosses. Die liegt bei rund 21 Millionen Euro. Wir bemühen uns, das im Doppelhaushalt 2013/2014 zu verankern“, berichtete Susanne Raab. „Außerdem wollen wir bald die Planungsmittel bereitstellen, etwa 120 000 Euro.“ Jedoch: „Wie der Zeitplan weitergeht, wissen wir nicht. Wir können dazu leider keine seriöse Aussage treffen.“ Damit weist sie in eine vage Zukunft. Raab deutet an, dass die barrierefreie Neugestaltung des Schlosses Vorrang genieße.

Diese Aussage darf man als Indiz dafür werten, dass die Landesausstellung nicht im Zeughaus, sondern im Schloss präsentiert wird; dafür müsste die Dauerausstellung freilich raus. Genau darauf stellt man sich im Armeemuseum schon ein. „Das mit der Zeughaus-Sanierung ist realistisch betrachtet nicht mehr bis 2015 zu schaffen“, sagt Tobias Schönauer, der Sprecher des Museums. „Deshalb machen wir das Beste draus und nutzen die Gelegenheit, die Dauerausstellung zu überarbeiten und 2016 mit einem modernen Konzept neu zu präsentieren.“ Nach gut 40 Jahren (das Armeemuseum wurde 1972 eingeweiht) sei das durchaus mal an der Zeit.

Richard Loibl leitet das Haus der Bayerischen Geschichte. Er würde „Napoleon und Bayern“ 2015 gerne im Zeughaus sehen, er schätzt aber auch das Schloss. „Unsere Ausstellung würde darin wunderbar funktionieren!“ Benötigt werden 1200 bis 1500 Quadratmeter, idealerweise auf zwei Etagen verteilt. Sein Haus habe schon oft Landesausstellungen in Museen angesiedelt, erzählt Loibl, stets mit guten Erfahrungen. Er kennt einen weiteren Vorteil des Schlosses: „Hier gibt es schon zahlreiche Exponate aus der Zeit Napoleons.“

Mit der Landesausstellung kommen viele hinzu, darunter Leihgaben aus Frankreich und Russland. Ferner wird es aufwendig inszenierte Bilder mit Theateroptik geben. „So wie in unserer Ausstellung über Ludwig II.“, erklärt der Historiker. Die Napoleonische Ära soll zudem aus der Perspektive einfacher Soldaten dargestellt werden. Loibl ist sich sicher: „Napoleon wird eine Schau!“