Geisenfeld

Wegsperrungen finden bayernweites Echo

BR-Magazin "Quer" berichtet am Donnerstagabend über die ungewöhnliche Geisenfelder Winterdienstanordnung

14.01.2020 | Stand 02.12.2020, 12:12 Uhr
An der Absperrung des Stufenbereichs entlang der Klostergasse erläuterte Bauamtsleiterin Irene Wimmer vor laufender Kamera das Vorgehen der Stadt (oben). −Foto: Kohlhuber

Geisenfeld - Ja keine Schadensersatzansprüche! Um solche auszuschließen, zeigt sich die Stadt Geisenfeld mit der Abriegelung von etlichen Wegen und Treppenbereichen für die vier Winter-Monate sehr rigoros - und gleichzeitig ungemein kreativ. Für ihren ganz speziellen "Geisenfelder Weg" interessiert sich nun auch das satirisch-kritische BR-Magazin "Quer". In der Sendung am Donnerstagabend wird es dazu einen ausführlichen Beitrag geben.

"Ist das wirklich so interessant, dass sich sogar das Bayerische Fernsehen dafür interessiert?" - Bürgermeister Christian Staudter (USB) mochte es gar nicht glauben, als sich am Montag die Redaktion des BR-Magazins "Quer" bei ihm meldete. Und anfragte, ob er denn für eine Stellungnahme zu der Geisenfelder Winterregelung in Sachen Gehwege bereit sei.


Ende des Jahres hatte unsere Zeitung darüber berichtet, dass im Stadtgebiet seit Anfang Dezember zehn Wege und Treppenbereiche für vier Monate komplett gesperrt sind - und auch weshalb. "Um im Fall der Fälle nicht in der Haftung zu stehen", erklärte Bürgermeister Christian Staudter damals auf eine Anfrage von Stadtrat Reinhard Bachmaier (USB), und Bauamtsleiterin Irene Wimmer erläuterte die Hintergründe: Bei Schnee- oder Eisglätte müsse der städtische Bauhof Prioritäten setzen, wo er zuerst räumt und streut. Und bei den fraglichen Wegbereichen "kann er einfach nicht gewährleisten, dass dies rechtzeitig vor Schulbeginn der Fall ist".

Und auch auf die von Bachmaier aufgeworfene Frage, warum denn das Schild "Kein Winterdienst" nicht ausreicht, hatte Wimmer Ende Dezember eine Antwort - angeblich basierend auf der aktuellen Rechtssprechung: "Weil wir auch in der Vorsorgepflicht gegenüber Menschen sind, die der deutschen Sprache nicht mächtig sind". Und da es ja nicht möglich sei, "diesen Warnhinweis in zig verschiedenen Sprachen hinzuschreiben" und weil das Hinweisschild nach Schneefällen eventuell nicht leserlich sein könne, bleibe eben nur das unmissverständliche Absperr-Gatter samt dem Schild "Verbot für Fußgänger".

Als Ergebnis der Diskussion erklärte sich der Bürgermeister damals zu einer Art Kompromiss bereit, und vielleicht ist es dessen Kuriosität, die die Redaktion des BR-Magazins nun auf den Plan rief. Man schob das Gatter bei den fraglichen Wegen in den ebenen Bereichen so weit beiseite, dass eine Person passieren kann. Das darf sie zwar nach wie vor nicht, aber sie hat dazu jetzt die Gelegenheit. Und wenn sie ausrutscht und sich den Knöchel verstaucht, ist die Stadt trotzdem aus der Haftung.

 

All diese Punkte wurden nochmals vor laufender Kamera thematisiert, als am Dienstagvormittag ein vierköpfiges Aufnahmeteam des Bayerischen Fernsehens anrückte. Nach einer kurzen Besprechung im Rathaus ging es runter zur Klostergasse und anschließend raus zur Augsburger Straße, Höhe Klosterfeld, um hier, an zwei der zehn Absperrpunkten, den Bürgermeister und die Bauamtsleiterin zu interviewen. Später am Tag holte man sich auch noch eine Stellungnahme von Polizeichef Klement Kreitmeier ein, und auch Stadtrat Reinhard Bachmaier (Zitat: "völlig überzogen") "und ein Bürger ("Schildbürgerstreich") kamen zu Wort. "All dieses Material wird am Mittwoch in München gesichtet und dann zu einem rund vierminütigen Beitrag geschnitten", erläuterte Leonie Fößel vom "Quer"-Team. Zu sehen sein wird dieser dann am Donnerstag ab 20.15 Uhr in der aktuellen Ausgabe des BR-Magazins mit seinem Frontmann Christoph Süß.

Doch mit wie viel Ironie wird dieser den Beitrag anmoderieren? Und wird die Stadt Geisenfeld in diesem dann gar zu einer bayernweiten Schmunzelnummer? Bürgermeister Christian Staudter legte sich am Dienstag argumentativ so richtig ins Zeug, damit dies ja nicht der Fall sein wird.

Und so versuchte er sich auch in einer Antwort auf jene Frage, die sich jeder stellt, der von diesem Vorgehen der Stadt in Sachen Winterdienst gehört hat: Warum nur sehen sich nicht auch viele andere und insbesondere größere Kommunen dazu veranlasst, den "Geisenfelder Weg" zu beschreiten, um in Sachen Haftung auf "Nummer sicher" zu gehen? "Vielleicht, weil wir hier als Stadt ein gebranntes Kind sind", erklärte der Rathauschef und verwies auf einen Vorfall, der sich vor etwa zwei Jahren ereignet hat. Damals sei eine Frau auf dem Stadtplatz ausgerutscht und gestürzt, woraufhin der Stadt vor Gericht eine Teilschuld beigemessen worden sei. "Vor diesem Hintergrund gehen wir in Geisenfeld mit dieser Problematik halt etwas sensibler um als anderswo", sagte Staudter zur Begründung.

Bleibt nur noch abzuwarten, ob es auch noch eine andere Frage der BR-Reporterin samt Antwort in die Sendung schafft: Was passiert, wenn es erst im April stark schneit?
 

Gerhard Kohlhuber