Ingolstadt

Vom Aufsteiger ins Champions-League-Finale

19.05.2010 | Stand 03.12.2020, 4:00 Uhr

Das Originaltrikot von Andreas "Zecke" Neuendorf hat sich Leonardo gewünscht und auch vom FC-Profi selbst bekommen. In dem Lokal von Papa Michele Longhitano unweit des Trainingsgeländes kommen Spieler und Vereinsverantwortliche regelmäßig vorbei. - Foto: Herbert

Ingolstadt (DK) In der Bar von Michele Longhitano gehen die Spieler und Verantwortlichen des FC Ingolstadt ein und aus. Der Italiener besitzt neben der Mitgliedschaft beim Aufsteiger auch welche beim FC Bayern und Inter Mailand. Diese Klubs treffen im Champions-League-Finale am Samstag aufeinander.

Wer in Micheles Bistro in der Straße Am Pulverl tritt, der wird unweigerlich mit Fußball konfrontiert. Der Hausherr ist großer Anhänger des Ballsports, und sein Haus gehört zu den Stammlokalen für Fans und Spieler des FC Ingolstadt. Über dem Tresen liegen unterschriebene Bälle. Im hinteren Teil des Lokals hat der Wirt den aktuellen Kader des FC 04 mit Porträtfotos und Originalunterschriften verewigt. Auf Micheles Werbefahne am Eingang zum Lokal ist auch das Vereinslogo groß abgebildet.

 
Am Montag feierte der italienische Wirt mit rund 30 Gästen den Ausgang des Relegationsspiels der Schanzer Kicker, das im Fernsehen übertragen wurde. "Die Leute haben geschrien wie verrückt. Das war echt tolle Stimmung", sagt er. Der Fanklub "Black Red Boys" des FCI hat seinen Stammtisch bei ihm. "Die treffen sich vor jedem Heim- und Auswärtsspiel bei mir." Das macht den 46-jährigen Italiener zu einem Kenner der Vereinsszene und zudem zu einem gefürchteten Wettgegner für die FC-Funktionäre wie Stammgast Peter Jackwerth, mit dem Michele in der Ü-40-Mannschaft jeden Montag am Tuja-Stadion kickt. "Ich habe sofort gesagt, dass die Jungs sowohl hier in Ingolstadt als auch dort in Rostock gewinnen werden", beteuert er seinen Voraussage-Volltreffer.

Die Prognose für die kommende Zweitliga-Saison nach dem Aufstieg klingt bei ihm ebenfalls ambitioniert. "Die Mannschaft kommt nächstes Jahr unter die ersten Zehn", ist der Wirt überzeugt. Die Mannschaft werde noch weiter aufgerüstet. "Da fließt bestimmt mehr Geld als vor zwei Jahren, als wir sofort wieder abgestiegen sind. Aber diesen Fehler machen der Peter und Audi nicht mehr."

Der Jubel über den FC-Aufstieg fiel ihm diese Woche leicht. Am Wochenende steckt Longhitano allerdings in einem Dilemma. Dann treffen zwei Vereine aufeinander, die der 46-Jährige ebenfalls im Herzen und dem Geldbeutel trägt. Stolz zieht er eine Mitgliedskarte des FC Bayern hervor. Und auch beim FC Internazionale Milano, kurz Inter, gehört er zum Verein, sagt der Italiener.

Und ausgerechnet seine beiden Lieblingsklubs – neben dem FCI natürlich – stehen sich am Wochenende im Endspiel der Champions League gegenüber. Für Michele – selbstverständlich – keine Überraschung: "Ich habe immer gesagt, dass Bayern und Inter ins Finale kommen." Auch hierzu liefen Wetten. FC-Spieler Andi Buchner soll einer der Leidtragenden sein.

Für den Samstag erwartet Longhitano viel Besuch im Lokal. "Ich hoffe, sie kommen wieder alle." Schon während der gesamten Saison habe er die Champions League mit Jackwerth und immer wieder unterschiedlichen Spielern verfolgt – "und bisher immer mit Bayern gefiebert."

Das ist zumindest beim Finale anders. "Ich sage Inter wird Champion. 2:1. Sie warten schon länger auf einen internationalen Titel." Michele hat in Mailand gearbeitet und dort seine Zuneigung zu den "Nerazzurri", den Schwarz-Blauen, entdeckt. Sein absoluter Lieblingsspieler ist allerdings ausgerechnet Paolo Maldini, Legende des Lokalrivalen AC Milan. "Mailand ist Mailand", sagt Longhitano ungerührt und erklärt: "Ich kenne auch genug Bayernfans, die was für 1860 München übrig haben."

Der Italiener seufzt. Er wäre gerne nach Madrid zum Finale gefahren. "Wir hatten schon fast gebucht." Doch das Geschäft geht vor. Er kann sich ohnehin trösten: Ein Duell zwischen Inter und dem FC Bayern hat er schon erlebt. Es war der famose 2:0-Sieg der Münchner in Mailand im September 2006. Doch Micheles Voraussage steht: "Mit einem Trainer wie Mourinho wird sich Inter das dieses Mal nicht nehmen lassen."