Ingolstadt
Sicher auf ein, zwei oder vier Rädern

Tag der offenen Tür beim ADAC: Tausende schauen, staunen und üben auf dem Fahrsicherheitsplatz

25.06.2017 | Stand 02.12.2020, 17:53 Uhr |

Freiwillige Feuerwehr und Rotes Kreuz gaben sich redlich Mühe, um Wolfgang Leikermoser aus dem zerstörten Auto zu befreien. Der Moderator mimte nach dem Autoabsturz den schwer verletzten Fahrer - freiwillig und mit einem Lächeln im Gesicht. - Fotos: Hauser

Ingolstadt (DK) Tausende kamen am Samstag zum Tag der offenen Tür auf das ADAC-Gelände an der Marie-Curie-Straße. Der Automobilclub präsentierte seinen neuen Fahrsicherheitsplatz. Dort zeigte er Jung und Alt, wie vielfältig und auch spannend das Thema Fahrsicherheit sein kann.

Wenn es um Autos geht, sind vor allem Männer schnell begeistert. Auch beim Thema Motorrad sind sie prinzipiell interessiert. Geht es um die Sicherheit, haben aber die Frauen oft die Nase vorn. So wunderte es beim Tag der offenen Tür auf dem neuen Fahrsicherheitsplatz des ADAC nicht, dass sehr viele Frauen gekommen waren.

Auf das neue Areal, sozusagen im Schatten des FOC, brachten viele Mamas und Papas aber auch ihre Kleinen mit. Denen wurde, auch wenn sie es befürchtet hatten, nicht langweilig. Zum einen zauberte Monique Sonnenschein mit ihren Zauberlehrlingen, zum anderen wartete eine Torwand. Alles klar, die Eltern hatten frei - für spektakuläre Trialfahrten, für den Autoabwurf aus zehn Metern, für den Simulator, für den Trunkenheitstest, für Fahrdemonstrationen auf rutschiger Fahrbahn.

Die Zeit verging wie im Flug. Drei Stunden bei fast zu schönem Wetter waren ruck, zuck vorbei. Beim Überschlag- und Fahrsimulator durften die Besucher selber mitmachen. Ranko Karajlovic aus Ingolstadt stand im wahrsten Sinn des Wortes kopf: Den simulierten Überschlag steckte er gut weg: "Ich mache Yoga", erklärte der 69-Jährige. "Das ging schon. Obwohl es ein mulmiges Gefühl war, angeschnallt auf dem Kopf zu stehen. Dir schießt das Blut in den Kopf. Gut, dass der Instrukteur erklärt hat, wie man sich in so einer Situation abstützt und selber befreit." Siegfried Kürger war aus München gekommen: "Ich bin seit 1970 ADAC-Mitglied, da wollte ich mir das hier anschauen." Der 82-Jährige setzt sich gleich mal in den Fahrsimulator der Verkehrssicherheitswacht: "Dem Instrukteur bin ich oft zu langsam gefahren, aber ich wollte ja aufpassen. Außerdem hat die Lenkung nicht so reagiert wie die in meinem Opel Zafira."

Zweimal krachte es mächtig. Auch die benachbarten Asylbewerber fotografierten und filmten, als zwei Autos von einem Kran aus zehn Metern abgeworfen wurden. Moderator Wolfgang Leikermoser, der den ganzen Tag den Zuschauern alles erklärte (und auch immer Zeit für Fotos mit seinen Fans fand), sagte, zehn Meter freier Fall bedeuten Tempo 50 beim Aufprall. Dementsprechend sah der erste, ein Opel Corsa, aus. Leikermoser, stets zu einem Spaß bereit, setzte sich in das zerstörte Auto und ließ sich dann von Rotem Kreuz und Feuerwehr retten.

Der Radiomoderator ist nach eigenen Aussagen "mit Benzin im Blut" groß werden. Da der ADAC und Antenne Bayern schon lange eine Kooperation pflegten, würde er hier gerne moderieren. Der Oldtimerfan ("Meine Garage ist voll, ich liebe Autos aus den 50er- und 60er-Jahren") hat vor 15 Jahren sein erstes Fahrsicherheitstraining absolviert: "Seitdem weiß ich, dass alle, die behaupten, sie hätten einen Führerschein und könnten deswegen Auto fahren, lügen." Sein Tipp: "Fahrsicherheitstraining machen und erkennen, was man alles nicht beherrscht."

Am Samstag war aber vor allem zuschauen angesagt. Zum Beispiel wenn Autos, Motorräder oder Kleintransporter auf regennasser Strecke fuhren und blitzschnell aus dem Boden hochklappende Hindernisse zum Reagieren zwangen. Staunen: "Das geht" "Wie machen die das" "Das klappt ja wirklich." Am "Klettergrüst" für die zwei Trialfahrer - Tobias Baptist (22) aus Kempten und Florian Resch (19) aus Olching - ging es über Holzpaletten und Stahlgerüst, übergroße ADAC-Buchstaben gab's extra. Doch die zwei DM-Fahrer machten es gut. Mit durchzugsstarken Motoren in ihren Zweirädern, mit ihrer irren Balance, mit nur 0,3 bar Luftdruck in den Reifen, mit Mut und Können. Rauf auf die Buchstaben und rüber: kein Problem. "Wir verstehen uns gut, sind aber eigentlich Konkurrenten in der Deutschen Meisterschaft", sagte Resch lächelnd. Und Baptist, Mechatronic-Student, erklärte, er wolle in die Deutschen Top Ten. "Im vergangenen Jahr bin ich Junioren-EM gefahren, heuer konzentriere ich mich auf die Deutsche Meisterschaft."

Bei schönem Wetter hatten die Veranstalter alle ein Lächeln auf den Lippen. Walter Ittlinger, Geschäftsführer der südbayerischen Fahrsicherheitszentren, freute sich, dass der ADAC "nun in Ingolstadt einen strategisch wichtigen Standort eröffnet hat. Wir wollen kundenorientiert aufgestellt sein, also verbessern wir sukzessive die Erreichbarkeit unserer Zentren für die Interessierten. Im kommenden Jahr folgt das Zentrum in Regensburg." In Südbayern würden jährlich rund 23 000 Teilnehmer ein Training absolvieren. Ittlinger betont: "Wir wollen dabei nie lehrmeistern, es soll Spaß machen und interessant sein, natürlich auch Wissen vermitteln." Das sieht der Cheftrainer für die südbayerischen Zentren ebenso. Ralf Müller-Wiesenfarth nennt das Training "ein erlebnisreiches Probieren". Der Standort sei auch wegen der Nähe zu Audi wichtig.

Aus Schelldorf ist Manuela Schweizer gekommen. "Ich begleite meine beiden Männer", sagte die 45-Jährige. Am Ende waren aber nicht nur der Mann und der Sohn angetan: "Ich finde es toll, dass es so etwas gibt. Sicherheit ist ein wesentliches Thema." So hat sie ihrem Mann sogar schon einmal ein Fahrsicherheitstraining geschenkt. Für Schweizer steht fest: "Was der ADAC hier macht, ist ganz wichtig."

Klaus Reindl, über Jahre das Gesicht des ADAC, inzwischen aber in Rente, war auch da. "Mit einem Kollegen kümmere ich mich weiter um den Autoabwurf, außerdem mache ich noch die Pressearbeit für das ADAC-Zentrum Augsburg." Reindl liegt vor allem am Herzen, immer und immer wieder zu sagen, dass man bei einem Unfall doch nicht als Gaffer stehenbleiben sollte. Nach dem Autoabwurf gab er den Zuschauern via Mikrofon mit: "Ihr habt jetzt gesehen, wie es ausschaut, Ihr wisst, wie es abläuft. Also bleibt in Zukunft nicht stehen, sondern fahrt weiter und bildet Rettungsgassen."

Am Pielmeier-Stand mit den aktuellen BMW-Motorrädern zog eine spezielle R nineT die Blicke auf sich. Stefan aus Odelzhausen arbeitet bei BMW Motorrad und hat sich (und allen Zweiradfans) ein besonderes Bike gebaut. "60 000 Euro kostet sie komplett." Wau. "Ein einfacher Umbau ist aber schon für unter 1000 Euro möglich." Na Gott sei dank. Der 41-Jährige sagt, nur der Rahmen an seinem "daily rider" sei noch original. Die Anzeige wanderte in den Tank, der Motor hat nun 1300 ccm Hubraum, baut auf 132 PS und 132 Nm Drehmoment. Die Arbeiten am Motor haben 10 000 Euro verschlungen, der Zwölfschichten-Airbrush-Tank mit allen Umbauten ebenso.

Am Ende des Tages sind alle zufrieden. Vorbei am Straßenwacht-Käfer und dem Rettungshubschrauber geht es heimwärts. Viele wollen wiederkommen. Zum Trainieren. "8 bis 23 Uhr ist doch ein idealer Timeslot", nennt es Ittlinger. Montags und mittwochs können sogar Jugendliche ab 15 Jahren und noch ohne Führerschein fahren. Mit dem Papa oder der Mama auf dem Beifahrersitz. Für 18 Euro. Ganz legal. Und sogar versichert.