Ingolstadt

Schützenhilfe fürs Armeemuseum

Ortstermin mit zwei Ausschussvorsitzenden im Landtag und Alfred Grob - Kavaliersbau wird saniert

22.12.2021 | Stand 25.12.2021, 3:34 Uhr
Der Dachstuhl des Zeughauses am Schloss ist gewaltig. Wenn der Kavaliersbau mit den Werkstätten saniert ist, soll auch das aus dem Jahr 1472 stammende Ziegelgebäude hergerichtet und für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Josef Zellmeier und Robert Brannekämper, beide Ausschussvorsitzende im Landtag, machten sich mit dem Ingolstädter Abgeordneten Alfred Grob und Museumsdirektor Ansgar Reiß vor Ort ein Bild. −Foto: Hammer

Ingolstadt - Zum 100-jährigen Bestehen des Bayerischen Armeemuseums hätten im Zeughaus schon die ersten Bauarbeiter anrücken sollen.

Das war 1979. Gut 40 Jahre später schlummert der ehemalige Getreidekasten auf der Nordseite des Schlosshofs immer noch in einer Art Dornröschenschlaf - und das seit 1945. Doch das soll sich definitiv ändern. Wenn die Werkstätten des Bayerischen Armeemuseums etwa Mitte dieses Jahrzehnts renoviert sind, soll idealerweise mit der Sanierung des mächtigen Ziegelbaus aus dem Jahr 1472/73 begonnen werden. Das zumindest wünscht sich Museumsdirektor Ansgar Reiß - und er hat einflussreiche Mitstreiter.

Am Dienstag hatte sich hoher Besuch im Neuen Schloss angekündigt. Neben dem Ingolstädter CSU-Landtagsabgeordneten Alfred Grob waren der Vorsitzende des Haushaltsausschusses im Bayerischen Landtag, Josef Zellmeier, und der Vorsitzende des Wissenschaftsausschusses, Robert Brannekämper, zu einem Ortstermin gekommen. Dabei ging es auch um das Zeughaus mit seinem beeindruckenden Dachstuhl, der möglicherweise von derselben Zimmermannsfamilie stammt, die auch den Dachstuhl des Münsters errichtet hat.

Museumsdirektor Reiß wünscht sich ein "lebendiges Museum" und betrachtet die Wiederherstellung des Zeughauses als letzten von drei Sanierungsabschnitten nach dem eigentlichen Museumsgebäude, dem früheren Palas, und dem Kavaliersbau, wo ein Teil der Werkstätten untergebracht war. An Ideen für eine spätere Verwendung des Baus mangelt es jedenfalls nicht: Sonderausstellungen könnte man dort präsentieren oder Veranstaltungen für einige hundert Besucher anbieten - so ein Saal fehlt in Ingolstadt. Auch eine gastronomische Nutzung böte sich hier an.

Der Ingolstädter Abgeordnete Alfred Grob erinnerte auch an das neue Ensemble, das derzeit unmittelbar neben dem Armeemuseum entsteht: THI, Digitales Gründerzentrum oder auch das Museum für Konkrete Kunst und Design gehören hier dazu. Für Grob ist dies eine "Erweiterung der Stadt Richtung Osten" - wofür mit der Öffnung des Alten Feldkirchner Tores im Schlosshof ein attraktiver Durchgang geschaffen wurde.

Bevor jedoch das Zeughaus saniert wird, ist der sogenannte Kavaliersbau an der Reihe. Der abgewinkelte Trakt bildet die südwestliche Hofbegrenzung und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Im Süden ist ein Teil der alten Stadtmauer in diesen Bau einbezogen. Seinen Namen erhielt das Anfang des 15. Jahrhunderts errichtete Gebäude, weil einst der Ingolstädter Herzog natürlich im eigentlichen Schloss residierte, sein Hofstaat aber im separat untergebracht war.

Der ganze Trakt ist in einem jämmerlichen Zustand und in den Augen vieler Ingolstädter ein Schandfleck, wenn man die südliche Mauer betrachtet. Und das nicht erst seit gestern. "Viele auswärtige Besucher empfangen erste bleibende Eindrücke von lngolstadt im Bereich des Theater-Parkplatzes. Niemand wird bestreiten können, daß gerade aus dieser Perspektive neben der prächtigen Südfassade des Schlosses, welche zudem noch nicht so stark verschmutzt ist, die unansehnliche Fassade des Kavaliersgebäudes besonders stark auffällt. Hinzu kommt aber noch, daß die in diesem Trakt und im Turm untergebrachten Werkstätten des Museums dringend der Modernisierung bedürften. Dies nicht nur, um die Arbeitsbedingungen für die hier tätigen Restauratoren entscheidend zu verbessern, sondern auch, weil durch Umbauten zusätzliche Arbeitsräume gewonnen werden können. " Das schrieb der frühere Museumsdirektor Ernst Aichner im DK zum 100-jährigen Bestehen des Armeemuseums - im Jahr 1979! Seitdem hat sich der Zustand nicht verbessert, im Gegenteil: Immer mehr Werkstätten mussten im Laufe der Jahrzehnte umziehen, teilweise wurden Betretungsverbote erlassen, so marode ist der Zustand. Dabei ist die Substanz noch weitgehend original, weshalb es bei der Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege kaum Probleme gab.

Im November hat der Haushaltsausschuss grünes Licht für die Sanierung gegeben, so dass die Planungen weiterlaufen können. Dann ist nochmals der Ausschuss an der Reihe, wo es aber keine Probleme geben dürfte. Bis 2025/26 soll die Sanierung abgeschlossen sein. Die Kosten inklusive Risikozuschlag liegen bei 5,9 Millionen Euro. In das Gebäude werden dann wieder die Werkstätten einziehen. Und dann ist das Zeughaus an der Reihe - hoffentlich.

peh