Ingolstadt

Schicksale pflastern den Weg

Heute verlegt der Künstler Gunter Demnig in der Altstadt seine "Stolpersteine"

20.03.2012 | Stand 03.12.2020, 1:42 Uhr

Ingolstadt (sic) Die Familie Loewenfels wohnte am Paradeplatz, Hausnummer 5. Den Nationalsozialisten entkamen die Ingolstädter jüdischen Glaubens gerade noch rechtzeitig.

Sie emigrierten in die USA. Ab heute erinnert ein kleiner mit Messing beschlagener Stein an die Familie. Um 15 Uhr setzt ihn der Künstler Gunter Demnig vor dem Haus ins Pflaster. Es ist der Auftakt der „Stolperstein“-Aktion in Ingolstadt, verbunden mit einer Feier auf dem Paradeplatz. Die Bevölkerung ist herzlich eingeladen.

14 Schüler des Scheiner-Gymnasiums haben im Rahmen eines Projektseminars die Schicksale von emigrierten und deportierten Ingolstädter Bürgern erforscht. Viele wurden in Konzentrationslagern ermordet. An sie erinnern nun die Steine im Pflaster vor ihren letzten frei gewählten Wohnungen. Nach dem feierlichen Beginn am Paradeplatz wird Demnig heute in der Altstadt zehn weitere Stolpersteine verlegen, darunter in der Theresienstraße 13, in der Neubaustraße 9, in der Donaustraße 6, am Unteren Graben 20 sowie in der Schmalzingergasse 1.

Demnigs Stolpersteine gibt es europaweit in nahezu 700 Orten. Der Leitgedanke lautet: „Ein Stein. Ein Name. Ein Mensch.“ Bisher hat der 65-jährige Künstler rund 30 000 Stück verlegt. Ingolstadt fehlte noch auf dieser Karte. Zahlreiche Paten haben das Projekt der Scheiner-Schüler und ihres Geschichtslehrers Fritz Schäffer ermöglicht.