Großmehring
Rätselraten um Flugobjekt

25.06.2010 | Stand 03.12.2020, 3:54 Uhr |

Ungewöhnliches Phänomen am Himmel über Großmehring. Mit der Kamera eingefangen und an den DK geschickt hat es Michael Kaltenegger. Tatsächlich ist es ein ausziehender Bienenschwarm, sagen die Wehrtechnische Dienststelle und der Imker-Kreisverband. - Foto: Privat

Großmehring (DK) Unbekanntes Flugobjekt über Großmehring? Was Familie Kaltenegger am Donnerstagabend am Himmel gesehen hat, sorgte zunächst für wilde Spekulationen. Das ungewöhnliche Gebilde hat freilich eine recht irdische Erklärung: Es war ein sich auflösender Bienenschwarm.

"Das ist die einzige plausible Erklärung", sagt Peter Pörsch, Stabschef der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 61 in Manching. Die WTD ist zuständig für die Erprobung, Prüfung und Zulassung von Luftfahrtgeräten für die Bundeswehr und somit auch, wenn es um Phänomene am Himmel in der Region geht, ein geeigneter Ansprechpartner. Mit 100-prozentiger Sicherheit konnte Pörsch seine Aussage nicht treffen. Einen Beweis gibt es nicht. Doch er ist sicher: "Es ist nichts Militärisches und nichts Mechanisches." Nach umfangreicher Recherche stieß er auf einen Kollegen, der selbst einmal ein ganz ähnliches Spektakel beobachtet hat – einen Bienenschwarm, der gerade auszog. Die aus dem Schwarm herausfliegenden Bienen sehen aus wie eine Rauchschwade. "Das erklärt auch, warum sich das Gebilde auflöst", sagt Pörsch.

Genau dies haben Gabriele Kaltenegger und ihr Sohn Michael am Donnerstag gegen 20.50 Uhr nördlich von Großmehring gesehen. "Ich wollte gerade meine Garage zumachen, da hab’ ich das Teil entdeckt", erzählt Gabriele Kaltenegger. Sie rief ihren Sohn Michael, der gleich seine Digitalkamera zückte und die Fotos am Freitag an den DONAUKURIER schickte. "Ich hab erst gedacht, es ist ein Zeppelin", sagt Kaltenegger. Doch das Gebilde wurde immer kleiner. "Nach 20 oder 25 Minuten war es nur noch ein Wölkchen." Ihr Sohn Michael beschreibt das Gesehene so: "Es war zwischen Katharinenberg und Großmehring, östlich des Forts Prinz Karl. Es tauchte am Horizont auf und stieg nach oben. Rauchschwaden fielen zu Boden und bewegten sich dann Richtung Osten. Es löste sich gegen 21.15 Uhr in eine schwarze Rauchwolke auf."

"Was war das", fragten sich der 15-jährige Michael Kaltenegger, sein 13-jähriger Bruder und ihre Mutter. An ein UFO glaubten sie ernsthaft natürlich nicht. Die Experten der Wehrtechnischen Dienststelle, denen der DONAUKURIER gestern die Bilder vorlegte, standen zunächst vor einem Rätsel. Erster Eindruck von Stabschef Pörsch: "Es könnte sich um einen Schleppsack handeln." Doch diese hängen normalerweise an einem Flugzeug und werden für Schießübungen verwendet. Pörsch zeigte die Bilder Piloten, dem Towerpersonal und dem zuständigen Mann für Schleppdrohnen. "Wir haben erst auf einen Hobby-Raketenbauer getippt", sagt der auch für Pressearbeit zuständige WTD-Stabschef. Angemeldet war ein entsprechender Test nicht. Doch die Beschreibung der Familie Kaltenegger sprach gegen einen Raketentest oder anderes militärisches Gerät. Es kann also – sind sich die Experten der WTD einig – nur ein Bienenschwarm sein.

Das bestätigte auch Josef Hagemann, Vorsitzender des Imker-Kreisverbandes Eichstätt. Wenn die Bienen ausziehen, erklärte er auf Anfrage, suchen sie eine neue Behausung. "Sie sind quasi auf Wohnungssuche." So könnten aus einem Volk bis zu vier oder fünf Nachschwärme entstehen. Löst sich der Schwarm auf, "sieht das aus wie ein langer Schweif". Was am Donnerstagabend über Großmehring beobachtet wurde, sei nach der Beschreibung der Kalteneggers "ganz eindeutig ein ausziehender Bienenschwarm".