Ingolstadt

Parodieren auf dem Parkdeck

Kabarettist Martin Frank tritt bei "Über den Dächern Ingolstadts" auf - Ein Interview in luftiger Höhe

03.08.2018 | Stand 02.12.2020, 15:56 Uhr
Hoch oben über den Dächern Ingolstadts wird Martin Frank sein aktuelles Programm "Es kommt, wie's kommt" präsentieren. −Foto: Foto: Schmeizl

Ingolstadt (DK) Jung, witzig und auf dem Weg nach oben: Das ist Nachwuchscomedian Martin Frank.
"Ich pubertiere! " hieß das erste Kabarettprogramm von ihm. Mittlerweile ist der 26-Jährige erwachsen. Im Oktober erhält er den begehrten Senkrechtstarter-Preis des Bayerischen Kabarettpreises. Sein Talent hat bereits Monika Gruber entdeckt. Seit 2015 holt sie den Niederbayer als "Zivi" mit auf die Bühne. Am 12. August tritt Frank auf dem Parkdeck des Ingolstädter Nordbahnhofs auf. Mit uns hat er sich vorher über langweilige Eheschließungen, bairische Verständigungsprobleme, Opern-Arien und Sinnkrisen unterhalten - natürlich in seinem unverwechselbaren niederbairischen Dialekt.



Herr Frank, Sie waren ja mal Standesbeamter in einer kleinen Gemeinde im Bayerischen Wald. Ist Unterhaltungstalent für diesen Beruf wichtig?

Martin Frank: Auf jeden Fall. Viele Pärchen sind am Tag der Trauung nervös, da muss der Standesbeamte versuchen, ihnen die Nervosität zu nehmen. Und deshalb glaube ich, dass ein gewisses Talent, Leute zu unterhalten, schon wichtig ist. Leider haben das nur die wenigsten. Ich kenne so viele Standesbeamte, die Trauungen langweilig gestalten. Da werden dann die Reden einfach aus dem Internet genommen. Ich denke mir: Man könnte doch auch ein bisschen individueller auf die Paare eingehen.

Nach sechs Eheschließungen war aber Schluss. Mittlerweile sind Sie der Shootingstar der bayerischen Kabarettszene. Vom Standesbeamten zum Stand-up-Comedian - wie geht das?

Frank: Mir war der Job im Rathaus auf Dauer zu langweilig. Ich habe es im Büro nicht mehr ausgehalten und dachte mir: Das Rathaus in Hutthurm kann nicht die Endstation meines Lebens gewesen sein.

Wie ging es dann weiter?

Frank: Ich habe im Rathaus gekündigt und holte mein Abitur auf der BOS nach. Danach bin ich auf die Schauspielschule nach München gegangen. Ich dachte nie, dass die mich nehmen. Mich, Martin Frank aus dem Bayerischen Wald, der nicht mal gescheit Hochdeutsch sprechen kann (lacht). Wenn ich es versucht habe, hat sich das eher wie eine Parodie angehört.

Wie Sind Sie dann zum Kabarett gekommen?

Frank: Ich habe vor der Zeit auf der Schauspielschule immer ein bisschen Kabarett nebenbei gemacht. Nur auf die Schauspielschule zu gehen, war mir auf Dauer aber auch zu langweilig. Irgendwann hab ich dann meine eigenen Texte geschrieben und wollte sie auf die Bühne kriegen. Ich habe mir schon vor der Schauspielschule ein paar Kontakte erspielt und habe da einfach angeknüpft. Und dann ist es irgendwie ganz gut weitergelaufen.

Am 12. August sind Sie auf dem Parkdeck des Nordbahnhofs. Was erwartet die Zuschauer?

Frank: In meinem aktuellen Programm geht es um die Sinnkrise, die ich mit 25 erlitten habe. Nach der Schauspielschule wollte ich unbedingt an die Musikhochschule und Opernsänger werden, weil mich klassische Musik schon immer fasziniert hat. Ich habe geprobt wie ein Irrer und bin nach Salzburg ans Mozarteum, um vorzusingen. Ich wurde abgelehnt, und mein Traum zerplatzte. Diese Erlebnisse von damals hab ich in meinem Programm "Es kommt, wie's kommt" auf humorvolle Weise aufgearbeitet. Ich kann nur über das erzählen, was ich selber erlebt habe. Im Endeffekt geht es in dem neuen Programm auch darum, an sich und seinen Traum zu glauben. Ich bin zwar jetzt Kabarettist und kein Opernsänger, auf der Bühne singe ich trotzdem Opern-Arien. Es zeigt sich immer wieder im Leben: Wo sich die eine Tür schließt, öffnet sich eine andere.

In Ihren Programmen geht es auch immer wieder um die Stadt-Land-Thematik. Was haben Sie als Landei in der Landeshauptstadt erlebt?

Frank: Auf dem Land grüßt man ja immer jeden mit Grüß Gott. So habe ich es von zu Hause mitbekommen. Das habe ich auch gemacht, als ich das erste Mal in München mit der U-Bahn gefahren bin. Ich bin eingestiegen und habe "Grüß Gott" gesagt. Das ist nicht gut angekommen. Es ist Panik ausgebrochen, weil die Leute dachten, ich würde ihre Fahrscheine kontrollieren.

In Ihnen stecken ja auch noch ganz andere Seiten. Eine große Leidenschaft von Ihnen ist die klassische Musik. Wie passt das zum Kabarett?

Frank: So genau weiß ich nicht, woher diese Leidenschaft kommt. Ich teile sie auf jeden Fall mit meiner Mama. Wie sich klassischer Gesang mit Kabarett vereinbaren lässt, weiß ich selber noch nicht genau. Das ist eine Sache, die ich gerade ausprobiere, indem ich während meiner Shows Arien singe, manchmal auch auf Bairisch (lacht).

Das "Grüß Gott" in der Münchner U-Bahn kam ja nicht so gut an. Wie werden Sie die Ingolstädter Gäste auf dem Parkdeck begrüßen?

Frank: Ich werde das Ingolstädter Publikum so wie bei allen anderen Auftritten mit "Grias God, geht's erna guad? " begrüßen. Mal sehen, wie die Zuschauer reagieren. Hoffentlich nicht so wie in der Münchner U-Bahn (lacht).

Das Gespräch führte

Xenia Schmeizl.
ZUR PERSONMartin Frank kam 1992 in Hutthurm (Landkreis Passau) zur Welt. Aufgewachsen ist er auf dem elterlichen Bauernhof und absolvierte anschließend eine Ausbildung zum Standesbeamten und Kirchenorganisten. Er kündigte den sicheren Job, holte sein Abitur an der Berufsoberschule nach und studierte an der Schauspielschule Zerboni in München. Inzwischen hat er mehrere Soloprogramme geschrieben. Mit seiner neuesten Show ist Martin Frank nun am Sonntag, 12. August, um 20 Uhr in Ingolstadt zu sehen.