Hilpoltstein

Ökonomische Kompetenz

14.04.2010 | Stand 03.12.2020, 4:06 Uhr

Wie man sich einen Vorsprung vor anderen erarbeitet, erklärt Wirtschaftswissenschaftler und Triathlet Dirk Gilbert, Professor an der Universität Erlangen-Nürnberg, Realschullehrern aus ganz Mittelfranken. Die Schüler haben derweil Wandertag. - Fotos: Luff

Hilpoltstein (HK) Derartig viel wirtschaftliche Kompetenz wie gestern wird wohl nie wieder in der Hilpoltsteiner Realschule versammelt sein. Denn die Einrichtung war Gastgeberin für den mittelfränkischen Realschultag zum Thema Wirtschaftswissenschaften.

Mit feinem Gespür hatte das Musicalensemble der Schule die große Thematik des Fortbildungstages für Wirtschaftslehrer und Fachbetreuer aus dem ganzen Bezirk aufgegriffen. Unter der Leitung der Musiklehrer Josef Sußbauer und Manuel Weixelbaum intonierten sie zur Einstimmung Abbas "Money, Money, Money". Einen Einblick in the rich man’s world gab hernach auch Professor Dirk Gilbert von der Universität Erlangen-Nürnberg. Er widmete sich in einem Impulsreferat den Chancen und Risiken der aktuellen Finanz- und Wirtschaftskrise.

Und die ordnete er vor 151 Tagungsteilnehmern gleich gelassen ein: "Es ist nicht die erste Krise und es wird nicht die letzte sein." Unternehmen, die sich durch ein innovatives Geschäftsmodell von anderen absetzten, könnten aber umso stärker aus der Talsohle herauskommen. An prominenten Beispielen machte er auf unterhaltsame Weise deutlich, dass eine einzigartige Strategie durchaus zum Erfolg führen könne. Doch Laut einer Umfrage unter 900 mittelständischen Unternehmen machen sich 650 von ihnen nicht einmal Gedanken über die strategische Ausrichtung.

In der Triathlonhochburg Hilpoltstein verglich Hawaii-Finisher Gilbert (10:46:20 Stunden) unternehmerisches Handeln immer wieder mit dem Sport. Beispiel Kostenstruktur: Die sei in quasi jedem Unternehmen schlecht, so Gilbert, "wie auch jeder in seinem privaten Leben eine schlechte Kostenstruktur hat. Daran muss man arbeiten, trainieren."

Ziel eines Unternehmens muss es laut Gilbert sein, eine möglichst hohe Rendite zu erzielen, auf jeden Fall besser als der Durchschnitt. Letzterer sei von Branche zu Branche aber sehr unterschiedlich, in der Pharmaindustrie seien weit höhere Margen zu erzielen als im Einzelhandel. Das sei wie beim Sport. Wenn ihn beim Triathlon ein 24-Jähriger überhole, "dann wünsche ich ihm noch einen schönen Tag." Er sei 44 Jahre alt, so Gilbert – wenn ihn also ein 44-Jähriger übersprinte, "dann gehe ich hinterher. Zumindest wenn ich nach Hawaii will".

Allerdings sei Rendite kein Selbstzweck, gab der Fachmann den Wirtschaftsethiker. Ein Unternehmen stehe bei seinen Mitarbeitern ebenso in der Pflicht wie mit seinen gesellschaftlichen Aufgaben. "Nicht nur Aktionäre sind wichtig."

Ebenfalls kein Selbstzweck ist dieser Aktionstag im Rahmen des so genannten MiLo-Projekts-R (mittelfränkische Leistungsoffensive an Realschulen). Diese seit 2007 bestehende Fortbildungsreihe beschäftigt sich erstmals mit dem "wichtigsten Fach", wie Josef Lobenhofer, ehemaliger Lehrer in Hilpoltstein und heute Ministerialbeauftragter der Realschulen für Mittelfranken, sagte. Realschulen zeichneten sich durch das Wirtschaftsprofil aus, die Kompetenz hierin "ist eines unserer Markenzeichen".

Mit zwei Impulsreferaten am Vormittag und zahlreichen Workshops nach der Mittagspause – unter anderem mit Joachim Prasch, Bundesbankdirektor aus München – gelang es den vielen Lehrern, "wieder an die Quelle zurückzukehren, von der wir kommen: die Uni", wie Lobenhofer sagte. Vor allem aus den Fachreferaten könnten die Lehrkräfte aktuelle Beispiele wie Quelle oder Apple ziehen, um den Unterricht interessanter gestalten zu können, meinte Andreas Meißner, Fachmitarbeiter für Wirtschaftswissenschaften. Den Hilpoltsteiner Realschülern kam die Fortbildung sofort zugute: "Wir haben auf heute den Wandertag gelegt", sagte Rektor Walter Stromsky, sichtlich stolz, dass diese große Veranstaltung in seinen Räumen stattfand. Parallel zum Unterricht sei ein derartiges Programm nicht zu stemmen.