Kösching

Nikoläuse mit straffem Zeitplan

Köschinger Kolpingfamilie organisiert zum 44. Mal Besuchsdienst für rund 220 Kinder

05.12.2016 | Stand 02.12.2020, 18:57 Uhr

Mit Respekt und Freude zugleich empfingen die Kinder der Familie Daller den Nikolaus und den Krampus. Sie versprachen, auch im nächsten Jahr wieder artig zu sein, und durften dann ihr Geschenk aus dem Sack ziehen. - Foto: Stephan

Kösching (DK) Rund 220 Kinder in Kösching haben gestern Besuch von Bischof Nikolaus und Knecht Ruprecht bekommen. Neben viel Lob für gutes Benehmen gab es dabei den einen oder anderen Tadel. Die Kolpingfamilie hatte die Besuchsaktion bereits zum 44. Mal organisiert.

Im Hof der Blaumühle stehen sieben Nikoläuse, sieben Knechte und einige Helfer. Sie klirren mit den Ketten, suchen ihre goldenen Bücher oder müssen noch einmal die Stiefel wechseln, weil die Jeans unter dem Bischofsmantel hervorblitzt. "Am Anfang herrscht immer große Anspannung, bis alle Nikoläuse da sind und losziehen", sagt Franz Heckl, Vorsitzender der Köschinger Kolpingfamilie.

Der Verein organisiert die Besuchsaktion seit 1973. Angefangen hat alles mit zwei Nikoläusen und einem ausrangierten Messgewand. Heute ist die Gruppe fast schon professionell ausgestattet: Selbst genähte Gewänder, mit Lockenwicklern geformte Bärte und die sieben "Krambusse" genannten Transportmittel mit eigenen Fahrern lassen erahnen, wie viel Aufwand in dem Abend steckt. Angelika Heckl hat in den vergangenen beiden Wochen viel telefoniert, die letzte Anmeldung kam am Sonntagabend rein. So stehen etwa 220 Kinder auf ihrer Liste, die dem Besuch mit Freude und Respekt zugleich entgegenfiebern.

Nach und nach ziehen die Nikoläuse und ihre Begleiter - die meisten sind schon seit vielen Jahren mit dabei - also los. Die Gruppen haben einen Terminplan eingesteckt, für jede Familie sind rund 15 Minuten eingeplant. "Wir sind ganz schön durchgetaktet", sagt Nikolaus Michael Geisenfelder, der mit seinem Krampus Christian Wagenhuber eilig in einen der Busse steigt.

Familie Scherübl in der Simon-Diepold-Straße steht ganz oben auf ihrem Zeitplan. Die Geschenke liegen schon auf dem Treppenabsatz bereit. Wagenhuber steckt sie noch schnell in seinen Sack, da geht schon die Tür auf. Der Nikolaus und sein Knecht werden von den aufgeregten Großeltern empfangen, die Familie wartet im Wohnzimmer. "Einen schönen Abend", grüßt Geisenfelder mit seiner tiefsten Stimme. Die kleinen Hauptpersonen Luca, Hannah und Jonas lugen erst einmal schüchtern hinter der Couch hervor, aber auf Mamas Schoß sieht der Krampus wohl gar nicht mehr so furchterregend aus. "Ich möchte helfen, wo ich nur kann", erklärt der Nikolaus und will wissen, wie Kinder ihre Eltern und Großeltern unterstützen können. "Mit Bravsein", antwortet Jonas, der Jüngste im Bunde, und erntet zustimmendes Gelächter seiner Familie.

Dem Nikolaus zufolge ist Jonas aber sowieso ganz lieb und sagt immer "Bitte" und "Danke". Er gibt sogar seinen Schnuller ab und erhält genau wie Luca und Hannah - nach einem Tadel für klitzekleine Ungehorsamkeiten - aus dem Sack von Knecht Ruprecht ein Säckchen mit einem Kuscheltier und Süßigkeiten. "Das war genau richtig", sagt Wagenhuber auf dem Rückweg zum Bus. "Manche übertreiben es mit Geschenken, die so groß sind, dass sie gar nicht mehr in den Sack passen."

Bei Familie Daller am Südring steckt der Krampus vier Päckchen für Felix, Benjamin, Julius und Anna ein, bevor er laut an die Tür klopft. Felix macht auf und darf zur Belohnung den langen Bischofsstab halten, während dem Besuch ein weihnachtliches Gedicht vorgetragen wird. Felix weiß auch, dass der Nikolaus unter anderem am Mantel sowie an der Mütze als Bischof zu erkennen ist. "Staubsaugen, so wie vorhin", sagt der Bub wie aus der Pistole geschossen, als er erzählen soll, wieso er in diesem Jahr besonders brav war. Der Nikolaus weiß außerdem, dass Benjamin heuer sehr tapfer war, Julius für alles in Küche sowie Garten zu begeistern ist und Anna viel zu klein ist, um überhaupt irgendetwas anzustellen. Deshalb dürfen sie ebenso ihre Geschenke aus dem Sack ziehen.

Doch auch der Nikolaus und Knecht Ruprecht gehen nicht leer aus und stärken sich vor der Tür schnell mit einem Marillenschnaps, bevor es weitergeht. Und so ziehen Geisenfelder und Wagenhuber mehrere Stunden lang von Haus zu Haus, um Lob und Tadel zu verteilen. Am Ende des Abends werden sie die restlichen Nikoläuse und Knechte im Vereinsheim wiedertreffen. "Das Beste ist die Nachbereitung", versichert Karin Deindl - oder der "Esel", wie die Fahrer liebevoll genannt werden - zurück im Bus. Bei Würstln und Sauerkraut erzählen die Bischöfe und ihre Begleiter dann von ihren Erlebnissen, während sie sich vom Heiligen wieder in ganz normale Köschinger zurückverwandeln.