Eichstätt

Neue Herausforderungen

Die ersten 100 Tage als neuer Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes in Eichstätt

16.08.2017 | Stand 02.12.2020, 17:38 Uhr
MIchael Gorum ist seit Mai Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands. Er ist Nachfolger von Stefan Janczik, der heuer nach über 40 Jahren im Amt in den Ruhestand gegangen ist. −Foto: Chloupek

Eichstätt (EK) Die ersten 100 Tage als neuer Kreisgeschäftsführer des Bayerischen Roten Kreuzes in Eichstätt hat Michael Gorum nun hinter sich. Wie ist er angekommen? Wie sieht er das BRK für die Zukunft gerüstet? Welche Pläne hat er? Zeit für ein Gespräch.

Herr Gorum, Sie sind seit Mai verantwortlicher Geschäftsführer des BRK-Kreisverbands Eichstätt. Die Eingewöhnungsphase ist vorbei. Nach rund 100 Tagen in der Verantwortung: Wie ist Ihr erster Eindruck?

Gorum: Ich fühle mich schon angekommen. Ich bin ja von Gessertshausen bei Augsburg nach Konstein gezogen und ich muss sagen, die Leute hier sind deutlich entspannter und lockerer als in meiner Heimat, sehr offen und angenehm.

 

Sie sind als BRK-Kreisgeschäftsführer nicht nur Chef über 132 hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sondern auch die Schnittstelle zwischen Haupt- und Ehrenamt.

Gorum: Richtig, und das Ehrenamt ist mir sehr wichtig. Das Ehrenamt trägt uns als Rotes Kreuz nach wie vor. Ohne die Ehrenamtlichen hätten wir ein massives Problem. Katastrophenschutz, Blutspendedienst ... wenn man das alles bezahlen müsste, wäre das nicht mehr leistbar.

 

Worin sehen Sie Ihre konkreten Aufgaben, abgesehen von der Administration? Welche inhaltlichen Herausforderungen sehen Sie für das BRK in der Zukunft?

Gorum: Einmal geht es darum, das momentane Geschäft zu erhalten. Dazu ist es elementar, unseren Fördermitgliederstand zur halten. Dann wird die demografische Entwicklung ein immer stärkeres Thema. Außerdem müssen wir unseren Fahrdienst noch etwas auf Vordermann bringen, der ist noch nicht optimal aufgestellt. Die offene Behindertenarbeit, in der das BRK in Eichstätt sehr aktiv ist, finde ich echt gut. Da müssen wir sehen, dass wir solche Angebote für Behinderte und ältere Menschen auch in Zukunft behalten können.

 

Mit der Behindertenarbeit verdienen Sie aber kein Geld. Wie finanzieren Sie sich? Mit dem Rettungsdienst?

Gorum: Mit dem Rettungsdienst verdienen wir kein Geld. Da kriegen wir nur die Kosten erstattet, die wir nachweislich haben. Wir leben wirklich durch unsere Fördermitglieder und durch eigene Geschäftsfelder wie den „Glückshafen“, Pflegedienst, Fahrdienst, Kleidersammlung. Deshalb werden wir auch in Zukunft noch weitere Geschäftsfelder erschließen müssen.

 

Und dabei denken Sie an die bereits angedeutete Seniorenbetreuung?

Gorum: Ja, genau. Alternative Wohnformen anzubieten, das wäre hier eine Idee. Wir haben ja schon ein Pflegeheim und betreutes Wohnen in Beilngries, da ließen sich für die Zukunft weitere Angebote überlegen. Ich denke an eine Art Wohngemeinschaft, wobei die Leute möglichst lange selber mit aktiv bleiben. Die Generation, die jetzt dann irgendwann in Rente geht, will nicht nur verwaltet und aufbewahrt werden. Die Leute wollen, soweit sie können, noch etwas beitragen. Und das ist auch wichtig, um Kosten zu sparen. Wir haben in der Region ja alle Probleme, Personal zu finden. Hier die Senioren nach Möglichkeit selbst noch stark einzubinden, ist also auch ein wirtschaftlicher Aspekt.

Gibt es da schon konkretere Überlegungen dazu?

Gorum: Nein, das sind momentan nur Überlegungen von mir, die wir noch im Vorstand abgestimmt werden müssen.

 

Das BRK ist ja in verschiedenen Aufgabenfeldern tätig, die wir jetzt einmal kurz beleuchten wollen. Die bekannteste ist der Rettungsdienst. Hier kommen ja massive Umstrukturierungen in Ausbildung und Kompetenzen auf Sie zu – Stichwort Notfallsanitäter, eine neue Herausforderung?

Gorum: Der Notfallsanitäter ist ja jetzt ein richtiger Beruf, die Ausbildung dauert wesentlich länger und ist teurer. Problematischer wird für uns aber, dass der Staat künftig die Rettungswachen regelmäßig ausschreiben wird, um die Kosten im Gesundheitswesen zu drücken. Das Rote Kreuz wird den Rettungsdienst also in Zukunft nicht automatisch behalten, sondern es mit externen Firmen in Wettbewerb treten müssen. Die Ausschreibung soll in der Regel fünf Jahre laufen. Dass Sanitäter also vielleicht alle fünf Jahre ihren Arbeitgeber wechseln sollen, hilft nicht gerade dabei, Leute für diesen Beruf zu begeistern, zumal soziale Berufe nicht so gut bezahlt werden.

 

Wie versuchen Sie dieser Problematik zu begegnen?

Gorum: Dadurch, dass man Ehrenamtliche gewinnt und ausbildet, die sich dann vorstellen können, ihr Hobby zum Beruf zu machen, weil es ihnen mehr Spaß macht und auch selber mehr gibt als ihr bisheriger Beruf. Da muss man immer dran bleiben, der persönliche Kontakt ist durch nichts zu ersetzen.

 

Für die Wasserwacht lassen sich Aktive offenbar leichter gewinnen?

Gorum: Ja, die Wasserwacht ist der größte Bereich im BRK hier im Landkreis, die tut sich relativ leicht, Leute zu finden, weil das Element Wasser bei Kindern und Jugendlichen zieht. Da kann man die Leute schon sehr früh an sich binden. Außerdem haben wir haben eine sehr gut strukturierte und starke Wasserwacht, die sich auch durch eigene Mitgliedschaften selber finanziert. Und wir haben mit Peter Gampl einen sehr guten und engagierten Vorsitzenden. Gute Führungskräfte im Ehrenamt sind immer die Voraussetzung dafür, dass Leute bei uns bleiben und uns unterstützen.

 

Damit sind wir beim nächsten großen Aufgabenfeld, dem Blutspendedienst, der ebenfalls ehrenamtlich arbeitet. Das war bisher Ihr berufliches Hauptbetätigungsfeld, und Eichstätt ist da ja bestens aufgestellt.

Gorum: Ja, Eichstätt ist, was die Blutspendezahlen angeht, in Bayern auf Platz 1. Ich werde mein Augenmerk darauf richten, dass das so bleibt.

 

Wie macht man das?

Gorum: Als ehemaliger Referent im Blutspendedienst weiß ich, welche Stellschrauben da ziehen. Da geht es auch um attraktive Geschenke. Ich habe jetzt schon eine Kooperation mit Edeka für Geschenkegutscheine, in Beilngries gibt es künftig die Beilngries-Card als Geschenk, in Eichstätt sind wir da gerade in Verhandlungen. Ich hoffe, dass werden wir auch hinkriegen. Denn mir schon wichtig, dass man die regionalen Partner mit einbindet. Ich war immer ein Gegner von billigen Plastikgeschenken aus Fernost. Wir sind das Rote Kreuz in der Region und für die Region. Die Region soll und muss sich auch bei uns wiederfinden.

 

Das Gespräch führte

Eva Chloupek

FAKTEN AUS DEM BRK-KREISVERBAND

Zur Person: Michael Gorum (49) kommt aus Gessertshausen bei Augsburg und wohnt in Konstein. Er war zuvor Referent im Blutspendedienst.

 

Aktive: Der Kreisverband zählt aktuell 123 Hauptamtliche, davon 51 im Rettungsdienst; dazu etwa 700 Ehrenamtliche in den Bereitschaften, davon 86 im Rettungsdienst, sowie etwa 2000 Ehrenamtliche in den Wasserwachten.

Fördermitglieder: Aktuell rund 11500 Fördermitglieder zahlen je zwischen fünf und 60 Euro Jahresbeitrag.

 

Budget: Der Jahresumsatz liegt bei etwa sieben Millionen Euro.

 

Einsätze: 2016 gab es 713 Notfalleinsätze mit 35000 Kilometern, 1481 Notarzteinsätze mit 58503 Kilometern und 5024 Krankentransporte mit 207â??140 Kilometern.

Blutspende: 2016 kamen zu 82 Terminen 10448 Spendern, darunter 779 Erstspender (9614 Konserven). Im ersten Halbjahr 2017 gab es 49 Termine mit 6485 Spendern, darunter 521 Erstspendern (6130 Konserven).

 

Ausbildung: 2016 gab es 259 Kurse mit 4058 Teilnehmern. Im ersten Halbjahr 2017 waren es bis jetzt 167 Kurse mit 2703 Teilnehmern. | EK