Hilpoltstein

Neue Bürgerinitiative wehrt sich gegen 5G

Sofortiger Stopp des Netzausbaus gefordert - Gegner verlangen Untersuchungen zur Unbedenklichkeit

01.08.2019 | Stand 02.12.2020, 13:22 Uhr
Die einen träumen von der schnellen Datenverbindung, die anderen haben Angst um ihre Gesundheit: Jetzt hat sich in Kammerstein eine Bürgerinitiative gegründet, die bis zur Klärung aller Risiken einen sofortigen Stopp des weiteren Netzausbaus fordert. −Foto: Rössler/d

Hilpoltstein/Kammerstein (HK) Alle wollen jederzeit mit anderen über ihre Handys und Smartphones kommunizieren. Alle? Nein, denn immer mehr Bürgerinitiativen gegen den Mobilfunkstandard 5G schließen sich in Europa zusammen und warnen vor den Gefahren. So hat sich nun auch in Kammerstein die Initiative "Sendepause - 5G Stoppen!" für die Landkreise Roth, Schwabach und Ansbach gegründet.

Im Bürgersaal in Kammerstein hatten sich dazu zahlreiche Gegner des neuen Funkstandards zusammengefunden, um mit den beiden Initiatoren Andrea Dornisch (linkes Bild) aus Kammerstein und Christian Wiest (rechtes Bild) aus Allersberg diese Bürgerinitiative gegen den Ausbau des Mobilfunkstandards der 5. Generation zu gründen. Und sie lockten damit auch Gegner aus Ingolstadt und Mitglieder der ÖDP aus dem Landkreis Ansbach an, die in ihren Orten eine solche Initiative vorantreiben.

Andrea Dornisch verwies gleich zu Anfang darauf, dass das Bündnis weltanschaulich neutral sei, auf einer wissenschaftlichen Basis arbeite und die Einhaltung des gesetzlich verankerten Vorsorgeprinzips fordere. "Wir stehen dem 5G-Netzausbau sehr kritisch gegenüber und fordern den sofortigen Ausbaustopp, solange nicht die wissenschaftliche Unbedenklichkeit von unabhängiger Seite festgestellt wurde", machte Dornisch deutlich. Die Argumente der europaweiten Bündnisse basierten ihrer Aussage nach auf wissenschaftlich und industrieunabhängigen Studien. "Unsere Sorge gilt der lebenswerten und gesunden Zukunft für uns und die kommenden Generationen," machte sie deutlich. Obwohl in den USA große Schadensersatzprozesse wegen des Krebsverdachts durch Mobilfunk laufen, höre man in Deutschland dazu nichts in den Medien.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beziehe sich auf seiner Internetseite zwar auf die thermischen Auswirkungen der Hochfrequenztechnik, nicht aber auf die biologischen Wechselwirkungen beim Menschen. Andrea Dornisch führte mehrere Studien an, nach denen die Belastung durch elektromagnetische Strahlung, als krebserregend eingestuft würden. Auch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der WHO stufte demnach bereits im Mai 2011 hochfrequente elektromagnetische Felder im Frequenzbereich von 30 kHz - 300 GHz in die Kategorie 2B, also als "möglicherweise krebserregend" ein. Namhafte Wissenschaftler würden laut Dornisch bereits die Hochstufung auf "krebserregend" fordern.

Nachdenklich mache die Mitglieder der Initiative die Tatsache, dass keine Versicherung Strahlungsrisiken versichert, zahlreiche Telekommuniationsfirmen ihre Aktionäre vor möglichen Schäden warnen, aber trotzdem den Ausbau von 5G favorisieren. Selbst Rückversicherer, wie etwa die SwissRe, übernehmen demnach keinerlei Haftung. Dass andere Länder schon weiter seien als Deutschland, beweise das Verbot von WLAN in Schulen in Frankreich und die Einschränkungen in Schweden, Zypern, Israel und Australien.

Die Anwesenden beschlossen mehrheitlich, dass sich die neue Initiative auf Vorschlag von Christian Wiest (rechtes Bild) "Sendepause - 5G Stoppen!" nennt und die Landkreise Ansbach, Roth und Schwabach umfassen soll. "Wir wünschen uns, dass sich Weißenburg-Gunzenhausen noch anschließt", betonte Andrea Dornisch.

Die nächsten Aktivitäten seien, weitere Recherchen durchzuführen, Öffentlichkeitsarbeit zu betreiben und mögliche Alternativen aufzuzeigen. Auf jeden Fall wolle man die Menschen dafür sensibilisieren, den Gebrauch der überall präsenten Drahtloskommunikation kritisch zu überdenken, aus gesundheitlicher Sicht achtsamer mit dem Handy umzugehen und sinnvolle Alternativen zu nutzen.

Dazu will die Initiative mit Bürgern, Politikern und Schulleitern ins Gespräch kommen, da sich vor allem bei Kindern, und Jugendlichen, aber auch Schwangeren, die Strahlung laut ihren Erkenntnissen besonders schädlich auswirke. Weitere Presseinformationen, Vorträge von Wissenschaftlern und Demonstrationen sind geplant. Viele Bürgerinitiativen sind schon über "www.diagnose-funk.org" vernetzt.

Schließlich verwies Andrea Dornisch noch auf ein öffentliches Symposium vom 4. bis 6. Oktober in Mainz, bei dem 18 international renommierte Wissenschaftler, darunter zahlreiche Wissenschaftler, die in die Prozesse in den USA involviert sind, ihre Forschungsarbeiten zum den biologischen Wirkungen des Mobilfunks vorstellen. Weitere Informationen gibt es dazu im Internet www.kompetenzinitiative.net. Fragen zur neuen Initiative beantwortet Andrea Dornisch unter der Telefonnummer (09122) 82383 und unter der Mailadresse andrea.dornisch@gmx.de.

Ruppert Zeiner