Ingolstadt

Mit Basisdemokratie zum Generalplan

Bürger sollen im Sommer in zwei Werkstattgruppen Ziele der städtischen Verkehrspolitik benennen

06.03.2013 | Stand 03.12.2020, 0:25 Uhr

Wie viel Verkehr fließt künftig wo? Und wie sollten die Verkehrsströme künftig geleitet werden, um die Belastung von Anwohnern zu senken, ohne die Stadtentwicklung zu behindern? Auf solche Fragen soll der neue Verkehrsentwicklungsplan Antworten geben – auch unter direkter Beteiligung der Bürger - Foto: Rössle

Ingolstadt (DK) Wenn der neue Stadtrat frühestens Ende 2014 den Verkehrsentwicklungsplan (VEP) 2025 auf den Weg bringt, sollte es kaum noch besserwisserische Kommentare aus der Bevölkerung geben.

Denn die soll schon bei der Entstehung des Planwerks ausgiebig gehört werden – in zwei großen Beteiligungsrunden. Klagen über Staus auf den Ringstraßen, überlastete Knotenpunkte, verstopfte Ein- und Ausfallstraßen und Schleichverkehr durch Wohngebiete sind in einer prosperierenden Stadt unzweifelhaft an der Tagesordnung. Davon zeugen Leserbriefe im DK, das haben die Ortsteilbesuche der DK-Lokalredaktion im vergangenen Sommer eindrucksvoll bewiesen, und das wissen auch die Verkehrsplaner der Stadt aus alter Erfahrung. Sie wollen diese Kritik, möglichst natürlich in konstruktiver Form, jetzt in die Entstehung des neuen Generalplans für den Straßenverkehr einfließen lassen. Die Weichen dafür sollen in Kürze im Stadtentwicklungsausschuss gestellt werden.

Die Stadträte haben den Fahrplan für die Fortschreibung des VEP gerade in der Post gehabt. Auf zwölf Seiten wird dort ausgebreitet, wie der Weg aussehen soll, den Verwaltung und Politik in den kommenden Monaten mit den Bürgern beschreiten wollen. Unter Begleitung eines externen Büros, das die Moderation übernehmen wird, soll hier ein gutes Stück Basisdemokratie geübt werden: Jeder, der sich einbringen will, soll dies auch tun können – bereits in diesem Sommer.

Denn für Juni oder Juli sind zwei sogenannte Bürgerwerkstätten eingeplant, in denen Ideen für die künftige Verkehrsbewältigung der boomenden Großstadt gesammelt werden sollen. Die Stadtplanung, speziell das Amt für Verkehrsmanagement, hat zwei große Themenfelder vorgegeben: In einer Gruppe wird es um den motorisierten Individualverkehr gehen, in der zweiten um den öffentlichen Personennahverkehr, um Radfahrer und Fußgänger.

Mit den Ergebnissen der Werkstattrunden soll sich nach den Sommerferien ein Runder Tisch befassen, an dem Institutionen, Verbände und Vereine, die sich speziell der Verkehrsthematik verschrieben haben, die Vorgaben der Bürger sichten und ihren Sachverstand einfließen lassen können. Später sollen auch die Bezirksausschüsse eingebunden werden, bevor von der Verwaltung bis zum nächsten Winter ein möglicher Handlungsrahmen für Veränderungen abgesteckt wird.

Den künftigen Verkehrsentwicklungsplan wird dann aber erst der im nächsten Jahr zu wählende neue Stadtrat auf den Weg bringen – wiederum nach einer Phase der Bürgerbeteiligung, denn die Ingolstädter sollen – voraussichtlich im Frühsommer 2014 – abermals in zwei Bürgerwerkstätten an der Formulierung der endgültigen Handlungsziele und Projektbeschreibungen beteiligt werden.

Grundlage für alle Entscheidungen werden auch die in den nächsten Monaten erwarteten Ergebnisse der großen Verkehrszählung aus dem Herbst 2012 und die Resultate einer sogenannten Kordonerhebung an den Ein- und Ausfallstraßen aus dem Jahr 2011 sein (siehe Kasten). Bei Letzterer hatte sich zum Beispiel herausgestellt, dass der Durchgangsverkehr für die Stadt mit nach wie vor lediglich rund vier Prozent des Gesamtaufkommens nicht das brennendste Problem darstellt. Allerdings hat sich der aus der Region einfallende Verkehr im Norden der Stadt mit einem Wachstum von zuletzt 3,7 Prozent pro Jahr deutlich stärker erhöht als im Süden (1,6 Prozent). Dies ist zweifelsfrei eine Folge der rasanten Entwicklung bei Audi und in den beiden Güterverkehrszentren.

Stadtbaurätin Renate Preßlein-Lehle hat gegenüber dem DK betont, dass Verkehrsverbesserungen rund ums Audi-Werk ein vordringliches Ziel des neuen Verkehrsentwicklungsplans sein müssen. Selbstverständlich sollen aber auch die vielgestaltigen Probleme in einigen Ortsteilen bei den kommenden Erörterungen mit den Bürgern breiten Raum einnehmen.

Die Verwaltung hat dem nun vorliegenden Fahrplan auch eine Übersicht über bereits geplante oder umgesetzte Maßnahmen zur Verkehrsflussverbesserung beigefügt. Allein acht Projekte zielen dabei auf das Umfeld von Audi ab, darunter auch der wieder ins Blickfeld gerückte mögliche Bahnhalt im Werk. Auch die Umgestaltung des Audi-Rings, die in Kürze starten soll, ist hier aufgeführt.