Friedrichshofen

Wer macht den Weg frei?

Friedrichshofen streitet über die Anbindung des Klinikums von Westen – Drei Varianten sind möglich

06.03.2013 | Stand 03.12.2020, 0:25 Uhr

Friedrichshofen (DK) Ein unscheinbarer Feldweg westlich des Klinikums ist zum Streitobjekt für einen ganzen Ortsteil geworden. Die Stadt will ihn teeren lassen und nur als Anbindung zum Krankenhaus nutzen. Doch die Bürger haben ganz andere Erwartungen, wie sich im Bezirksausschuss wieder zeigte.

Eins, zwei oder drei heißt es nicht nur in der beliebten Kinderfernsehsendung. Auch in Friedrichshofen liegen drei Vorschläge auf dem Tisch, wie sich der Verkehr am Klinikum besser aufteilen lässt und dem Stadtteil Friedrichshofen mehr Entspannung bringen könnte. In der Sitzung des örtlichen Bezirksausschusses (BZA) stellte Baureferent Wolfgang Scherer diese Pläne „in einer äußerst sachlichen Diskussion“ vor. Bevor der Abend aber überhaupt richtig begonnen hatte, war Scheuer „vom Donner gerührt“, wie er sagte.

Er war mit der Erwartung zum BZA gekommen, ein Votum zu den Varianten zu bekommen, das er den Stadträten in der Sitzung des Planungsausschusses (kommenden Dienstag, 14 Uhr) überbringen wollte und sollte. Doch „krankheitsbedingt“, wie die stellvertretende BZA-Vorsitzende Christa Buchhold sagte, die am Dienstagabend die Sitzung notgedrungen leitete, war das Gremium derart dezimiert, dass es nicht beschlussfähig war. So geriet alles nur zur Informationsveranstaltung, die es vor rund 130 Bürgern aber auch so in sich hatte.

Denn nicht nur die Varianten an sich sind umstritten. Auch deren ganzer Sinn wird von verschiedenen Interessengruppen unterschiedlich bewertet. Variante eins (Scherer: „Favorit der Verwaltung“) ist der direkt verlaufende Feldweg von der Ochsenmühlstraße zum Hubschrauberlandeplatz und dem dortigen Parkplatz des Klinikums. Weil aber die Landwirte neben der Trasse nichts hergeben wollten (Stichwort: „schwieriger Grunderwerb“), könnte die Stadt den Weg lediglich vier Meter breit asphaltieren. Es wären sogar Ausweichbuchten nötig, damit Fahrzeuge aneinander vorbeikommen. Variante zwei, ein anderer Feldweg ab der Ochsenmühlstraße etwas nördlich, böte auch nicht viel mehr Platz. Dafür aber die Variante drei, die den Klinikumsparkplatz über die alte Kriegsstraße nördlich des Golfplatzes aber „sehr umwegig“ (Scherer) ansteuert.

Er hält gerade diesen letzten Vorschlag, der aber von der Jagdgenossenschaft und den Grundstückseigentümern im Umfeld befürwortet wird, „für sehr problematisch“. Denn von der Kriegsstraße sind es nur noch wenige Meter mehr zur Krumenauerstraße und der Gerolfinger Straße. „Das schreit danach, dass man dann dort weiterbaut.“ Doch das ergebe den Bypass für den Schleichverkehr in Richtung Stadtmitte, den die Verwaltung dort nicht haben will – zumindest sie.

Denn mehr als über die jeweiligen Trassen wird über die Erwartungen an die Anbindung des Klinikums gestritten. „Viele erwarteten“, sagt Scherer, „dass ich jetzt das große Kaninchen aus dem Hut zaubere“, das alle Verkehrsprobleme des arg belasteten Stadtteils beseitigt. Es sei deshalb schwer für ihn gewesen, den Bürgern zu vermitteln, dass dieser Feldweg (egal, wie er verläuft) gerade nicht als die große Entlastung für Friedrichshofen gedacht sei. „Er soll nur ein Provisorium sein“ und kurzfristig Erleichterung bringen. „Durch den Weg soll lediglich das Klinikum angebunden werden.“ Sankas, Klinikumsmitarbeiter oder auch Besucher könnten bis zum Parkplatz des Krankenhauses fahren – aber nicht weiter. Die direkte Verbindung der Levelingstraße komme zunächst auf keinen Fall, betonte Scherer.

Erst in folgenden Schritten, wenn das große Baugebiet Friedrichshofen-West weiterentwickelt werde („Bisher ist dort nur der Rahmenplan beschlossen“), werde über die komplette Erschließung des Stadtteils beschlossen. Bis dahin dürfte in Friedrichshofen noch viel diskutiert werden. Denn wie Christa Buchhold auch nach dem „Infoabend“ noch sagte: „Die Entscheidung kann man nicht übers Knie brechen.“