2000 Euro brutto weniger

Lohnlücke zwischen Männern und Frauen in Ingolstadt besonders groß

30.12.2020 | Stand 02.01.2020, 3:33 Uhr
Rund 20 Frauen und auch einige Männer trafen sich im März 2019, um auf die Lohnlücke zwischen Frauen und Männern aufmerksam zu machen. Gerade in Ingolstadt ist diese Lücke besonders groß. −Foto: Brandl/DK-Archivfoto

Ingolstadt - Bei rund 19 Prozent liegt derzeit in Deutschland die Lohnlücke zwischen Männern und Frauen. Besonders groß ist sie in Ingolstadt: das Statistische Bundesamt hat die sogenannte Gender Pay Gap in der Stadt auf 36 Prozent beziffert.

Vergleicht man Männer und Frauen mit gleichen Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsverläufen in unserer Region, zeigt sich laut dem Statistischen Bundesamt für Ingolstadt eine besonders große Lohnlücke. Nach einer Meldung der Stadt Ingolstadt hat eine Frau jeden Monat etwa 2000 Euro brutto weniger auf ihrem Gehaltskonto hat als ein Mann. Für den Gender Pay Gap werden die Durchschnittswerte aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer erfasst. Das Statistische Bundesamt geht davon aus, dass 71 Prozent des Verdienstunterschiedes strukturbedingt sind - also darauf zurückführen, dass Frauen in schlechter bezahlten Berufen arbeiten und seltener Führungspositionen erreichen.

Initiative in Ingolstadt

Aus diesem Grund hat sich vor gut einem Jahr eine Initiative mit Barbara Deimel, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, Ira Schmalbrock, Leiterin Pro Beschäftigung e.V., Maike Weiland, Leiterin Wirtschaftsförderung Ingolstadt, Prof. Dr. Katherine Roegner, Technische Hochschule Ingolstadt, und Astrid von Perponcher vom Unternehmerinnenforum gebildet. Die engagierten Frauen haben sich ein Motto und ein Ziel gesetzt: "Money, Money, Money - Frauen verdienen mehr!" Mit Informationen und Veranstaltungen wollen sie nicht nur die Defizite aufzeigen, sondern auch zur Entwicklung von Strategien für mehr Lohngerechtigkeit anregen. Aufgrund der Corona-Pandemie konnten alle für 2020 geplanten Veranstaltungen nicht durchgeführt werden. Sobald diese wieder möglich sind, wollen die Frauen ihre Aktionen nachholen.

Als Gleichstellungsbeauftragte fordert Barbara Deimel auch einen Wertewandel seitens der Politik und der Gesellschaft, bei dem die sogenannte Care-Arbeit, also Sorgearbeit, gerechter verteilt wird. "Nach siebzig Jahren Grundgesetz mit einer verankerten Gleichberechtigung wollen wir der Entgeltdiskriminierung entgegenwirken", sagt Deimel. Um die Lohnlücke zu verkleinern, wird beispielsweise versucht, mehr junge Frauen für Naturwissenschaften zu begeistern.

DK