Kurzweilige Oper

Weltersteinspielung von Simon Mayrs "Le Due Duchesse"

10.06.2020 | Stand 02.12.2020, 11:12 Uhr |
Unter der Leitung von Franz Hauk wurde die CD "Die zwei Herzoginnen" in Neuburg während eines Konzertes eingespielt. −Foto: Hauser

Neuburg - Die Jagd auf Frauen ist um Schloss Athelwold noch dringlicher als die Jagd auf Wölfe.

König Edgar von England wird eine falsche Braut zugeführt, weil die richtige dem Monarchen von einem Vasallen weggeheiratet wurde. Aus wahrer Liebe! Totale Verwirrung herrscht also im ersten Finale der Oper "Le Due Duchesse ossia La Caccia dei Lupi" (Die zwei Herzoginnen oder Die Wolfsjagd" von Johann Simon Mayr (1763-1845).

Das ist nur einer von vielen Höhepunkten in der bei Naxos erschienenen Weltersteinspielung unter Franz Hauk mit dem Simon-Mayr-Chor, Sängern aus dem Chor der Bayerischen Staatsoper und dem mit affiner Pikanterie spielenden Concerto de Bassus. Entstanden war die Aufnahme der Oper des aus Mendorf (Kreis Eichstätt) stammenden Lieblingskomponisten Napoléons nach konzertanten Aufführungen im Kongregationssaal Neuburg an der Donau im September 2017.

Das mit den anspruchsvollen Partien bestens zurecht kommende Solistenensemble stürzte sich passioniert in die temporeiche Story: Am Ende dürfen Enrico (Markus Schäfer) und Malvina (Eun-Hye Choi), die mit einem grandiosen Duett ihren Bund bestätigenden Liebenden aus dem englischen Schlossadel, zusammenbleiben. Denn König Edgar (Young-Jun Ahn) ist bereits durch ein verdrängtes Heiratsversprechen anderweitig in der Pflicht und verzeiht deshalb den frivolen Schwindel. Jäger Berto (Samuel Hasselhorn) und Bedienstete Laura (Tina Marie Herbert), die nur bedingt Fähigkeiten zur alternativen Vorzeigebraut hat, kriegen sich dagegen erst nach heftigen Wortwechseln.

Uraufgeführt wurde Mayrs präromantische Oper, eine seiner schönsten Partituren nach den europäischen Erfolgen "Die weiße und die rote Rose" und "Medea in Korinth", an der Mailänder Scala 1814. Er und sein geschätzter Hauptkonkurrent Gioachino Rossini dialogisierten in diesen Jahren mittels brillanter Orchesterbehandlung und Bombardements wirkungsvoller Melodien, bis Rossini nach 1816 die eindeutige Führung übernahm. Die nicht ganz ernst gemeinte Mittelalter-Oper Mayrs kann sich mit dieser Einspielung internationaler Wertschätzung sicher sein. Durch die kurzweiligen "Due Duchesse" versteht man Opern wie Rossinis gleichfalls zwischen Ulk und Sentiment springende "Matilde di Shabran" besser. Wiedererkennungseffekte durch Opernarchäologie machen Freude: Am Ende des ersten Aktes artikulieren König und Brauträuber ihre Verwirrung mit einer der um 1810 berühmtesten italienischen Kanzonen, die Mayr-Enthusiasten auch aus "Medea in Korinth" und Besuchern der Neuburger Kammeroper aus Pietro Raimondis "Der Fächer" bestens bekannt ist.

DK


Simon Mayr: Le Due Duchesse / Naxos 8.660422-23 (2 CD), etwa 17 Euro. Mit Young-Jun Ahn, Markus Schäfer, Anna Feith, Samuel Hasselhorn, Franz Hauk, Simon Mayr Chor, Concerto de Bassus. www. naxos. de/neuheiten/0730099042277/