Jetzendorf

Jetzendorf im Frautag-Fieber

An Mariä Himmelfahrt werden über 10 000 Besucher erwartet

09.08.2017 | Stand 02.12.2020, 17:40 Uhr

An den zahlreichen Ständen beim Frautag ist, wie unser Foto aus dem Vorjahr zeigt, immer viel los. Der Frautag hat sich längst zum größten eintägigen Jahrmarkt Bayerns entwickelt. ‹ŒArch - foto: Ostermair

Jetzendorf (PK) Die Vorbereitungen für den Frautag an Mariä Himmelfahrt, Bayerns größten eintägigen Jahrmarkt, laufen auf Hochtouren. Dabei geht es in erster Linie darum, dass dem Sicherheitskonzept, das Bürgermeister Manfred Betzin zur Chefsache gemacht hat, Genüge geleistet wird.

Auch am kommenden Dienstag, werden wieder weit über 10 000 Besucher beim Frautag erwartet. Wie von Marktmeister Stefan Schmid zu erfahren war, kommen 230 Händler und Fieranten aus ganz Deutschland nach Jetzendorf, um ihre Waren entlang der Ortsdurchfahrt sowie in der Indersdorfer Straße und im vorderen Teil der Schulstraße an den Mann oder die Frau zu bringen. Oft sind es aber die Kinder, die an den vielen Spielzeugständen für ein gutes Geschäft sorgen.

Weil der Frautag Volksfestcharakter hat, geht es jedes Jahr in den Bierburgen hoch her. So gibt es heuer wieder große Biergärten am Gasthaus Ottilinger und an der Metzgerei Buchberger. Auch wenn das älteste Wirtshaus im Ort, die "Post" derzeit ohne Pächter ist, darf im Post-Biergarten zünftig gefeiert werden. Andreas Edelmann ist hier der Festwirt, der auch die Partymeile am Maibaum bewirtet. Immer mehr Frautag-Besucher lassen sich der knusprigen Hendl wegen auch im Öttl-Hof an der Hauptstraße nieder oder besuchen den Biergarten des Italieners nahe der Ilmbrücke. Einen Imbisstand mit Weißbiertheke gibt es auch am Maibaum und der Tennisclub Jetzendorf lädt auch heuer wieder zu einem guten Tröpfchen in seine Weinlaube ein.

So wie in der Weinlaube kann auch beim Flohmarkt des TSV Jetzendorf im Beck-Hof schon am Vorabend zünftig gefeiert werden. Am Frautag schlagen die Händler ab 8 Uhr ihr Stände auf, der Flohmarkt am Montag, 14. August, ist von 16.30 Uhr bis 23 Uhr geöffnet. Wenn die Händler am Frautag-Markt um 18 Uhr Schluss machen, geht es an der Partymeile am Maibaum erst richtig los. Hier feiert nämlich hauptsächlich die Jugend bis 2 Uhr früh.

Der Jetzendorfer Frautag, der kirchlichen Ursprungs ist, geht natürlich auch an den Gottesdienstbesuchern nicht spurlos vorbei. Um 10 Uhr wird in der Pfarrkirche St. Johannes der Festgottesdienst gefeiert, mit dem man an den 15. August 1713 erinnert. Da wurde nämlich auch in diesem Gotteshaus der Grundstein für den Frautag gelegt. Auf Anregung des damaligen Jetzendorfer Schlossherrn Ferdinand Franz von Stromer wurde an diesem Tag durch den Abt von Scheyern auf dem nördlichen Seitenaltar der Pfarrkirche eine Statue der Altöttinger Muttergottes aufgestellt. Wie aus der Chronik zu erfahren ist, sind zu diesem Festakt schon damals mehrere Tausend Gläubige nach Jetzendorf gekommen. Da bis zu diesem Zeitpunkt in Jetzendorf noch keine Bruderschaft bestand, entschloss man sich, eine "Erz-Bruderschaft unserer Lieben Frau von Altötting" einzuführen. Bischof Franz von Freising hatte die Bruderschaft genehmigt. Als Hauptzweck der Bruderschaft war in den Statuten die Erhaltung und Förderung des Glaubens genannt und sie sollte Andachten zu Ehren der Mutter Gottes abhalten. Voraussetzung für die Aufnahme war, dass der Bewerber am Tag der Einschreibung beichtete, die Kommunion empfing, alle verbotenen Bücher und ketzerischen Schriften, die sich in seinem Besitz befanden, sofort vernichtete und das Glaubensbekenntnis ablegte. Der Zutritt zur Bruderschaft war allen Personen jeglichen Standes möglich, und zwar ohne Leistung eines Geldbetrags, außer einem freiwilligen Opfer.

Grundsätzlich waren die wichtigsten Verordnungen, dass jedes Mitglied wöchentlich einen ganzen Rosenkranz beten und an Mariä Himmelfahrt und Lichtmess in der Pfarrkirche von Jetzendorf zum gemeinsamen Gebet kommen musste. Jahrzehnte hindurch kamen aus den umliegenden Orten viele Marienverehrer, ja sogar ganze Pilgerprozessionen zum Hauptfest der Bruderschaft Mariä Himmelfahrt nach Jetzendorf. Zum Kommunionempfang musste man früher nüchtern sein, durfte also ab Mitternacht nichts gegessen und getrunken haben.

Hunger und Durst dieser Gläubigen rief bald geschäftstüchtige Jetzendorfer auf den Plan, denn die Wirte allein konnten die Verköstigung dieser Wallfahrer nicht sicherstellen. So wurden entlang des Kirchbergs die ersten Verkaufsstände aufgestellt.

Auch für wandernde Händler gab es damals schon gute Gelegenheit Geld zu verdienen, zumal an die bäuerlichen Dienstboten an diesem Tag von den Bauern meist das Erntegeld ausbezahlt wurde. So entwickelte sich im Laufe der Zeit der größte Eintagesmarkt in Bayern. Zu kaufen gibt es hier neben Spielzeug und Gebrauchsgegenständen des täglichen Lebens alles, bis hin zu Messeschlagern und blankem Kitsch. Für viele Frautag-Gäste ist dieser Festtag mehr eine willkommene Gelegenheit Bekannte und Freunde zu treffen und gemütliche Stunden im oberen Ilmtal zu verbringen. Kommen darf jeder, und im Gegensatz zu früher, muss man zuvor auch nicht beichten. Pfarrvikar Florian Regner bietet dennoch um 15 Uhr eine Kirchenführung und um 18 Uhr den Besuch einer feierlichen Vesper an.