Ingolstadt
"Gutes Wetter Schlechtes Wetter"

Neue Sonderausstellung im Bauerngerätemuseum

18.07.2016 | Stand 02.12.2020, 19:32 Uhr |

Der Wetterhahn ist wohl das bekannteste Symbol für einen Windrichtungsanzeiger. Museumsleiter Max Böhm kann freilich noch mit vielen weiteren Exponaten aufwarten: eine schwarze Wetterkerze, die einst bei Gewittern angezündet wurde, der äußerst seltene Wettersegen aus dem 18. Jahrhundert (Mitte) oder die Kreuze aus Holz, die einst einen Stadel vor Unwetter schützen sollten. - Fotos: Eberl

Ingolstadt (DK) Heute wird die neue Ausstellung im Bauerngerätemuseum eröffnet. "Gutes Wetter - Schlechtes Wetter" lautet ihr Titel. Sie wird sogar noch um eine kleine Sonderschau über das Wetter in Glaube und Aberglaube ergänzt.

Seit die neue Veranstaltungshalle im Bauerngerätemuseum Hundszell steht, hat Max Böhm endlich Platz. Vorbei ist die Zeit, als der Museumsleiter und seine Mitstreiter umräumen mussten, um neue Exponate zu zeigen. Deshalb ist es so möglich, neben der sehr sehenswerten und umwerfend komischen Sonderausstellung über den Bierbauch auch noch in zwei weiteren Räumen das äußerst vielfältige und bisweilen sehr schlagzeilenträchtige Thema Wetter zu beleuchten.

Im ersten Stock des ehemaligen Wohnhauses des Blasibauern präsentiert Böhm die Schau "Wetter in Glaube und Aberglaube". Klein, aber fein und selbst höchsten musealen Ansprüchen genügend ist diese kleine Auswahl aus der reichen Fundgrube eines Ingolstädter Privatsammlers. "Das ist quasi die Ausstellung in der Ausstellung", so Böhm. Die Objekte sind erlesene Stücke, wie zum Beispiel die runden Wettersegen aus dem 17. und 18. Jahrhundert. "Das sind museale, unrestaurierte Stücke im Originalzustand", schwärmt Böhm von den sehr seltenen Exponaten. Im Zentrum dieser etwa tellergroßen Haussegen ist im Regelfall das Agnus Dei aus dem Wachs einer Taufkerze, umgeben von Reliquien und Naturmaterialien. Auf der Rückseite befinden sich zumeist fromme Sprüche und Gebete.

Kreuze, Medaillen, eine schwarze Wetterkerze, die bei Gewittern angezündet wurde, und diverse Figuren von Heiligen, die früher vom einfachen Volk um gutes Wetter angerufen wurden, sind außerdem zu sehen. Bemerkenswert sind die Caravaca-Kreuze, die eigentlich aus Spanien stammen und durch einen Jesuiten auch in der Region Verbreitung fanden. Sie haben früher sogar ein wenig die Scheyrer Kreuze mit dem charakteristischen Doppelbalken verdrängt, die ebenfalls byzantinischen Ursprungs sind. Eines dieser Exponate ist leicht verbogen. "Früher warf man bei Unwettern diese Kreuze in die Luft, damit der Blitz dort hineinfährt. Deswegen die leichte Krümmung", weiß Böhm.

Die Ausstellung "Gutes Wetter - Schlechtes Wetter" in der Ausstellungshalle ist ein Gemeinschaftswerk der Arbeitsgemeinschaft süddeutscher Freilichtmuseen, von dem jetzt auch Hundszell profitiert. "Es ist der Versuch, die Vielschichtigkeit und den Einfluss des Wetters auf das Leben darzustellen", so Böhm. Dem Thema entsprechend ist die Bandbreite enorm. Das fängt an mit der Wetterbeobachtung, die fast schon so alt ist wie die Menschheit. Sinnfällig wird dies beispielsweise im Thermometer, beim Wetterhahn oder beim sogenannten Goethe-Barometer oder Wetterglas. Der Dichterfürst besaß eins dieser mit Wasser gefüllten Gefäße mit einem offenen Schnabelhals, die jedoch schon viel früher gebaut wurden. Änderungen des Luftdrucks können so ganz einfach an der Veränderung der Wassersäule abgelesen werden.

Häuser, Fenster und Türen, aber auch Öfen und Heizungen sind in der Ausstellung genauso vertreten wie das Thema Bekleidung. Sehr beeindruckend sind die Fotos von der Eisprozession 1963 über den Bodensee, als dieser letztmals zugefroren war, und die Aufnahmen von Eisstößen auf der Donau und der Natureisgewinnung der Brauereien aus zugefrorenen Weihern.

Wie sehr das Wetter ein weltweites Phänomen ist, wird am Ausbruch des Tambora 1815 in Indonesien deutlich gemacht. Das ausgeworfene Material veränderte das globale Klima und führte 1816 auf der Nordhalbkugel zum "Jahr ohne Sommer": Missernten, Hungersnöte, extreme Teuerungen und Auswanderung waren die Folgen. Da der Brotpreis festgelegt war, aber das Getreide fehlte, wurden die Laibe immer kleiner und waren zum Schluss nicht einmal so groß wie eine Semmel. Zeichnungen, Berichte, eine Schützenscheibe und Hungermedaillen erinnern daran.

Heute um 18.30 Uhr wird die Sonderausstellung von Kulturreferent Gabriel Engert eröffnet. Sie ist bis 16. Oktober zu sehen.