Riedenburg

Gut investierte Zeit

Viele Jugendliche nutzen Bewerbungstraining an der Johann-Simon-Mayr-Realschule

27.06.2021 | Stand 01.07.2021, 3:34 Uhr
Unterstützung beim ersten Schritt ins Berufsleben: Christian Hierl erklärt den Jugendlichen von der Johann-Simon-Mayr-Realschule, worauf es bei der Bewerbung ankommt. −Foto: Erl

Der erste Schritt ins Berufsleben will gut vorbereitet sein, denn vielfach ist die Bewerbung um eine Ausbildungsstelle eine Entscheidung für das restliche Leben. Christian Hierl kann sich an diese Situation seiner längst vergangenen Schülerzeit noch gut erinnern. Darum unterstützen er als Ingenieur und Prokurist der Firma Jura-Holzbau aus Jachenhausen und drei andere Personalverantwortliche regionaler Unternehmen die Schülerinnen und Schüler der Riedenburger Johann-Simon-Mayr-Realschule gerne, ihre Berufsbewerbungen erfolgreich zu gestalten.

Riedenburg - Bereits zum fünften Mal führt die Lehrerin Birgit Kleine Büning die Jugendlichen aus den neunten Klassen zusammen mit Hierl und weiteren Mitgliedern des Rotary Clubs Kelheim in simulierten Bewerbungsgesprächen an diese oft kribbelige Situation vor einem künftigen Ausbilder und Chef heran. "Natürlich ist man in so einer Situation nervös, aber wir Personalverantwortliche suchen nicht den coolsten Typen. Jeder darf so sein, wie er ist. Wenn jemand schauspielert, merken wir das bald", berichtet Hierl von seinen Erfahrungen.

Immerhin 36 junge Leute waren am Donnerstag trotz des Badewetters bereit, in der Schule zu bleiben und sich einer lebensnahen Bewerbungssituation vor richtigen Firmenchefs zu stellen. "Das Wichtigste dabei ist, dass wir die Kernkompetenz Ehrlichkeit und authentisches Auftreten erkennen. Die Bewerber müssen sich im Vorstellungsgespräch nicht verstellen. Ein junger Mensch sollte wissen, was er will und natürlich interessiert uns die Eignung dafür", formuliert der selbstständige Unternehmensberater Robert Gregan die Schlüsselerkenntnis eines Personalverantwortlichen. Die Noten seien bei einer Bewerbung zwar nicht unwichtig, aber immer in Bezug auf die gewünschte Stelle zu sehen.

Hierl, Gregan, Simone Six, Personalleiterin der MTG-Wirtschaftskanzlei, und Professor Christian Märtin, Dozent für Informatik an der Hochschule Augsburg, gaben nach einer informativen Eröffnungsrunde den jungen Leuten die Chance, das Bewerbungsgespräch einzeln und unter vier Augen wie in der beruflichen Realität zu führen. Natürlich erhielten die jungen Männer und Frauen im unmittelbaren Anschluss daran ein kritisches Feedback sowohl mit Lob als auch mit Verbesserungsvorschlägen. "So können die jungen Leute mal ein reales Vorstellungsgespräch führen, ohne dass es zählt", hebt die Lehrerin Kleine Büning den Stellenwert der Veranstaltung hervor.

Selbstverständlich war das Thema Berufsanfang und Bewerbung lange schon auch Fachthema im Unterricht, zumal sich die Realschüler zumeist mit dem Zeugnis der neunten Jahrgangsstufe bei den Wirtschaftsunternehmen um einen Ausbildungsplatz bewerben. "Diese Unterstützung durch die Mitglieder des Rotary Clubs ist enorm wichtig, gerade in Corona-Zeiten", lobte dann auch Schulleiter Thomas Dachs deren freiwilliges Engagement. "Hier an der Realschule ist die Verbindung von Theorie und Praxis. Man sieht es an der Nachfrage durch die Schüler, die in ihrer Freizeit hier bleiben, wie wichtig ihnen dieses Angebot ist."

Geduldig warten die Schülerinnen und Schüler dann auf den Gängen, bis sie zu dem fünfzehnminütigen Gespräch geladen werden. Ihre kompletten Bewerbungsunterlagen hatten sie bereits zuvor - fast wie im richtigen Leben - bei ihrer Lehrerin zur Weiterleitung an die vier Personalprofis abgegeben.

Bereits nach den ersten Gesprächen ziehen Christian Hierl und Simone Six ein überaus positives Fazit. "Die Schüler nehmen das simulierte Gespräch richtig ernst. Sie sind gut vorbereitet, und mich beeindruckt, dass sie auch den Blickkontakt halten", ist die Analyse von Simone Six.

Auch die Schülerinnen und Schüler ziehen nach dem Gespräch und den kritischen Anmerkungen der Personalfachleute einen Gewinn aus der investierten Freizeit. "Das Gespräch hat mir auf jeden Fall etwas gebracht. Man weiß nun, was auf einen zukommt, und ich habe ein direktes Feedback bekommen. So fühle ich mich jetzt sicherer für den Ernstfall", sagt der 15-jährige Sebastian Silberhorn aus Hohenschambach. Und auch Johanna Meyer aus Otterzhofen fühlt sich bestärkt. "Das hat mir gut gefallen, und es bringt definitiv was für ein wahres Bewerbungsgespräch. Das meiste habe ich dafür selber vorbereitet, aber auch die Lehrerin und meine Mama haben mir ein wenig dabei geholfen", gesteht die 15-Jährige.

Für Christian Hierl und die anderen drei Akteure ist am Ende der Trainingsstunden klar, dass ihre Zeit hier gut investiert war. "Das können wir gerne wieder machen", sagt er. "Und auch an andere Schulen, sowohl im Landkreis als auch in anderen Regionen."

erv