Kreisliga 1 ? Winterfazit

Gelingt Fatih Ingolstadt der Durchmarsch?

14.12.2021 | Stand 14.12.2021, 18:00 Uhr
Julian Meier
Treffsicher und erfolgreich: Akif Abasikeles (rechts, vor dem Gerolfinger Rouven Bermann) hat bereits acht Tore für Kreisliga-Tabellenführer FC Fatih Ingolstadt erzielt. −Foto: Traub

In der Fußball-Kreisliga 1 Donau/Isar dürften die Topteams Fatih Ingolstadt, TSV Gaimersheim und FC Gerolfing den Aufstieg unter sich ausmachen. Derweil müssen der SV Karlshuld und der FC Grün-Weiß Ingolstadt zum Beginn der Winterpause zittern.

Ingolstadt - Das Timing hätte besser kaum sein können: Kurz bevor Bayerns Amateursport erneut von Corona-Beschränkungen getroffen wurde, hat sich die Kreisliga 1 Donau/Isar in die Winterpause verabschiedet. Wie geplant konnten alle 16 Spieltage austragen werden. Die Chancen stehen nicht schlecht, dass die Saison dieses Mal zu Ende gebracht wird, schließlich stehen nur noch zehn weitere Spieltage an. Zum Abschluss eines denkwürdigen Jahres blicken wir noch einmal zurück auf die bisherige Kreisliga-Saison.

Wer hat überzeugt?

Der Geheimfavorit war eigentlich gar kein richtiger: Neun von 14 Vereinsvertreter haben Aufsteiger FC Fatih Ingolstadt bereits vor der Saison zu den Aufstiegskandidaten gezählt. Sie sollten recht behalten, schließlich steht der Aufsteiger mit drei Punkten Vorsprung an der Tabellenspitze. Stärkste Offensive, sicherste Defensive - die Mannschaft von Trainer Serkan Demir ist auf dem besten Weg, den direkten Durchmarsch in die Bezirksliga zu schaffen. Doch der Fatih-Coach beschwichtigt: "So weit denken wir im Moment nicht. Die Winterpause tut uns allen gut. Wir haben sehr hart gearbeitet, um da zu sein, wo wir jetzt sind. Wir werden sehen, was die Rückrunde mit sich bringt". Lange Zeit hat auch der zweite Aufstiegsfavorit TSV Gaimersheim eine nahezu makellose Hinserie gespielt, doch zum Schluss schwächelte der Vorjahreszweite und musste die Tabellenführung schließlich an Fatih abgeben. "Wir haben nie vom Aufstieg gesprochen und lassen uns von außen nicht unter Druck setzen. Es ist noch alles offen in den letzten zehn Spielen", sagt Trainer Manfred Kroll. Er erwartet, dass auch noch eine Überraschungsmannschaft in das Aufstiegsrennen einsteigen kann. Etwa der FC Mindelstetten, der als zweiter Aufsteiger mit dem Ziel "Nichtabstieg" angetreten war und nun einen hervorragenden fünften Platz belegt. Auch der TSV Hohenwart hat die eigenen Erwartungen mehr als erfüllt: Mit 28 Punkten steht das Team von Spielertrainer Markus Kurzhals auf Platz vier. "Wir wollen weiterhin oben mitmischen, aber das Aufstiegsrennen werden Fatih, Gaimersheim und Gerolfing machen", schätzt Kurzhals.
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Wer hat enttäuscht?

Trotz eines starken Endspurts muss die DJK Ingolstadt unterm Strich in der Liste der Enttäuschungen aufgeführt werden. Der Saisonstart verlief katastrophal, in den ersten sechs Ligaspielen setzte es fünf Niederlagen. Auch wenn die Mannschaft von Michael Dittenhauser mittlerweile seit fünf Partien ungeschlagen ist, knabbert der DJK-Coach immer noch am verpatzten Auftakt: "In der Mannschaft steckt eigentlich viel mehr, als wir bis jetzt auf den Platz gebracht haben. Wir könnten eine bessere Rolle in der Liga spielen. Das haben wir uns aber am Anfang der Saison selbst kaputtgemacht." Auch Bezirksliga-Absteiger Türkisch SV Ingolstadt ist bislang klar hinter den Erwartungen geblieben und steht auf einem Abstiegsrelegationsplatz. Besonders in der Offensive ist das Team von Trainer Günay Gürses viel zu harmlos, nur elf eigene Treffer bedeuten weniger als ein Tor pro Spiel. Im Gegensatz zur DJK steckt aber eben nicht mehr im Kader, als der Türkisch SV bislang gezeigt hat. "Die einzige Chance, da unten rauszukommen, ist Verstärkungen zu holen. Gespräche mit einigen Spielern laufen bereits", verkündet Gürses. Besonders düster sieht es beim FC Grün-Weiß Ingolstadt aus: Nur zehn Punkte und schon zwölf Niederlagen ergeben zur Pause den letzten Tabellenplatz. Seit mittlerweile zehn Partien wartet der Vorjahresvierte auf ein Erfolgserlebnis. Auch die Situation im Umfeld lässt wenig Gutes erhoffen, schließlich hat Grün-Weiß bereits zwei Trainerwechsel hinter sich. Azad El-Mahmoud warf bereits nach wenigen Spieltagen das Handtuch; nun verabschiedete sich auch noch Interimscoach und Abteilungsleiter Fatih Topcu. Keine Frage, der Nichtabstieg wird eine extrem schwierige Mission für die Ingolstädter.
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Das Thema Corona

Insgesamt blieben die Kreisligisten von der Corona-Pandemie bislang weitestgehend verschont. Am schlimmsten hat es wohl noch den TSV Baar-Ebenhausen erwischt, der nach mehreren positiven Corona-Fällen in der Mannschaft zwei Spiele absagen musste. Trainer Christian Reindl kann dem Ganzen aber auch etwas Positives abgewinnen: "Für Trainer und Spieler war es natürlich sehr schwierig - immer wieder kurzfristige Ausfälle, Spieler in Quarantäne, gefühlt Hunderte von Selbsttests. Aber das hat die Mannschaft zusammengeschweißt. Wir sind wieder ein Team geworden, weil wir gesagt haben: Jetzt erst recht!" Seine Elf hat noch ein Nachholspiel gegen Hitzhofen zu bestreiten, das allerdings erst für den 13. März angesetzt ist. Im Festhalten am Spielplan sieht Reindl jedenfalls keinen Fehler: "Ich finde es grundsätzlich richtig, dass man die Saison bis jetzt durchgezogen hat. Was dann im Winter kommt mit den steigenden Inzidenzen, das wird man sehen." Ähnlich fällt auch die Bewertung von Mindelstettens Abteilungsleiter Christian Wambach aus: "Ich denke, dass es richtig war durchzuziehen. Ich möchte auch die Spielleiter loben, deren ehrenamtlicher Job ist gerade durch Corona nicht einfacher geworden." Auch Wambachs Mannschaft war von der Pandemie direkt betroffen, aufgrund von zwei Corona-Fällen im August fiel das Training für eine ganze Woche aus. Am Wochenende musste Mindelstetten trotzdem ran. Das Ergebnis: Eine 1:3-Niederlage gegen den SV Manching II. Trotzdem hätte es auch den FCM deutlich schlimmer treffen können. Das sieht auch Wambach so: "Ich bin glücklich, dass wir einigermaßen durchgekommen sind."
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So geht's 2022 weiter

Vorausgesetzt im Frühjahr darf wieder Fußball gespielt werden, steht in der Kreisliga eine spannende Restrunde an. Das Duell um die Meisterschaft ist noch lange nicht entschieden, der TSV Gaimersheim hat auch mit drei Punkten Rückstand immer noch beste Chancen auf den direkten Aufstieg. Und den Tabellendritten FC Gerolfing sollte man nach seiner starken Serie von sieben Zu-Null-Spielen noch lange nicht abschreiben. "Wir werden noch einmal alles in die Waagschale werfen, um denen da oben noch mehr Druck zu machen. Ich sehe uns in einer guten Ausgangslage", kündigt Trainer Den Lovric an. Fünf Punkte Rückstand auf Gaimersheim sind jedenfalls nicht uneinholbar, zumal mit Christian Träsch ein ehemaliger Bundesliga-Spieler aufgrund der inzwischen vorliegenden Spielberechtigung einsteigen könnte. Im Tabellenkeller stehen drei Mannschaften besonders unter Druck: Während sich beim Türkisch SV Ingolstadt und bei Grün-Weiß Ingolstadt in der Winterpause beim Personal etwas tun dürfte, setzt der Vorletzte SV Karlshuld auf eine Weiterentwicklung des jungen Teams. "Ich sehe, dass die Mannschaft intakt ist. Obwohl wir immer wieder Niederlagen hatten, stecken wir das gut weg und geben Sonntag für Sonntag unser Bestes", lobt Trainer Thomas Schmalzl. Letztlich dürfte es für den SVK aber ein Überlebenskampf bis zum letzten Spieltag werden. Das weiß auch Schmalzl: "Ein realistisches Ziel ist, nicht unter den letzten zwei zu stehen. Alles andere nehmen wir dankend an. Wenn es dann die Relegation ist, ist es die Relegation."

DK

Highlight: Sandersdorfer Sternstunde

Gaimersheim - Die Ausgangslage war eigentlich eindeutig: Der TSV Gaimersheim war mit der makellosen Bilanz von sechs Siegen und einem Remis in die Saison gestartet. Gegner FC Sandersdorf wartete dagegen seit drei Spielen auf ein Erfolgserlebnis. Es sprach an jenem Dienstagabend also nicht viel dafür, dass die Weiße Weste der Gaimersheimer schmutzig werden könnte. Erst recht nicht, als der TSV gleich zweimal in Führung ging: Nach den Treffern von Glerdis Ahmeti und Markus Vollnhals sowie dem zwischenzeitlichen Ausgleich durch Christian Eichhammer stand es bereits nach neun Minuten 2:1 für den Tabellenführer. Und hätte Gaimersheim seine zahlreichen Chancen genutzt, wer weiß. . .

Es sollte aber anders kommen: Christian Geß glich zunächst aus und nach 64 Minuten drehte Stephan Daum mit dem 3:2 tatsächlich noch die Partie. Der TSV war zum ersten Mal besiegt, der FCS verlor dafür die folgenden drei Spiele. Aber dieser eine goldene Abend war den Sandersdorfern vergönnt. Letztlich war es genau das, was für Gaimersheims Trainer Manfred Kroll den Reiz dieser Liga ausmacht: "Es ist wieder die alte Kreisliga, in der jeder jeden besiegen kann."

jme

Julian Meier