Neuburg

Fiebern auf den WM-Pokal

In einem Monat geht's los: Neuburger Feuerwehr fährt zur "World Rescue Challenge" nach Kapstadt

07.09.2018 | Stand 02.12.2020, 15:43 Uhr
Patricia Viertbauer
Mit schwerem Gerät müssen die Feuerwehrleute bei den Unfällen anrücken. −Foto: Viertbauer/Polifke

Neuburg (DK) Die Neuburger Feuerwehr hat beim Deutschland-Wettbewerb der Rettungskräfte den ersten Platz belegt und sich so für die Weltmeisterschaft qualifiziert - am 19. Oktober geht's nach Kapstadt. Um auch dort gut abzuschneiden, trainiert das Neuburger Team seit Monaten fleißig.

Bis zu 30 Minuten Zeit, ein Sechs-Mann-Team und mehrere Unfallszenarien: Bei der "World Rescue Challenge" in Südafrika gibt es drei verschiedene zu bewältigende Situationen. "Das Rapid-, das Standard- und das Komplex-Szenario. Bei den ersten zwei muss man in zehn beziehungsweise 20 Minuten einen Patienten befreien", erklärt Kommandant und Teamleiter Markus Rieß. Diese beiden Aufgaben haben die Neuburger schon bei der Meisterschaft bewältigt. Doch in Kapstadt kommt die 30-minütige, komplexe Variante dazu. Hier müssen die Feuerwehrmänner mit zwei Unfallopfern zurechtkommen. Die Prüfungssituationen können sehr verschieden sein: Zwei Autos nach einem Zusammenstoß, ein verkeilter Wagen oder ein involvierter Lkw, nichts ist unmöglich.

"Für die WM üben wir seit August mindestens einmal wöchentlich", sagt Rieß. Neben den konkreten Meisterschaft-Trainings kommen auch Einsätze und das regelmäßige Üben mit dem Rest des Teams hinzu. In den Übungsphasen braucht die Feuerwehr pro Jahr um die 40 Autos, um Fälle nachzustellen. Damit das sechsköpfige Team die Szenarien nicht vor der eigentlichen Übung sieht, bearbeiten Kollegen die Autos mit einem Bagger und bereiten die konkrete Aufgabenstellung vor. Denn in Kapstadt müssen die Männer sehr gut vorbereitet sein, damit sie reelle Chancen auf den Sieg haben. Insgesamt 35 Mannschaften nehmen an der "Challenge" teil, jede Nation arbeitet auf ihre eigene Art und Weise. "Wir freuen uns darauf, die anderen Hilfsorganisationen im Einsatz zu sehen, da lernen wir bestimmt etwas dazu", sagt Rieß. Der Wettkampfcharakter sei klar gegeben, hinzu komme aber auch die Ausbildung - in den Prüfungen und durchs Zusehen.

Wie die Chancen für die Neuburger stehen, ist aber ungewiss, denn einige Teams üben ausschließlich für die Meisterschaft. Die Neuburger sehen in der Teilnahme aber auch eine Bestätigung für ihr Engagement. "Die Jungs sind so ein eingespieltes Team und handeln immer nach dem Motto ,Einer für alle und alle für einen' - wir haben eine super Feuerwehr", findet Sandra Wild. Die Resonanz sei schon nach der Meisterschaft positiv gewesen und die Teilnahme an der WM motiviert die Mannschaft noch mehr.

Die Arbeit bei der Feuerwehr erfüllt die Männer Tag für Tag. Für Rieß ist sein Ehrenamt eine Droge - die Glücksdroge des Helfens. Mit eigener Kraft und vereintem Teamgeist könne man aus Chaos Ordnung schaffen - für die Gemeinschaft. Die Weltmeisterschaft beinhaltet natürlich nur nachgespielte Szenarien, aber gibt dem Team die Möglichkeit, in echten Situationen schneller zu handeln. Denn allein heuer gab es schon über 400 Einsätze - da kann schneller und besser nicht schaden. "Bei der letzten Übung haben wir 29 Minuten und 49 Sekunden für das komplexe Szenario gebraucht - das ist gut aber geht bestimmt noch schneller", so Rieß. Und mal sehen, vielleicht bringen die Neuburger ja den WM-Pokal nach Hause.

Patricia Viertbauer