Ingolstadt

Fesselnde Klangwelten

Doppelkonzert mit zwei Jazzförderpreisträgern und ihren Bands im Kulturzentrum neun

10.11.2021 | Stand 19.11.2021, 3:33 Uhr
Gemeinsam auf der Bühne im Kulturzentrum neun: Trompeter Lukas Lindner und Malik Diao am Saxofon. −Foto: Weinretter

Ingolstadt - Ein Abend, zwei Bands - und zwei Ingolstädter Jazzförderpreisträger. Die beiden Geehrten aus den Jahren 2019 und 2020, Lukas Lindner und Malik Diao, waren am Dienstag jeweils gleich doppelt im Kulturzentrum neun zu hören. Zum einen mit der Lukas Lindner Group und nach der Pause beim Lighthouse Trio. Ziemlich viel Präsenz für Musiker Anfang 20, möchte da vielleicht der eine oder andere anmerken. Doch es war eine wahre Freude, die beiden an einem Abend in zwei verschiedenen Formationen zu erleben.

Den Anfang machte die Lukas Lindner Group, ein Ensemble der besonderen Art. Denn neben dem Bandgründer besteht die Besetzung aus Maxim Burtsev (Piano), Quirin Birzer (Schlagzeug), Malik Diao (Saxofon und Flöte), Philipp Hartlieb (Bratsche) und Anna Rösch (Cello) und Ulli Schiekofer (Bass). Gerade die beiden Streicherinstrumente machen den speziellen Reiz aus. Denn die meist im Mid-Tempo präsentierten Stücke wie beispielsweise der Opener "Impressions" oder auch "Down" vereinen zwei Welten: den nicht-elektronischen Jazz und Elemente der klassischen Musik.

Ganz deutlich ist bei diesen Stücken die Handschrift von Lukas Lindner zu spüren, der sich ja von Anfang an auch aufs Komponieren verlegt hat und gerne das Genre der Filmmusik pflegt. Wer als Zuhörer die Augen schließt, kann sich wunderbar vorstellen, wie vor dem geistigen Auge ein Film abläuft. Dabei ist Lukas Lindner weit weg von billiger Dramatik und puren Effekten: Es sind anmutige, ergreifende, experimentelle, entspannende oder auch fesselnde Klanglandschaften, durch die der Zuhörer wandert. Getragen, ja fast schon erhaben die letzte Nummer des Abends mit dem passenden Titel "The End", eine Seltenheit im Jazz. Dieses erstaunlich hohe Niveau, das Lindner schon vor zwei Jahren bei der Förderpreisverleihung mit seiner Big Band und seiner Komposition "The Four Elements" an den Tag legte, wäre ohne seine versierten Musiker nicht möglich. Maxim Burtsev erwies sich als kongenialer Partner von Lukas Lindner, Ulli Schiekofer legte ein stets solides Fundament. Die ganz besondere Note verliehen die schon erwähnten Streichinstrumente - ob dezent gezupft oder mit elegischem Strich. Die Melodien perlen nur so dahin und der Anziehungskraft von Stücken wie "Aurora" kann man sich als Zuhörer kaum entziehen. Die Arrangements sind gerade für die ungewöhnliche Besetzung hervorragend. Einiges Material war neu, anderes stammte noch vom Big-Band-Konzert und wurde für diesen Auftritt neu bearbeitet.

Beim darauf folgenden Gig des Lighthouse Trios war Lindner "nur" Gast, wenngleich ein sehr wichtiger. Die Stücke stammen alle aus der Feder der Musiker Malik Diao (diesmal am Bass), Quirin Birzer (Schlagzeug) und Josef Heinl (Piano). Birzer erhielt für sein einfühlsames, bewundernswert zurückhaltendes Spiel in beiden Bands zu Recht viel Beifall, während Malik Diao sowohl als Saxofonist und Flötenspieler als auch am Bass (akustisch und elektronisch) zu überzeugen vermochte. Josef Heinl ist in der regionalen Jazzszene längst kein Unbekannter mehr. Souverän und ausdrucksstark zugleich ließ er seine Finger über die Tastatur gleiten und war stets präsent. Interessant waren auch die Auftritte der Gastmusiker. Neben Lindner gefiel vor allem der Trompeter Raffael Greil mit seiner wunderschönen Tonansprache in "Even The Rain" aus der Feder von Diao.

Das Lighthouse Trio ist allein schon daher mehr als nur Bass, Drums und Piano. Es schöpft aus unterschiedlichsten Quellen: aus dem Hip-Hop, der überaus kreativen skandinavischen Jazzszene, aus Elektro und nicht zuletzt auch aus der langen Tradition der Trios im Jazz. Das Lighthouse Trio ist zugleich eine der wenigen Bands, die auch die Ingolstädter Kollegen covern, genau gesagt die Komets und ihr Stück "Melancholy Hill". Und genau das macht den Reiz dieser Formation aus, die bei ihren Konzerten wie auch an diesem Abend viele schillernde Facetten an den Tag legt.

DK

Bernhard Pehl