Ingolstadt
Feinschliff

07.11.2010 | Stand 03.12.2020, 3:29 Uhr |

Einen Bidenhänder aus dem Jahr 1580 reinigt Martin Bühringer sorgfältig mit dem Schleifgummi. - Fotos: Strisch

Ingolstadt (DK) Weitaus mehr Besucher als im Vorjahr nutzten heuer die Gelegenheit, einen Blick hinter die Kulissen des Bayerischen Armeemuseums zu werfen. Die Werkstätten hatten am Sonntag geöffnet.

Mit schier unendlicher Sorgfalt und Geduld reibt Martin Bühringer vor den Augen vieler interessierter Besucher mit dem Schleifgummi über die gezackte Klinge des großen Schwerts, das vor ihm auf der Werkbank liegt. "Acht bis 14 Tage werde ich wohl dafür brauchen", schätzt der 56-Jährige, einer von insgesamt drei Metallrestauratoren des Bayerischen Armeemuseums. Vor ihm liegt ein Bidenhänder aus dem Jahr 1580, ein Schwert, das mit zwei Händen geführt wurde. Bühringer entfernt Schmutz, Ablagerungen sowie kleine Roststellen und verleiht der drei bis vier Kilo schweren und durchaus noch scharfen Waffe wieder eine fein glänzende Oberfläche. "Schnell geht bei uns nichts, wir müssen vorsichtig arbeiten", beschreibt der gelernte Goldschmied seine Tätigkeit, die er seit elf Jahren ausübt. Abwechslungsreich sei sein Beruf, sagt er, da er immer wieder andere Objekte restauriere. Einige Stücke umfassten weit über 100 Teile – "da braucht man schon Erfahrung". Allein an die 20 Bidenhänder dürften im Besitz des Bayerischen Armeemuseums sein, wobei natürlich nicht alle gezeigt werden. Vieles schlummert noch in den Depots im Neuen Schloss. Eines weiß Bühringer jedenfalls gewiss: "Die Arbeit geht nie aus."

Über mangelndes Interesse kann sich auch Melitta Schluttenhofer nicht beklagen. Die gelernte "Buchbinderin im Sortiment" bindet Zeitschriften zu Bänden, restauriert Bücher und stellt Schachteln her. "Die alten Karteikarten haben ja kein DIN-Format" erklärt sie ihren Zuhörern, denen ihre Bücher offenbar am Herzen liegen. Wo man denn alte Folianten restaurieren lassen kann, ob Licht dem Druck schadet und wie man Buckrücken pflegt – das Interesse ist groß.

Auch in der Fahnenstickerei, wo der Besucher gleich am Eingang eine DDR-Fahne erblickt, drängen sich die Besucher. Geduldig erklärt Anja Pilz, wie sie in zwei Monaten eine Passauer Infanteriefahne aus dem Jahr 1723 restauriert hat. Das gut vier Quadratmeter große Stück Stoff liegt auf einem Tisch mit einem angeschweißten Ablauf rundherum. "Das ist für das Wasser, wenn die der Stoff gewaschen wird", sagt sie. Anschließend hat sie die Ränder fixiert und die Fahne in zwei hauchdünne Lagen Stoff eingenäht, sozusagen stabilisiert. "Bei uns wird nichts ergänzt, sondern nur erhalten", sagt die gelernte Handstickerin. Deutlich erkennbar sind die Stellen, wo Teile der Stickereien fehlen.

Derweil drängen sich die übrigen Besucher in der Dürnitz, wo Militärmotorräder aus den Weltkriegen gezeigt werden. Darunter sind zwei Gespanne von BMW und Zündapp, die wohl viele Männerherzen höher schlagen lassen, sowie eine Maschine aus dem Jahr 1915. Mehr in die Welt des Mittelalters zieht es die jüngsten Besucher, die aufmerksam den Erklärungen über Waffen und Rüstung eines Ritters lauschen. Ob Plattenharnisch oder Kettenhemd, Armbrust, Schwert oder Hellebarde: Zu sehen gibt es in der Ausstellung wahrlich mehr als genug.