Ingolstadt
"Es gilt, für Modernisierung zu kämpfen"

30.01.2011 | Stand 03.12.2020, 3:12 Uhr |

Der Historie verpflichtet, der Zukunft zugewandt: Ansgar Reiß, der Direktor des Bayerischen Armeemuseums, hat viele Pläne.

Ingolstadt (DK) Es dämmerte zuletzt sanft im Dornröschenschlaf, das Neue Schloss, Heimat des Bayerischen Armeemuseums. Dessen Direktor, Ansgar Reiß (45), ist seit einem Jahr im Amt. Im Gespräch mit Christian Silvester berichtet der Historiker über seine ersten Schritte, um das Haus für die Zukunft zu rüsten, und die große Chance der Landesausstellung 2015.

Ihr erstes Jahr als Direktor des Armeemuseums: Wie viel Kampf und wie viel Frieden haben Sie in der Zeit erlebt?
 

Ansgar Reiß: Insgesamt habe ich Frieden erlebt. Der Kampf ist der Kampf um Fortschritte im Museum, um Modernisierung zu erreichen. Dafür gilt es zu kämpfen. Das ist ein Kampf, der in die Zukunft weist. Und da gibt es keine dunklen Mächte, die uns behindern. Vielmehr behindert uns die Finanzsituation. Da muss man sich bemühen, Projekte so gut zu formulieren, dass man Gelder dafür bekommt. Aber wie für sehr viele Kulturinstitutionen gilt auch für uns, dass wir aus der laufenden Finanzierung wohl keine großen Sonderprojekte realisieren können. Deshalb müssen wir uns nach Sondermitteln und Sponsoren umsehen. Das ist der Trend der Zeit.

Was hat Sie am Armeemuseum beeindruckt?

Reiß: Beeindruckend sind immer die vielfältigen, umfangreichen Sammlungen, die historisch eine große Tiefe haben. Das andere Faszinosum an diesem Haus sind seine herausragenden Baudenkmäler. Dieses wunderbare alte Herzogsschloss im Zentrum der Stadt mit den dazugehörenden historischen Gebäuden wie dem Zeughaus oder der Roßmühle. Das übt eine sehr große Faszination aus, sowohl, wenn man hier arbeitet, als auch für die Besucher.

Welchen Schatz gilt es langsam mal zu heben?

Reiß: Einer ist auf jeden Fall die herausragende Sammlung zur alten Artillerie, die bei uns auf dem Hof liegt. Die müsste man einmal neu aufarbeiten und mit der Modellsammlung in Verbindung bringen, die wir zur Artillerie haben. Ein anderer Schatz ist unsere Fahnensammlung mit ihren über 1000 Stücken, die zu den ältesten und bedeutendsten in Deutschland gehört. Damit ist allerdings das Problem verbunden, dass die Exponate schon seit bald 40 Jahren im Fahnensaal hängen und aus konservatorischen Gründen irgendwann abgenommen werden müssen.

Nächste Woche befasst sich der Kulturausschuss mit dem Beitrag der Stadt zur Landesausstellung 2015 "Napoleon und Bayern". Welche Chancen eröffnet das für Ihr Haus?

Reiß: Das ist eine der ganz großen Chancen, die unser Museum je haben wird. Die Landesausstellung wird die Frage der nötigen Sanierungen vorantreiben. Ich bin sehr gespannt, wie groß hier die Spielräume sind. Die Ausstellung wird aber sicher im Schloss stattfinden – entweder im Hauptgebäude oder in einem vielleicht sanierten Zeughaus. Aber da will ich natürlich unserem Geldgeber, dem Landtag, nicht vorgreifen.