Schernfeld

Ein tiefes, rundes Loch

28.01.2011 | Stand 03.12.2020, 3:13 Uhr

Die Wolfsfalle: das Boden- und Jagddenkmal auf dem Gelände des Walderlebniszentrums im Schernfelder Forst. Erinnerungen an den Wolf gibt es zum Beispiel am Flurdenkmal der "Hohe Stein" in Weiboldshausen, Gemeinde Höttingen, Landkreis Weißenburg/Gunzenhausen (Bild mit Forstwirt i. R. Hans Käfferlein), oder mit dem Straßenschild "Wolfsgangstraße" in Eberswang, Gemeinde Dollnstein. - Fotos: zba

Schernfeld (EK) Vor 30 Jahren legten der Förster Dieter Kriebel und der Waldarbeiter Willi Roßkopf die alte verschüttete Wolfsfalle im Schernfelder Forst bis auf den Grund frei – eine Vorrichtung, um Wölfe zu fangen und zu töten. Die Falle ist heute ein Boden- und Jagddenkmal.

Die Grube hat einen Durchmesser von drei Metern. Ihre senkrechten Wände sind bis dreieinhalb Meter tief mit Bruchsteinen gemauert. Im Grubenboden aus gewachsenem Fels befindet sich in der Mitte eine Vertiefung. In diese wurde früher ein Pfahl gesteckt, an dem man oben in Höhe der Erdoberfläche ein Wagenrad befestigte. Darauf wurde der tote oder lebende Köder gebunden und die Grube mit Zweigen abgedeckt. Der auf die Beute zuspringende Wolf stürzte ins Loch. Die Tiefe der Grube machte dem Wolf den rettenden Sprung nach oben unmöglich. Die Wolfsgrube im Schernfelder Forst ist auf alten Forstkarten, die etwa 180 Jahre alt sind, eingezeichnet.
 

Seit der Freilegung dient die im Walderlebniszentrum liegende Wolfsfalle bei Waldführungen als interessantes Anschauungsobjekt und Ausgangspunkt für Erzählungen über den Wolf. Die Informationen sind nachzulesen in dem Buch "Wolfsspuren in Bayern – Kulturgeschichte eines sagenhaften Tieres" von Gertrud Scherf. In diesem Buch ist auch das Bild der Schernfelder Wolfsgrube mit Beschreibung zu finden.

Wolfsgalgen

Der Wolf hat viele Spuren hinterlassen, in Sagen und Legenden, in Fabeln und Märchen, auf Wappen und in der Kunst. Die "Wolfsmilch", eine giftige Pflanze, träg den Namen des gefürchteten Tieres, ein Wortbild hinsichtlich des beißenden und ätzenden Milchsafts der Pflanze. Auch in Orts-, Straßen- und Flurnamen findet sich der Name "Wolf". So heißt ein Flurstück nördlich von Denkendorf "Wolfsgalgen". Die Überlieferung über diesen Ort ist bis heute erhalten. So weiß Rudolf Götz, der frühere stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Denkendorf und Jäger, noch aus mündlicher Überlieferung die Geschichte dieses Platzes. Dort, so erzählt er, seien Wölfe für ihre Untaten angeklagt und verurteilt worden. Die Wölfe seien tot oder lebendig zur Abschreckung ihrer Artgenossen oder zum Fraß der Vögel an einem Galgen aufgehängt worden.

Auch viele Ortschaften haben "Wolf" in ihrem Namen wie Wolfsbuch (Woifsbuach), der Stadtteil von Beilngries. Als Deutungsversuch für den Ortsnamen, der zum ersten Mal 1087 als "Wolfpuch" erwähnt wird, nennt Heimatforscher Max Künzel ein "großes Waldgebiet mit Wölfen".

Auf der Karte des Johann Baptist Hohlmann, Eichstätt 1730, ist zwischen Wimpasing, Ziegelhof und Buchenhüll der Flurname "Wolfs-Garten" vermerkt, der anscheinend auf aktuellen Flurkarten nicht mehr zu finden ist. Ungeachtet des idyllischen Klangs bezeichnete "Wolfs-Garten" ein Gelände zum Fangen und Erlegen von Wölfen. Der Wolfsgarten war mit Palisaden einzäunt und besaß Falltüren. Eng damit verbunden dürfte die so genannte Lapp-Jagd gewesen sein. Bei dieser Verfolgung des Wolfes, so erklärt Heimatforscher Josef Ettle, werden Lappen (Stoffreste) an Leinen aufgehängt, um damit die Wölfe zu schrecken und am Ausbrechen zu hindern. Trotzdem kam es vor, dass Wölfe durchbrechen und somit buchstäblich "durch die Lappen gehen", ein Ausdruck, der heute noch als Sprichwort gebraucht wird. Viele sprichwörtliche Redensarten sind heute noch geläufig wie "mit den Wölfen heulen", "ein Wolf im Schafspelz", "hungrig wie ein Wolf".

In Eberswang, Ortsteil von Dollnstein, heißt eine Straße am westlichen Ortsrand "Wolfsgangstraße. Hermann Bauch, der ehemalige Geschäftsführer der Marktgemeinde, erklärt, dass die Straßenbezeichnung von einem alten Flurnamen, der bereits in den Aufzeichnungen um 1600 verzeichnet ist, herrührt. Dieser verwies auf die Fährte der Wölfe. Auch in Breitenfurt erinnert die "Wolfsbergstraße" an den Aufenthalt der Wölfe auf dem nahen "Wolfsberg".

Sola und der Wolf

Vom heiligen Sola, der in Solnhofen als Einsiedler eine Zelle bewohnte, ist eine Legende über eine Begegnung mit dem Wolf überliefert: Als Sola einmal auf einem Esel ritt, begegnete ihm ein schrecklicher Wolf. Der Esel erschrak sehr. Da befahl ihm Sola, guten Mutes zu sein und den Wolf anzugreifen. Das tat der Esel denn auch. Er schlug auf den Wolf ein und biss ihn tot

Aus dem Buch "1111 Jahre Raitenbuch", einer Zusammenstellung archivalischer Quellen, ist zu entnehmen, dass am 4. Juli 1653 der Befehl erging, Wolfsjagden zu veranstalten. Denn zahlreiche Wölfe verheerten die Jagden, suchten Schafsställe auf und griffen sogar Menschen an. In dem Buch ist weiter zu lesen: "Im Jahr 1729 herrschte eine solche Kälte, daß in Fribertshofen die Schafe in Ställen erfroren, und die Wölfe sich auf die Landstraße wagten, bei Enkering einen Metzger und bei Vohburg einen Studenten zerfleischten. Der Kälte folgten starke Überschwemmungen, so daß erst Mitte Mai die Saat beginnen konnte."

Der letzte Wolf

In der Weiboldshausener Waldabteilung Sunnleithe, Gemeinde Höttingen, Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, steht der "Hohe Stein", ein Gedenkstein für einen Wolf. Hier erschlug 1779 der Schmied von Weiboldshausen den "daselbst schlafenden letzten Wolf". Die Gemeinde hat im Jahr 1932 an diesem Stein eine Marmortafel anbringen lassen. Die Inschrift lautet: "Híer erschlug der Schmied Michael Heumader von Weiboldshausen anno 1779 mit der Reuthaue den letzten Wolf dieser Gegend." Nach gut 200 Jahren nach seiner Ausrottung kommt der Wolf als Einwanderer allmählich wieder zurück nach Bayern.