Hilpoltstein
"Du kannst genial sein, jeder kann das"

Ulrich G. Strunz aus Marquardsholz hat sein zweites Buch veröffentlicht - "Die Kraft der Gedanken entdecken"

18.06.2021 | Stand 23.06.2021, 3:33 Uhr |
Ulrich G. Strunz hat sein neues Buch vorgelegt, in dem er "eine effektive Strategie für ein gelungenes Leben" aufzeigt. −Foto: Kay Blaschke

Hilpoltstein - Wer wäre das nicht gerne, ein kleines Genie?

Diese Menschen denken und handeln anders als die meisten, als die Normalen, sagt Ulrich G. Strunz. "Sie haben klare Ziele und arbeiten auf sie zu. Sie lassen sich nicht von Lust und Unlust leiten, sie tun, was zu tun ist. " In seinem zweiten Buch mit dem Titel "Von normal zu genial" erklärt Strunz - gestützt auf Erkenntnisse aus Wirtschaft, Psychologie und Neurobiologie - wie unsere Entscheidungen beeinflusst und gemacht werden - und wie es seiner Meinung nach gelingt, besser, konsequenter und effizienter zu entscheiden. Aufgewachsen ist Ulrich Strunz in Allersberg und Hilpoltstein. Und er ist der Region treugeblieben. Der 33-Jährige lebt in Nürnberg und arbeitet in Roth als Geschäftsführer der Strunz GmbH.

Herr Strunz, Ihr Vater ist bekannt geworden als "Fitnesspapst". Seine Lebensphilosophie wurde unter Sportlern herumgereicht wie ein Isodrink, während Sie mit Ihrem Übergewicht kämpften. Dann haut der Herr Papa Ihnen auch noch solche Sätze um die Ohren: "Nichts, was du erreicht hast, hast du selber erreicht! " Wie lässt sich aus dieser Vorgeschichte eine Strategie der positiven Gedanken ziehen?

Ulrich Strunz: Bis zum 31. Dezember 2012 war mein Leben recht einfach strukturiert: Ich sah mich im Mittelpunkt und um mich herum lauerten Probleme, Gefahren, Bösartiges. Als kleiner Wurm musste ich mich in irgendeiner Weise behaupten. So habe ich das zumindest empfunden. Darüber hinaus bin ich von Geburt an mit einigen "Geschenken" versehen: Ich habe Neurodermitis, ich habe Asthma und sicher auch viele falsche Entscheidungen getroffen. Aber dann ist da dieser Gedanke gereift, mein Weltbild einfach umzudrehen. Die Grundidee dabei: Ich bin für alle meine Fehler selber verantwortlich! Aus der Vorgeschichte mit meinem Vater hat sich also alles positiv entwickelt, weil ich mich nicht mehr als Opfer gesehen, sondern für mich einen Weg gefunden habe, Verantwortung zu übernehmen. Das hat mir unglaublich gut getan!

Sie sprechen von Fehlentscheidungen. Welche Konsequenzen hatten die?
Strunz: Gerade im Jahr 2012 habe ich alles schleifen lassen: Ich habe mich wahnsinnig schlecht ernährt, geraucht und wenig Sport getrieben. Nach meinem Bachelorstudium wollte ich von Wirtschaftsinformatik auf Betriebswirtschaftslehre wechseln, merkte aber, dass mich das Studium gar nicht mehr so mit Freude erfüllte. Auch wenn es mir äußerlich gut ging - ich komme aus gesicherten Familienverhältnissen, habe viele Freunde und auch Liebe erfahren - hatte ich nie das Gefühl, wirklich glücklich zu sein. Das war ein Widerspruch. Einer, der auf vielen Fehlentscheidungen beruhte.
Es gibt ja diese negativen Glaubenssätze, die sich im Lauf des Lebens verfestigen: "Ich hab´ halt immer Pech" oder "Ich bin eher der Außenseiter". Jetzt sagen Sie, mit der Kraft der Gedanken kann man solche Mantras quasi vom Tisch wischen. So einfach geht das?
Strunz: Vom Tisch wischen lässt sich sowas nur, wenn man jeden Tag den Tisch wischt. Das heißt: Es ist natürlich mit viel Arbeit verbunden. Aber was schon mal helfen kann, ist das Wissen, dass 95 Prozent unserer Entscheidungen auf Automatismen oder intrinsischen Motiven beruhen, die in unserem Bauch schlummern und derer wir uns nicht bewusst sind. Wenn man das nicht weiß, fängt man vielleicht an, sich Vorwürfe zu machen und sich die Schuld zu geben für schlechte Entscheidungen im Leben.

Es gibt Menschen, die von heute auf morgen den Schalter umlegen und ihr Leben ändern. Sie selbst haben diese Stärke offenbar bewiesen, aber in der Praxis scheint mir das doch eher schwierig . . .
Strunz: Oft sind es Kleinigkeiten, die man heute noch ändern kann und die morgen schon einen großen Unterschied ausmachen. Für jeden bedeutet dieser Schalter natürlich etwas anderes. Nehmen wir das Beispiel Atemübungen: Wer in diesem Bereich keine Erfahrung hat und es ausprobiert, für den kann es schon einen großen Unterschied machen. Das beschreibe ich ja in meinem aktuellen Buch: Jeder sollte den Schalter zu sich selber finden, damit man wieder die Motivation und Energie bekommt, um im Leben etwas zu ändern. Tatsächlich scheitert vieles an der fehlenden Energie.

Seitdem Sie Ihr Leben radikal geändert haben, sind Sie glücklich. Das behaupten Sie zumindest. Manche bekommen nicht mal kleine Veränderungen auf die Reihe. Was empfehlen Sie als ersten Schritt?
Strunz: Meine Großtante hat 25 Jahre lang für die UNO in New York gearbeitet. Die habe ich mal gefragt: Wie hast du den Arbeitsaufwand, den Stress und die Verantwortung stemmen können? Sie hat mir geantwortet: mit zwei Dingen - Atmung und ein guter Ort! Da war ich als Informatiker erst einmal enttäuscht. Ich hatte mir eine tolle Liste mit Management-Tipps erwartet. Aber nein, sie sagte: Atmung und ein guter Ort. Das kann übrigens jeder mal für sich ausprobieren, vielleicht beim Autofahren: eine Sekunde nichts tun, drei Sekunden einatmen, eine Sekunde nichts tun, zeeehn Sekunden ausatmen. Insgesamt vier Mal pro Minute. Was dann passiert, ist Biochemie: Das Calcium im Blut steigt, also das "kleine Salz der inneren Ruhe", und schon nach fünf Minuten haben wir einen, wie ich es nenne, Buddha-Effekt. Wenn dann der Audi RS7 von hinten mit Lichthupe angeschossen kommt, regen wir uns nicht mehr auf.
Dahinter steckt die großartige Idee, dass oft die kleinen Dinge im Leben den Ausschlag geben - Dinge, die wir noch nie gemacht haben, weil wir dachten, wir müssten immer noch mehr tun. Manchmal ist es eben besser, weniger zu tun.

Ihrer Auffassung nach soll man die Person visualisieren, die man sein möchte. Zitat: "Ich stellte mir vor, wie es sich anfühlen würde, so zu sein, wie ich sein will. . . " Aber: Woher weiß ich, wie ich sein will?

Strunz: Das kann man über die Werte prüfen, die uns innewohnen. Die sind oft mit Schlamm zugedeckt. Auch dieser Schlamm ist für jede und jeden etwas anderes. Oft nehmen wir uns gar nicht die Zeit, dem nachzuspüren, was uns wirklich wichtig ist im Leben: Familie, Sicherheit, ein wahrheitsgetreuer Umgang mit den Mitmenschen? Aber wenn wir gegen unsere eigenen Werte arbeiten - das habe ich bis ins Jahr 2012 nämlich getan -- wird man nicht glücklich. Und man ahnt meistens nicht mal, woran es liegt. Meine Großtante, die aus New York, hat meine Werte reflektiert. Bei mir persönlich kam heraus: Sicherheit und Familie.

In Ihrer Dissertation haben Sie gemessen, dass "selbst erfundene Routinen und Strategien" sehr viel mächtiger sind als Wahrheiten von außen - "viele schlaue Bücher können das gar nicht ersetzen", sagen Sie. Verraten Sie, warum wir uns trotzdem in die Lektüre Ihres neuen Buches "Von normal zu genial" stürzen sollten?

Strunz: Schauen wir auf mich im Jahr 2012: Ich sitze auf der Couch, bin unzufrieden, und mein Engelchen auf der rechten Schulter sagt: Lieber Uli, geh raus, fahr Fahrrad und es wird dir bessergehen. Obwohl das Engelchen die Wahrheit spricht, bleibe ich sitzen. Denn nur weil etwas wahr ist, heißt das noch lange nicht, dass ich es annehme. Ich sitze hier schließlich bequem auf der Couch und eben nicht auf dem Fahrrad, mein Körper wird nicht mit Glückshormonen durchflutet. Mit dem Lesen des Buches ist es ähnlich wie mit dem Fahrradfahren: Erst wenn Sie es lesen, werden Sie überhaupt Interessantes aus den Bereichen Verhaltensökonomie, Neurowissenschaften und Psychologie erfahren können.

Auf dem Kontinuum zwischen normal und genial - wo befinden Sie sich gerade?
Strunz: Glauben Sie bloß nicht, dass ich in jedem Moment und jeden Tag genial bin! Aber hinter dem Titel "Von normal zu genial" steht eine Provokation und die lautet: "Du kannst genial sein, jeder kann das! " Und davon bin ich fest überzeugt.

Das Interview führte Monika Meyer