Altenfelden
"Das ist alles nicht durchdacht"

Gegner des Industrieparks West treffen sich am Bahnhof Altenfelden - Wunsch ist, nur regionale Betriebe anzusiedeln

29.08.2019 | Stand 23.09.2023, 8:22 Uhr |
Blick auf die Wiesen, auf denen der Industriepark entstehen soll. Die Gegner des Vorhabens diskutieren am Bahnhof Altenfelden. −Foto: Bader

Altenfelden (HK) Die Stoßrichtung der kleinen Protestgruppe, die sich am Mittwochabend am Bahnhof in Altenfelden getroffen hat, um sich einen Überblick über den geplanten 33,5 Hektar großen Industriepark zu verschaffen, ist schon nach wenigen Augenblicken klar: "Ja, regionale Betriebe dürfen kommen, aber wir wollen keinen riesigen Industriepark.

" Das fasst die Grünen-Landtagsabgeordnete und Fürther Stadträtin Barbara Fuchs zusammen. Sie war sozusagen als Stargast der kleinen Veranstaltung geladen.

Organisiert hat den Informationsaustausch Georg Decker, der Sprecher der Bürgerinitiative "Lebenswertes Allersberg", die sich gegen den geplanten Industriepark am Bahnhof in Altenfelden stemmt. Und er hat sich dazu viele Mitglieder von Bündnis 90/Die Grünen ins Boot geholt. "Denn nicht nur die Altenfeldener und die Allersberger sind von dem geplanten Industriepark betroffen, sondern eben auch die Fürther Bürger, die immerhin 43 Prozent ihres Wassers aus dem neben dem geplanten Industriepark gelegenen Wasserschutzgebiet beziehen", so Decker.

Und was dazu bislang bekannt geworden ist, sei vage, bemängelt Harald Riedel, Fraktionskollege von Barbara Fuchs und Aufsichtsrat der Infra Fürth, die unter anderem für die Fürther Wasserversorgung zuständig ist. Er macht jedenfalls klar: "Wenn hier so etwas gebaut wird, läuten bei uns die Alarmglocken. " Und das sollte auch bei den Bürgern aus zahlreichen Allersberger Ortsteilen wie Altenfelden, Brunnau, Göggelsbuch, Guggenmühle und Polsdorf, aber auch aus Ortsteilen von Hilpoltstein, Roth und Pyrbaum so sein. Sie werden von der Brunnbachgruppe versorgt, die jährlich bis zu 150000 Kubikmeter Wasser aus diesem Schutzgebiet entnimmt und an rund 10000 Bürger der Region liefert.

Wie schnell das Wasser in diesem Gebiet verschmutzt werden kann, stellte der ehemalige Allersberger Forstamtsleiter Manfred Kinzler heraus: "Wir haben hier leichte Sandböden und das Wasser versickert schnell. Da darf nichts passieren, da muss man vorsichtig sein. " Allein das Niederschlagswasser macht Hartmut Täufer, Verbandsrat der Brunnbachgruppe, Sorgen: "Das sind durch die riesige versiegelte Fläche zwischen 200000 und 250000 Kubikmeter im Jahr, die dann einfach in den Brunnbach geleitet werden sollen. "

Riedel sieht durch den geplanten Industriepark deshalb eine starke Gefährdung des Trinkwassers. Er kann sich wie Fuchs allenfalls ein kleines Gewerbegebiet mit regionalen Firmen vorstellen. Und das will auch Fuchs gar nicht verbieten: "Man muss den Firmen von hier etwas anbieten", sagt sie.

Auch der Bund Naturschutz und der Landesbund für Vogelschutz (LBV) sind über den geplanten Industriepark nicht glücklich. "In dem kleinen Gebiet dazwischen wächst nicht nur der seltene Sonnentau, sondern es brütet dort sogar der Wendehals", sagt Ruppert Zeiner vom LBV.

Als aus der Gruppe die Nachfrage kommt, ob für die Gewerbebetriebe und den immer wieder erwähnten Logistiker eigentlich auch ein Bahnanschluss geplant sei, klärt Fuchs erst einmal auf: "Wir reden von Amazon. Die wollen an einen Tag liefern", sagt sie. "Die machen alles per Lkw und mit Sicherheit nichts mit der Bahn. "

"Doch mit ihren Lastwagen können sie dann nicht einmal direkt auf die Autobahn, sondern müssten erst durch den Kreisverkehr", merkt Täufer an. Hier sei sogar eine Ampelanlage im Gespräch, die er von vornherein ablehnt. "Eine Ampel heißt doch nur, dass grundsätzlich die Hälfte der Fahrzeuge stehen. " Und um wie viele Fahrzeuge es genau geht, macht Decker klar: Laut einem Verkehrsgutachten geht es pro Tag um "8300 zusätzliche Verkehrsbewegung mit bis zu 15000 Last- und Personenwagen".

"Das ist alles nicht durchdacht", sagt deshalb Siegfried Hauff vom Neumarkter Kreisverband von Bündnis 90/Die Grünen. Er befürchtet durch eine Ansiedlung von Amazon "prekäre Arbeitsverhältnisse, bei der die Leute gar nicht hier wohnen". Zudem würden die Firmen wahrscheinlich über viele Jahre ihre Investitionen abschreiben, so dass dem Markt Allersberg vom erhofften Geldsegen nicht viel bleibe. "Eventuell nicht mal ein Cent", prognostiziert Fuchs.

Enttäuscht zeigte sich Gabriele Bayer, die Kreisvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen in Neumarkt, über die Informationspolitik des Marktes Allersberg und dass beispielsweise über Amazon nur unter vorgehaltener Hand diskutiert werde. "Man muss den Leuten sagen was kommt", betonte sie. "Die Bürger haben das Recht, es zu erfahren. "

Und jetzt sei laut Decker noch Zeit, die Bedenken gegen das Projekt vorzubringen: Bis Mitte September läuft zum Aufstellungsbeschluss die Beteiligung der Öffentlichkeit und der Träger öffentlicher Belange. "Der Markt Allersberg kann den Beschluss zurücknehmen oder ändern. "

Kai Bader