Neuburg

Das "Gedächtnis der Stadt" braucht mehr Platz

Archiv setzt auf Internet und Digitalisierung – Erste Ausstellung der Bilder von Julius und Max Sayle

23.03.2015 | Stand 02.12.2020, 21:30 Uhr

Das Stadtarchiv füllt sich rasch mit Material. Leiterin Barbara Zeitelhack (rechts) führte den Kulturausschuss durch das Loiblhaus - Foto: r

Neuburg (r) 100 000 Negative und Glasplatten hat die Stadt Neuburg aus dem Nachlass der Fotografen Julius Sayle und seines Sohnes Max übernommen. Die Schwarz-Weiß-Bilder dokumentieren das Neuburger Stadtleben im 20. Jahrhundert. Einen Ausschnitt davon zeigt das Kulturamt in einer Ausstellung im Rathausfletz. OB Bernhard Gmehling eröffnet die Bilddokumentation kommenden Sonntag um 11.30 Uhr.

Das Stadtarchiv lässt den Bilderschatz sukzessive digitalisieren, eine aufwendige und gleichzeitig unumgängliche Arbeit, um die Aufnahmen öffentlich zugänglich zu machen. Ein Teil davon ist auf der neuen Internetseite des Stadtarchivs (stadtarchiv@neuburg-donau.de) bereits abrufbar.

Die Möglichkeiten zur Online-Recherche sollen weiter ausgebaut werden. Neben den rund 700 Archivbenutzern verzeichne man mehrere tausend Zugriffe jährlich, so Stadtarchivarin Barbara Zeitelhack. Das „Gedächtnis der Stadt“ soll allen Bürgern zugänglich sein. Für wissenschaftliche, heimatkundliche, rechtliche oder schulische Belange ist die Benutzung kostenfrei, ansonsten wird eine kleine Gebühr fällig. Neben den Unterlagen aus der Verwaltung der Stadt sammelt das Archiv Publikationen von Firmen, Vereinen, Verbänden und privaten Herausgebern, sowie Fotos, Filme, Karten, Pläne, Plakate und Ansichtskarten. Die Datenbank des Archivs geht ans Netz, sagt Archivarin Barbara Zeitelhack, „wir haben nichts Geheimes im Stadtarchiv.“

Um die Server der Stadt nicht zu überlasten, kooperiert das Archiv mit der Bayerischen Staatsbibliothek, dem Universitätsarchiv Leipzig und mit dem Verbund Mitteldeutsches Archivnetzwerk (mitteldeutschearchive.de/neuburg).

Das Stadtarchiv in der neuen Form besteht seit 20 Jahren. Auf 1300 Regalmetern schlummern Ratsprotokolle seit 1613, Salbücher, Kataster, Heberegister, neue Akten ab 1945 und Ausgaben der ältesten örtlichen Zeitung, dem „Neuburger Wochenblatt“ (1825 - 1879).

Das „Stadtgedächtnis“ findet sich im Loiblhaus an der Amalienstraße. Die verschachtelten Räume und dicken Wände der ehemaligen Druckerei bieten auch im Sommer ein optimales Raumklima für die Archivalien. Nur der Platz ist knapp geworden. „Fünf Jahre kommen wir damit noch zurecht“, so Barbara Zeitelhack, aber dann sei man voll. Die Archivleiterin hat deshalb einen Blick auf den direkt benachbarten Raum der Neuburger Fadenspieler geworfen. Mit 140 Quadratmetern könnte er den Bedarf des Archivs abdecken.

Aber die Fadenspieler wollen ihr Domizil auf jeden Fall behalten. Nach langer Odyssee habe man im Loiblhaus endlich eine gute Spielstätte gefunden, die auch zu den Vorstellungen während des Schlossfestes und des Christkindlmarktes passe, so Vorsitzende Edeltraut Schubert. „Wir wollen nicht schon wieder umziehen.“