Meißen
Bronze beim Geisterrennen

Der Pfaffenhofener Julian Bielmeier überzeugt bei Speedway-Wettkampf in Meißen mit einer starken Leistung

09.06.2020 | Stand 23.09.2023, 12:18 Uhr |
Erhard Wallenäffer
Spannender Kampf um den Titel: Julian Bielmeier lieferte sich mit den Lokalmatadoren Ronny Weis und Richard Geyer einen harten Kampf um Platz eins - und freute sich nach dem Rennen in Meißen über Rang drei. −Foto: Breu

Meißen - Auch beim Speedway galt bis zuletzt: Keine beinharten Kurvenduelle auf den Highspeed-Sandpisten, auch kein aufgewirbelter Staub.

 

Die Rennmaschinen mussten in den Werkstätten bleiben und so mancher Fahrer langweilte sich ganz gewiss - seit Ausbruch der Corona-Pandemie aber durfte am Samstag erstmals ein Rennen ausgetragen werden. Fans erhielten im sächsischen Meißen keinen Zutritt, bei einem Spektakel das auch offiziell den Namen verpasst bekam, welcher nicht treffender hätte sein können: Ein "Geisterrennen" eben, bei dem der Pfaffenhofener Julian Bielmeier mit Platz drei einen Traumstart in die Saison erwischte.

"Ich habe irgendwann angefangen, das Werkzeug mit dem Zahnbürstel zu putzen" - der Spruch eines Mechanikers lässt erahnen, dass sich in der Szene schon so etwas wie Frust breit machte. Speedway-Entzug ist für hartgesottene Insider eben schwer zu verkraften - so war schon die Vorfreude auf den vergangenen Samstag enorm.

Indes war es den Verantwortlichen des Motorsportclubs Meißen gelungen, eine schier endlose Reihe von bürokratischen Hürden zu nehmen, wie Anke Geyer am Rande der Veranstaltung betonte: "Die Ministerien in Dresden waren ebenso involviert wie die Behörden vor Ort. " Ein strenges Hygiene-Konzept sei die Hauptvoraussetzung für die Genehmigung des Speedway-Rennens in fünf Klassen gewesen - und warum man die viele Arbeit auf sich nahm, begründete die Schatzmeisterin so: "Die kleinsten unserer Nachwuchsfahrer haben ständig mit tränenden Augen die Gräser von der Bahn gezupft - da war klar, dass wir alle Hebel in Bewegung setzen mussten, damit wieder ein Rennen stattfinden kann. " In den fünf Klassen, nämlich einer Senioren- und vier Jugend- beziehungsweise Kinderklassen, gingen insgesamt 31 Fahrer an den Start.

 

Tatsächlich hatten diese Buben und Mädchen heuer schon die Motorsportfans in Pfaffenhofen begeistert. Beim Drift on Ice im Januar wurden sie schnell zu den Publikumslieblingen - einem Event übrigens, dessen Durchführung durch die Kooperation des Klubs aus Meißen mit dem MSC Pfaffenhofen möglich wurde. Die Szenerie am vergangen Samstag wirkte dann in der Tat etwas skurril: Einzige Zuschauer neben dem Bahnpersonal, dem medizinischen Dienst, Mechanikern und Medienvertretern waren Angehörige der regionalen Sponsoren. Sie verfolgten das Renngeschehen ausschließlich in ihren Autos - endloses Hupen ersetzte den sonst üblichen Beifall, wobei manche Leute das Geschehen durch die Sprossen des Stadionzauns beobachteten. "Ich hätte mir gerne eine Eintrittskarte gekauft, denn wenn die Motoren heulen, bin ich immer hier", sagte beispielsweise ein treuer Fan.

Das Meißener Geisterrennen war auch gleichbedeutend mit Bielmeiers Rückkehr in den Rennmodus. Der Pfaffenhofener, der ursprünglich im U21-Feld starten sollte, unterhält seit seiner Teilnahme an der Drift-on-Ice-Rennserie im vergangenen Winter enge Beziehungen nach Sachsen. Durch etliche Trainingsrunden hat er das Rennoval am Rande der Porzellanstadt mittlerweile gut kennengelernt - folgerichtig wurde der Youngster eingeladen, gegen Jörg Tebbe (Dohren, Niedersachsen) und die beiden Lokalmatadoren Ronny Weis und Richard Geyer um den Geisterrennen-Pokal zu kämpfen.

Speziell Weis und Geyer in deren Wohnzimmer zu besiegen, gilt als außerordentlich schwer - Bielmeier gelang dieses Kunststück jedoch: Beim zweiten von vier Läufen katapultierte sich der 18-Jährige perfekt in den ersten Kurveneingang. Verbissen wehrte er anschließend alle Angriffe von Geyer ab und sah folglich die karierte Flagge als Erster. "Vier Runden lang vorne geblieben zu sein, macht mich unglaublich stolz", sagte Bielmeier hinterher und strahlte mit glänzenden Augen. Schon zuvor, beim Auftaktlauf, zeigte sich der Pfaffenhofener stark verbessert: Nach mäßigem Start konnte er den erfahrenen Tebbe auf der Außenlinie niederkämpfen, womit bereits ein erster wertvoller Punkt auf das Konto gewandert war.

In Lauf drei gelang es Bielmeier nicht, in den Kampf um die Punkte einzugreifen, abschließend jedoch sicherte er sich noch einmal zwei Zähler als Verfolger von Laufsieger Weis. Geyer wurde hier, als Sturzverursacher, für den Wiederholungslauf ausgeschlossen. Weis (7 Punkte), Geyer (7), Bielmeier (6) und Tebbe (4) - in dieser Rangfolge wurde letztlich gewertet. "Ich muss ein ganz dickes Lob an die Organisatoren aussprechen, die aus dem Nichts einen Klasse-Renntag hingezaubert haben - vom Ablauf bis zur Bahn war alles erste Sahne", lobte Bielmeier nach der Siegerehrung. Und auch sein erzieltes Ergebnis freute ihn sichtlich. "Unseren Wettbewerb empfand ich als sehr spannend - weil jeder Fahrer mal vorne und mal hinten war. Meine Gegner sind hart aber fair gefahren, so soll es sein und jetzt nehme ich einen schönen Pokal mit nach Hause - darauf bin ich stolz", sagte der 18-Jährige.

PK

Erhard Wallenäffer