Ingolstadt
Bonaparte en masse

14.03.2011 | Stand 03.12.2020, 3:03 Uhr |

So schmückten sich einst die Husaren: Die Ausstellungsmacher können auch aus den reichen Bestände des Armeemuseums schöpfen.

Ingolstadt (sic) Gut möglich, dass das Bayerische Armeemuseum dazu in der Lage ist, eine kleine Einheit frankophiler Historienkrieger originalgetreu im Stil von Napoleons Grande Armée auszustatten.

Waffenröcke samt passender Kopfbedeckungen, Standarten, Gewehre ja sogar Geschütze aus der Zeit der Revolutionskriege (bayerische Beutestücke) lagern in den Magazinen des Neuen Schlosses – Napoleon Bonaparte en masse. Wie beachtlich das Uniform- und Waffenarsenal genau ist, erforscht Museumsleiter Ansgar Reiß momentan in den Tiefen der Bestände. Eines weiß er bereits jetzt: Sein Haus ist für eine große Ausstellung über das hoheitliche Engagement des französischen Kaisers in Bayern gut gerüstet. "Natürlich haben wir aus der Napoleonischen Zeit im Wesentlichen Militaria." Bei der Requirierung schriftlicher Quellen werden sich die Macher der Ausstellung vom Haus der Bayerischen Geschichte um Leihgaben bemühen, "darunter wohl auch einige aus Paris", vermutet Reiß. Ein Auge wirft er zudem auf Moskau: "Da könnte es viele Zeugnisse über Napoleon und Bayern geben." Schließlich marschierten 30 000 bayerische Soldaten 1812 treu an der Seite des Franzosen nach Russland; er kehrt zurück, der größte Teil seiner süddeutschen Verbündeten nicht. Reiß hegt die dezente Hoffnung, dass die Schanzer Städtepartnerschaft mit dem Moskauer Zentralbezirk möglicherweise die eine oder andere Archivtür öffnen könnte.

Immerhin eine Nacht weilte er in Ingolstadt: vom 18. auf den 19. April 1809. In welchem Gemach des Neuen Schlosses Napoleon dereinst logierte, hat sich trotz ausführlicher Recherchen nicht mehr ermitteln lassen. Am nächsten Morgen zog der Kaiser (ob ausgeschlafen oder nicht liegt ebenfalls im Dunkeln) in die Schlacht bei Abensberg. Dort besiegte er mit seinen braven bayerischen und württembergischen Vasallen die Österreicher. Die verloren an jenem Tag 10 000 Mann.

Eine erhellende Quelle über Napoleons Ingolstädter Durchreise verdanken wir dem königlich-bayerischen Landrichter Joseph Gerstner. Von hoheitlich-frankophiler Verzückung beseelt, schmetterte er: "Straßen und Häuser waren gedrängt voll Truppen aller Waffen. Nur ein Gedanke – die Anwesenheit des Kaisers – beschäftigte alle." Unter Glockengeläut donnerte jenem ein "Vive l’impereur!" entgegen. Gerstner attestierte Napoleon ein "gesundes, kräftiges Aussehen" und einen "lebhaften feurigen Blick".

Ordentlich notierte der Beamte, dass der Herrscher das Kreuztor Punkt 20 Uhr durchritten habe, und der Zug seiner Soldaten auch nach einer Stunde noch nicht vorbei war.

200 Jahre später fand dieses historische Spektakel eine unterhaltsame Wiederholung; mit etwas reduzierter Truppenstärke zwar, aber dafür alle tiptop uniformiert. Napoleon war nun ein Physiotherapeut aus Mainburg namens Peter Mauerer; er mimte den Kaiser mit solch eleganter Noblesse, dass er dem in den Quellen beschriebenen Original erschreckend nahe kam. Die Ingolstädter Stadtführerinnen standen mit vielen anderen Darstellern zeitgemäß gewandet Spalier und ließen den Franzosen mit euphorischem "Vive la France!" hoch leben.

Das große, von geschichtlich-korrekt gekleideten Hobbykriegern aus ganz Bayern flankierte Fest mündete im Schloss. "Wir werden so ein Historienspiel im Umfeld der Ausstellung sicher wieder auf die Beine stellen", kündigte Gerd Treffer an. Ihn dürfte es besonders freuen: Der städtische Sprecher ist ein bekennender Frankreichverehrer.