Pfaffenhofen

Abgeordneter mit Auszeiten

Erich Irlstorfer hat sein Votum bei 80 Prozent der namentlichen Abstimmungen abgegeben

03.08.2017 | Stand 02.12.2020, 17:42 Uhr
Erich Irlstorfer. −Foto: privat

Pfaffenhofen (str) 125 namentliche Abstimmungen hat es in der laufenden Legislaturperiode im Bundestag gegeben – und an 103 hat der lokale Abgeordnete Erich Irlstorfer (CSU) teilgenommen.

Das sind etwa 80 Prozent. In den sozialen Netzwerken wird Irlstorfer dafür kritisiert.

Auf der Internetplattform Abgeordnetenwatch können sich Nutzer das Abstimmungsverhalten der Abgeordneten bei jeder Entscheidung anzeigen lassen und das Ergebnis von fünf willkürlich ausgewählten Fragen einschließlich der Antworten über die sozialen Netzwerke verbreiten. „Wahrplakat“ nennen es die Aktivisten. Auf Facebook hat ein User jetzt ein solches Plakat hochgeladen, mit fünf Abstimmungen, an denen Irlstorfer nicht teilgenommen hat. So war Irlstorfer zum Beispiel bei der Abstimmung über den gesetzlichen Mindestlohn, verschiedene Bundeswehreinsätze, die Angleichung der Renten in Ost und West und die Finanzhilfen für Griechenland 2015 laut Abgeordnetenwatch nicht dabei. Süffisante Kommentare bleiben da nicht aus. „Scheint ja ein wahnsinnig engagierter Abgeordneter zu sein“, schreibt ein Nutzer. „Jo, das ist der Mann der unsere Interessen vertritt. Dafür bekommt er auch richtig viel Geld“, ein anderer.

Irlstorfer bestätigt, dass er an den fraglichen Abstimmungstagen nicht im Bundestag war. „Ich hatte zwei schwere Krankheitsfälle in der Familie, da kann es sein, dass man bei bestimmten Abstimmungen fehlt.“ Beide Elternteile Irlstorfers waren für längere Zeit in einem Hospiz, sein Vater ist mittlerweile gestorben. Wie bei jedem anderen Arbeitnehmer gebe es auch für Abgeordnete die Möglichkeit, sich in solchen Fällen Auszeiten zu nehmen. „Ich würde es wieder so machen“, sagt er.

Irlstorfer ist mit seinen 103 Abstimmungen übrigens keiner der besonders abstimmungsfaulen Abgeordneten. Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) hat nur bei 26 Abstimmungen mitgemacht, Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei 29. „Bei den Ministern und der Kanzlerin gibt es Befreiungen wenn sie zum Beispiel auf einem EU-Gipfel sind“, erklärt Irlstorfer. Einmal habe er Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) vertreten.

Besonders fleißig bei der Stimmabgabe sind beispielsweise das Grünen-Urgestein Hans-Christian Ströbele und Fritz Felgentreu (SPD) mit der Teilnahme an 123 Abstimmungen. Der Ingolstädter Abgeordnete Reinhard Brandl war bei 119 namentlichen Abstimmungen im Parlament mit dabei.