Donnerstag, 13. Dezember 2018
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Teil 6 der Triathlon-Kolumne: Erste Kilometer auf dem Rennrad und Analyse des Laufstils

Feintuning am Fersenhub

Beilngries
erstellt am 10.08.2018 um 18:29 Uhr
aktualisiert am 27.08.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt/Beilngries (DK) Rund zwei Wochen vor seinem Start beim Beilngrieser Triathlon hat DK-Journalist Christian Missy erste Eindrücke auf der Wettkampfstrecke gesammelt. Trotz nötiger Korrekturen beim Laufstil: Die Form ist gut.
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Die Ergebnisse der Laufanalyse ermöglichen zahlreiche Erkenntnisse über Fußstellung, Körperhaltung, Trittfrequenz, Kontaktzeit oder Fersenhub. Ein kraftsparenderer Laufstil wird so möglich.
Die Ergebnisse der Laufanalyse ermöglichen zahlreiche Erkenntnisse über Fußstellung, Körperhaltung, Trittfrequenz, Kontaktzeit oder Fersenhub. Ein kraftsparenderer Laufstil wird so möglich.
Foto: Hengmith
Beilngries
Ein Journalist, der bei einem Triathlon teilnimmt. Sportlich, motiviert - immer auf der Suche nach Herausforderungen. Dabei aber nie verkrampft, die Stimmung pendelt sich zwischen Ehrgeiz und entspannter Lockerheit ein, zwischenzeitliches Scheitern wird mit Fassung und vor allem Selbstironie ertragen. All das trifft auf Florian Weiß zu, Moderator bei Antenne Bayern und dem ZDF. Rund zwei Wochen vor dem Beilngrieser Triathlon ließ der Münchner seinen Laufstil in der Spörer Gesundheitsklinik in Ingolstadt analysieren. Auch ich durfte mir zeigen lassen, wie es besser, schneller und vor allem kraftsparender geht.

Also rauf auf das Laufband. Fünf Minuten Warmlaufen, dann soll ich mich umdrehen und bei zwölf Kilometern pro Stunde quasi in die falsche Richtung laufen. Bewegungsanalytiker Klaus Hengmith filmt mich eine Minute lang. Anschließend laufe ich eine Minute lang barfuß. "Bist du schon Mal auf einem Laufband gelaufen?", fragt Hengmith. Irgendwas mache ich falsch, denke ich mir. "Nicht so oft", antworte ich wahrheitsgemäß. Wir treffen uns am Computerbildschirm, wo ich mich laufen sehe. Das Fazit von Hengmiths Analyse: "Ausbaufähig." Meine Laufposition ist zu tief, ich laufe "sitzend", wie Hengmith erklärt. Außerdem: Der Fuß ist zu weit vorne, die Körperhaltung zu wenig aufrecht, die Schrittfrequenz zu hoch, die Bodenkontaktzeit zu lang und vor allem: der Fersenhub passt nicht. Deswegen soll ich die Fersen schwungvoller anheben. Und zwar jetzt sofort.

Also wieder rauf auf das Laufband. Ich versuche, alle Hinweise umzusetzen und siehe da, bei den entscheidenden Parametern schneide ich besser ab. Der Elastic-Exchange-Wert steigt deutlich an. "Durch die Korrekturen im Laufstil kannst du bei entsprechender Grundkondition ein schnelles Tempo länger laufen", sagt Hengmith. Sein Fazit der zweiten Analyse: "Das ist schon okay." Von ausbaufähig zu okay - ich bin zufrieden, weil ich jetzt weiß, wie ich kraftsparender joggen kann. Dann steigt Weiß aufs Laufband. Der Mann hat drei Paar Laufschuhe dabei und viel vor: In Beilngries startet er über die Olympische Distanz.

Gut zwei Wochen vor meinem ersten Triathlon befinde ich mich in der Phase des Feintunings. Zwei Tage zuvor, Beilngries, Ortsbegehung. Mit Gerhard Budy, der mich seit rund vier Monaten auf meinen ersten Triathlon vorbereitet, fahre ich die Radstrecke ab. Es ist keine Woche her, dass ich endlich ein Rennrad organisiert habe. Kritische Begleiter aus meinem privaten Umfeld finden: nicht gerade zu früh. Sei es drum, nach 20 Kilometern durch die brütende Hitze soll sich die Erwartungshaltung an mein sportliches Abschneiden fundamental wandeln.

Zunächst einmal muss ich aber feststellen: Rennradfahren macht Spaß. Sobald man sich an die gebeugte Körperhaltung gewöhnt hat, wird aus einem Transportmittel ein Sportgerät, mit dem man ordentlich Tempo auf den Asphalt bekommt. Ich schieße mit Budy aus Beilngries raus auf die Landstraße. Wir tragen beide das gleiche Trikot, Radfahrersonnenbrillen und schnittige Helme. Für mich fühlt es sich an, als wären wir eine Ausreißergruppe. Dem Peloton enteilt, auf dem Weg zum gelben Trikot. Coach Budy findet wohl, dass ich für derlei Träume ein paar Tipps nötig habe. Zwischen Badanhausen und Pfraundorf arbeiten wir an meiner Fußstellung auf der Pedale und an der richtigen Gangschaltung für Anstiege und flaches Gelände.

Denn, und hier wären wir wieder beim Kraftsparen, es kommt darauf an, bei einer relativ hohen Trittfrequenz die gewünschte Geschwindigkeit zu erreichen, damit der Muskel nicht übersäuert. "Versuche, im Schnitt 30 Kilometer pro Stunde zu fahren", rät Budy. Wichtig sei auch, an den richtigen Stellen zu trinken: Nach dem Schwimmen rund 200 Milliliter, nach zehn von 20 Kilometern auf der Radstrecke erneut einen großen Schluck. Nach 20 Kilometern Radfahren und knapp drei Kilometern laufen bekomme ich auf zweifache Weise ein gutes Gefühl: Ich kenne jetzt einen Großteil der Strecke und konnte das Pensum problemlos absolvieren. Bleibt nur noch eine letzte Angst: Schwimmen im Freiwasser.

Das habe ich bisher erst einmal trainiert. Wenn ich im Freibad meine Bahnen ziehe nervt es mich, wenn vor mir jemand langsamer schwimmt (was selten vorkommt), hinter mir schneller schwimmt (was häufiger vorkommt) oder von der Nebenbahn jemand zu mir rüberspritzt (was dauernd vorkommt). Ich ahne, dass ein Massenstart im Main-Donau-Kanal ähnliche Herausforderungen für mich bereithält. Mein triathlonerfahrener Onkel hat mir trotzdem empfohlen, ein Ziel zu setzen. Anfangs wollte ich überleben. Dann war es das Ziel, anzukommen. Und jetzt? Schwimmen unter 27 Minuten, Radfahren unter 50 Minuten, Laufen unter 27 Minuten. Die Erkenntnisse der Laufanalyse sollen dabei helfen.
 
Christian Missy
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