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Ein Leben für das Ehrenamt

Pfaffenhofen
erstellt am 14.02.2018 um 17:22 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (PK) Florian Weiß hat nach zehn Jahren als Kreisvorsitzender des Bayerischen Landes-Sportverbands sein Amt abgegeben. Ganz aufhören wird er aber nicht, dazu ist er dem Sport und dem Landkreis zu stark verbunden. Begonnen hat seine Laufbahn vor 45 Jahren mit einem Gang zur Toilette.
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Pfaffenhofen: Ein Leben für das Ehrenamt
Foto: DK
Pfaffenhofen

Thomas Herker konnte sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Als Florian Weiß bei der Sportlerehrung der Stadt Pfaffenhofen im November des vergangenen Jahres die Einführung eines Sportförderpreises vorschlug, antwortete der Bürgermeister nämlich prompt: "Das wäre dann der Florian-Weiß-Gedächtnispreis." Hinter dieser wohl nicht ganz ernst gemeinten Pointe versteckt sich aber dennoch ein Fünkchen Wahrheit. Denn Weiß ist seit Jahrzehnten aktiv und engagiert. Nach 26 Jahren beim Bayerischen Landes-Sportverband gab er im Vorjahr den Kreisvorsitz Pfaffenhofen an Albert Hiereth ab. Vom BLSV wurde er Ende Januar beim Bezirkstag verabschiedet.

So ganz ohne geht es aber doch nicht: Im gleichen Atemzug wurde Weiß nämlich auch zum Stellvertretenden Bezirksrevisor gewählt. Ein weiterer Posten in einer Reihe von Ehrenämtern. Würde man stur alle Ämter und Posten in chronologischer Reihenfolge mit Jahreszahlen niederschreiben, die Florian Weiß in den vergangenen 50 Jahren bekleiden durfte, könnte man mit dieser Liste wohl mehrere Seiten füllen. Drei Seiten im DIN A-4-Format um genau zu sein. Florian Weiß hat es selbst versucht. "Ich habe mich einmal hingesetzt und das alles aufgeschrieben", erklärt der 68-Jährige. Unter den Schwerpunkten Sport, Soziales und Politik hat er je eine Seite handschriftlich zu Papier gebracht. "Ein Leben für das Ehrenamt" nennt Weiß diese Auflistung selbst.

Das alles begann 1973, also vor 45 Jahren, beim SV Ilmmünster auf der Herrentoilette. Beziehungsweise während Weiß eben jene aufsuchte. "Ich bin zum Schriftführer gewählt worden, dabei wollte ich gar nicht. Dann bin ich auf das Klo raus, kam zurück und dann hieß es, ich sei gewählt worden. Mir wurde gesagt, ich soll es machen, sonst gibt es niemanden", erinnert sich Weiß an seinen Einstieg. Der damals 24-Jährige spielte selbst Fußball im Verein. In den folgenden Jahren wurde er erst zum Kassier, später zum Vorsitzenden gewählt.

1949 wurde Weiß in Allershausen geboren, 1952 zog die Familie nach Ilmmünster, wo Weiß aufwuchs. "Ich bin ein Ilmmünsterer", sagt er deshalb. Nach der schulischen Laufbahn folgte eine kaufmännische Ausbildung in einem Pfaffenhofener Autohaus. In Pfaffenhofen nahm auch seine Karriere im Ehrenamt Fahrt auf: Max Elfinger schlug ihn für die Sportkommission, der Weiß mittlerweile seit 2008 vorsitzt, vor. 1988 wurde er berufen. "Nach 14 Tagen hat Max Elfinger schon gesagt: ,Du machst den Schriftführer'", sagt Weiß lachend. Kleinere Posten, wie Beirat beim FSV Pfaffenhofen, kamen hinzu.

Auch außerhalb des Sports war Weiß tätig. Elf Jahre Betriebsrat, vier Jahre Schöffe, Mitinitiator des Stadtbusses Pfaffenhofen. "Die Politik lief auch so nebenbei", meint Weiß, der 1986 der CSU beitrat. Unter anderem saß er im Kreistag und Stadtrat, mit 65 Jahren zog sich Weiß dann politisch zurück.

Bekannt ist Weiß aber viel mehr für seine Arbeit beim BLSV. Erst ab 1991 war der Kreis Pfaffenhofen selbstständig, zuvor gehörte der Landkreis zur Ingolstädter Gruppe. Weiß wurde zunächst stellvertretender Vorsitzender, 2008 übernahm er den Vorsitz. "Ich habe mir als Ziel gesetzt, immer der Verbindungsmann zwischen den Vereinen und dem BLSV zu sein. Ich wollte der Ansprechpartner sein. Wer ruft schon in München an? Die Vereine brauchen jemanden, mit dem sie reden können", erklärt Weiß den Großteil seines Amts. So informierte er die Vereine immer über Neuerungen, gab Infoveranstaltungen zu verschiedenen Themen. Entmutigen ließ er sich nie. Auch, wenn die Veranstaltungen nicht gut besucht waren: "Das habe ich in der Politik gelernt. Du musst etwas anbieten." Wichtig sei ihm immer die Bindung der Mitglieder an die Vereine gewesen. "Es ist wichtig, dass sich die Vereine kümmern", sagt Weiß. Ein großer Punkt seien auch Reden bei Jahreshauptversammlungen oder Ehrungen gewesen. Weiß selbst wurde mehrmals geehrt, unter anderem mit der Goldenen Ehrennadel der Stadt Pfaffenhofen. "Die Urkunde muss ich noch rahmen lassen", sagt Weiß und blickt auf mehrere Auszeichnungen, die in seinem Arbeitszimmer an der Wand hingen. "Da sind viele schon einige Jahre alt", erklärt Weiß und winkt ab.

Für Weiß war das Ehrenamt immer Ehrensache. "Das darf man auch nicht negativ darstellen. Man muss diese Posten positiv darstellen, um Jugendliche dazu zu bewegen", findet Weiß. Er setzte sich auch in den vergangenen Jahren für die Ehrung und Wertschätzung der Freiwilligen ein. "Man kann für andere etwas tun und sich einsetzen. Das Ehrenamt belebt den Verein. Jeder will Sport treiben, aber es braucht auch die Leute im Hintergrund", so der 68-Jährige.

Mittlerweile ist Weiß in Rente, zumindest beruflich. "Manchmal habe ich mich schon gefragt, wie das alles geklappt hat", meint Weiß. Immerhin nahm er zig Termine wahr - vor allem abends. "Heute ist es gemütlicher", erzählt er. Weiß findet Zeit zum Joggen und Wandern, auch im Fitnessstudio hält er sich in Form. Die wenigen Ämter, die er noch innehat, macht er gerne und wie gewohnt mit Herzblut. Der Aufwand hält sich in Grenzen. Und doch klingelt auch heute noch ab und an das Telefon bei Florian Weiß, wenn ein Verein um Rat fragt. Weiß antwortet. Natürlich.

Vor allem einen Wunsch hat er auch für den Sport im Landkreis. "Einen Sportförderpreis, parallel zum Kulturförderpreis", betont Weiß. Egal, ob dieser dann nach ihm benannt wird oder nicht.

Von Kevin Reichelt
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