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Synchronschwimmerin, Trainerin, internationale Wertungsrichterin: Melanie Eubel aus Neuburg lebt ihren Sport

Ein ganz besonderer Werdegang

Neuburg
erstellt am 10.08.2018 um 19:06 Uhr
aktualisiert am 16.08.2018 um 22:44 Uhr | x gelesen
Neuburg (DK) Weiter, immer weiter, lautet ein Leitsatz im Sport.
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In offizieller Kleidung: Melanie Eubel war erst kürzlich bei den Mittelmeerspielen im spanischen Sevilla als Wertungsrichterin im Einsatz.
In offizieller Kleidung: Melanie Eubel war erst kürzlich bei den Mittelmeerspielen im spanischen Sevilla als Wertungsrichterin im Einsatz.
Foto: TSV Neuburg
Neuburg
Viele Athleten verinnerlichen dies. Doch nur wenige leben danach. Eine, die es tut, ist Melanie Eubel aus Neuburg. Die ehemalige Synchronschwimmerin ist Nachwuchstrainerin und eine von nur fünf deutschen Wertungsrichterinnen, die bei internationalen Wettkämpfen eingesetzt werden. Und das alles hat sie sich neben Abitur, erfolgreich abgeschlossenem Jurastudium mit zweitem Staatsexamen und der Gründung einer Familie erarbeitet.

Entwickelt hat sich die Faszination für das Synchronschwimmen bei Melanie Eubel bereits im zarten Alter von sechseinhalb Jahren. "In der Schule hingen Flyer aus, dass der TSV Neuburg Nachwuchs sucht und daraufhin hab ich mich angemeldet", sagt die 31-Jährige und muss dabei grinsen - denn die Akquise bei den Donaunixen läuft immer noch so, Eubel selbst hat im Laufe der Jahre viele Werbezettel an den Neuburger Schulen verteilt. "Nach dem Schnupperkurs bin ich hängen geblieben. " Aufgesehen hat sie damals zu den Schwestern Claudia und Angela Pogadl und zu Cornelia Libal, die ihrerzeit die bekanntesten Vertreterinnen der Neuburger Donaunixen und international in der Szene bekannt waren. Dass sie es selbst einmal bis zur Vereins-Weltmeisterschaft zu einem Wettkampf in den USA bringen sollte, daran war im Grundschulalter für Melanie Eubel natürlich noch nicht zu denken.

So durchlief die Neuburgerin zunächst die üblichen Stationen, die jede Synchronschwimmerin beim TSV Neuburg absolvieren muss. Den sogenannten Muki-Test, bei dem die Grundlagen der jüngsten Sportlerinnen abgefragt werden, schaffte sie 1996 gleich in der Nachbarschaft. "Der fand in Schrobenhausen statt", berichtet Eubel. Schon ein Jahr später verschlug es ihre Mannschaft und sie zu den Bayerischen Meisterschaften. Als sie fast zwölf Jahre alt war, gab es einen ersten Karrierehöhepunkt für Eubel - und ein großes Fest für die Abteilung zu feiern. Die Synchronschwimmer des TSV Neuburg begingen 1998 ihr 25-jähriges Bestehen und zu diesem Jubiläum fanden die Deutschen Jugendmeisterschaften dieser Sportart im Neuburger Hallenbad statt. "Das war toll. Wir waren alle besonders aufgeregt, weil wir daheim ja nicht oft Wettkämpfe haben", sagt die Neuburgerin. Am liebsten denkt sie allerdings an die Zeit zurück, als sie der Altersklasse A/B in den Jahren 2003 und 2004 angehörte. "Damals sind wir bei jedem Wettbewerb, an dem wir teilgenommen haben, aufs Treppchen gekommen. Eine Superzeit. " Der absolute Höhepunkt ihrer Karriere fand schließlich im Jahr 2006 statt: Sie durfte mit ihren TSV-Kameradinnen nach
San Francisco zur Vereins-Weltmeisterschaft in die Vereinigten Staaten von Amerika reisen und die Neuburger Farben vertreten. Neben Eubel sind noch zwei weitere Mitstreiterinnen von damals im TSV Neuburg weiterhin aktiv: Sonja Schlamp-Bauer, die seit vielen Jahren Trainerin in der Abteilung ist und jüngst auch den Posten der zweiten Vorsitzenden des Gesamtvereins übernommen hat, und Jessica Pflug, ebenfalls Nachwuchstrainerin in der Synchronschwimmer-Abteilung. "Ja, viele sind wir nicht mehr von damals", sagt Eubel. Aber das sei normal. Ihren letzten aktiven Wettbewerb hat sie noch sehr gut in Erinnerung: die Deutschen Masters in Regensburg im Jahr 2007. "Da haben wir den ersten Platz geholt. Ich bin mit einem Feuerwerk gegangen", scherzt sie.

Bei den meisten jungen Frauen stellt sich irgendwann die Frage, ob neben Ausbildung, Studium und Beruf noch genügend Platz im Terminkalender für das zeitintensive Hobby Synchronschwimmen bleibt. Viele hören mit dem Sport nach dem Ende der Schullaufbahn auf. Bei Melanie Eubel funktionierten Karriere und Sport miteinander allerdings sehr gut.

Schon 2003, während ihrer aktiven Karriere, begann sie als Betreuerin und Mannschaftshelferin bei Teams jüngerer Jahrgänge. "So richtig als Trainerin hab ich dann 2009/2010 angefangen", berichtet sie. Damals war die Absolventin des Neuburger Descartes-Gymnasiums schon Jura-Studentin in Regensburg. Die B-Lizenz machte sie im Jahr 2012 an der Sporthochschule in Oberhaching. Aktuell betreut sie die Altersklasse A/B der 15- bis 18-Jährigen. Viermal pro Woche zwischen anderthalb und viereinhalb Stunden gibt sie den jungen Frauen vom Beckenrand aus Kommandos, macht Verbesserungsvorschläge und überwacht die Entwicklung ihrer Schützlinge.

Dass sie irgendwann die Weiterbildung zur Wertungsrichterin machen würde, war Eubel schnell klar. "Auf Landesebene ist das sogar verpflichtend, wenn man einen Trainerschein macht", erklärt sie. "Mir hat das von Anfang an Spaß gemacht. " Und so war der Sprung bis zur Wertungsrichterin auf gesamtdeutscher Ebene nicht weit, seit nunmehr zehn Jahren hat sie diese Qualifikation. Durch zahlreiche Einsätze in der gesamten Bundesrepublik gelangte sie von der sogenannten G-Liste der Wertungsrichter auf die A-Liste. Das stellte bereits eine hohe Anerkennung ihrer geleisteten Dienste dar, finden sich auf jenem Papier doch nur Wertungsrichter, die vom Deutschen Schwimmverband (DSV) für den internationalen Einsatz an die FINA (Fédération Internationale de Natation; weltweiter Dachverband für Schwimmen, Freiwasserschwimmen, Synchronschwimmen, Wasserball und Wasserspringen) weiterempfohlen werden. Die Neuburgerin absolvierte im Jahr 2014 einen einwöchigen Lehrgang in Paris. Unterricht und Prüfung fanden durchweg auf Englisch statt. Heuer musste sie Lehrgang und Abschlusstest wiederholen, die FINA will dadurch ihre hohen Standards sicherstellen. "Der Lehrgang in Amsterdam war sehr westeuropäisch. Ich war die einzige Deutsche, dann waren viele Skandinavierinnen dabei, eine Britin und eine Kolumbianerin. "

Nach wiederum bestandener Prüfung darf die Neuburgerin vier weitere Jahre bei internationalen Wettkämpfen die Darbietungen der Mannschaften bewerten - was manchmal gar nicht so einfach ist. "Man sitzt oft viele Stunden am Beckenrand und schaut sich eine Gruppe nach der anderen an. Wenn es dann noch sehr heiß ist, dann denkst du dir schon mal: Was mach' ich hier eigentlich? ". Wertungsrichter haben bei Synchro-Veranstaltungen drei verschiedene Aufgaben. Sie beurteilen die Gruppen entweder nach Ausführung oder dem künstlerischen Gesamteindruck oder dem Schwierigkeitsgrad der dargebotenen Elemente. Nach jedem Wettkampfabschnitt wechseln die Richter die Disziplinen durch, so dass ein wenig Abwechslung geboten ist.

Ihren ersten Einsatz hatte Eubel bei den Mittelmeerspielen, dem sogenannten Comen-Cup, in Alexandropolis (Griechenland) im Jahr 2014. Bei der gleichen Veranstaltung wachte sie ein Jahr später in Ostia (Rom, Italien) mit Argusaugen über die Nachwuchstalente Europas, danach legte sie wegen der Geburt ihres Sohnes Philipp eine einjährige Pause ein. In den vergangenen beiden Jahren bewertete sie bei den Jugend-Europameisterschaften in Belgrad (Serbien) und Tampere (Finnland), heuer war sie außerdem noch beim Comen-Cup in Sevilla (Spanien) im Einsatz. Seit der mittlerweile zweijährige Sohn auf der Welt ist, ist es für Melanie Eubel und ihren Ehemann Thomas, der als Fußballer beim BSV Neuburg ebenfalls viel unterwegs ist, noch etwas komplizierter geworden, Beruf, Sport und Freizeit unter einen Hut zu bekommen. "Thomas hat mich mit Philipp einmal zu den Bayerischen Meisterschaften begleitet. Das war für Philipp ganz toll, weil er der Hahn im Korb war", scherzt Melanie Eubel.

Sehr häufig kommt es vor, dass die Neuburgerin in ihrer Funktion als Wertungsrichterin auch Deutsche Mannschaften begutachten und Punkte an sie vergeben muss. Dabei ist Vorsicht geboten, denn sogar die Wertungsrichter werden bewertet. Von der FINA gibt es einen sogenannten "Observer", der darauf achtet, dass die Unparteiischen auch solche bleiben. "Parteilichkeit ist ein Knockout. Man schaut schon, dass man bei der Bewertung seiner eigenen Nation nicht auffällt", sagt Eubel. Sie berichtet, dass trotzdem bei dem einen oder anderen Turnier schon Wertungsrichter ausgetauscht worden seien - während des laufenden Wettkampfs. "Natürlich nicht während der Darbietung einer Mannschaft. Aber plötzlich sitzt dann jemand anderes mit in der Reihe, bevor das nächste Team beginnt. " Sie selbst hat ihre Vereinskameradinnen Mona Weidner und Lisa Rinke beim Comen-Cup in Belgrad bewerten müssen. "Es war sehr schön für uns, dass wir uns bei so einem Wettkampf getroffen haben", findet Eubel.

Auf die Frage, ob sie schon mal ans Aufhören gedacht habe, antwortet die Neuburgerin mit einem herzlichen "Nein". Sie habe noch kein negatives Erlebnis als Wertungsrichterin gehabt und hoffe, dass sich das auch nicht ändert. Dann könne es noch lange so weitergehen.
Sebastian Hofmann
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