Ingolstadt: Ohne Peter wär' hier gar nichts los
Die Lieblingspose: Peter Jackwerth als strahlender Sieger mit dem FC Ingolstadt. So wie hier beim Aufstieg in die Bundesliga im Mai 2015 mit bier- und sektgetränktem Sakko. Das wünscht sich der 60-Jährige möglichst bald wieder.
Schiffmann
Ingolstadt

Ingolstadt (DK) Die Jubelpose sitzt. Peter Jackwerth reißt die Arme hoch, ballt die Hände zu Fäusten und schreit seine Freude hinaus. Am liebsten tut er das im Stadion beim Fußball. Tore, Siege, Meisterschaften und Aufstiege, das ist seine Welt. Insbesondere seit er sich mit Haut und Haaren seinem Baby FC Ingolstadt verschrieben hat. Jetzt, nach zwei Jahren in der Bundesliga mit spektakulären Duellen gegen Bayern München oder Borussia Dortmund und vielen unvergesslichen Episoden, muss Jackwerth den zweiten Abstieg in der Vereinsgeschichte verkraften. Das trifft ihn hart und kommt zur Unzeit. Schließlich gibt es heute etwas zu feiern - der Multimillionär wird 60 Jahre alt.

Ein bisschen ruhiger soll es dieses Mal werden. "Es gibt eine kleine Grillfeier bei mir daheim. Ich gehe jetzt schließlich auf die 70 zu", sagt der Jubilar und lacht. Ob's tatsächlich so ruhig wird? Man mag es kaum glauben. Seinen 50. Geburtstag feierte Jackwerth in Schuhbecks Teatro in München, die bronzene Hochzeit mit seiner zweiten Frau Daniela war ein rauschendes Fest in der Exerzierhalle im Ingolstädter Klenzepark.

Doch selbst das Energiebündel, das einen im Überschwang gerne mal kumpelhaft in die Seite boxt oder einfach nur kräftig umarmt, spürt ein wenig das Alter. Die Zeiten, als Jackwerth mit der Harley kurz mal beim Training vorbeischaute oder im Winter mit dem Ferrari durch die Gegend fuhr, sind vorbei. Gesundheitliche Probleme zwangen ihn in der Saisonendphase zu einer kleinen Auszeit. Doch dass Jackwerth, der auf Mallorca eine Villa mit traumhaftem Blick auf Palma besitzt und in Berlin einen weiteren Wohnsitz hat, kürzer tritt, kann man sich schwer vorstellen. Es passt auch nicht zu seinem Werdegang.

Eine Lehre als Koch brach der Nördlinger einst ab, wurde Werkzeugmacher und gründete 1992 zusammen mit Werner Tutschek die Zeitarbeitsfirma Tuja. Ab da floss für den Anteilseigner durch geschickte Ver- und Rückkäufe der Firma das große Geld. 2007 war Jackwerth nach der endgültigen Übernahme Tujas durch den Schweizer Branchenriesen Adecco Privatier. Doch 2009 gründete er mit Jürgen Ragaller mit der JR Holding AG das nächste Personaldienstleistungs-Unternehmen.

Jackwerth hat ein gutes Gespür, wann sich Chancen bieten - und das nicht nur bei Geschäften. Als er 2003 zufällig von den finanziellen Nöten des ESV Ingolstadt erfuhr und an ihn die Bitte herangetragen wurde, mit 25 000 Euro als Trikotsponsor zu helfen, griff der sportbegeisterte Macher zu, aber nicht als Retter, sondern als Visionär. "Grundsätzlich verlasse ich mich mehr auf meinen Bauch als auf meinen Verstand", sagte der Gefühlsmensch einmal, "aber ich wollte auch nicht den Heilsbringer für angeschlagene Vereine spielen." Also beurteilte Jackwerth, der in der Jugend beim VfB Stuttgart gekickt hat, die Lage und überzeugte die Ingolstädter Vereine von seiner Idee eines neuen Fußballklubs. "Der Peter hatte von Anfang an einen klaren Plan, da wusste man sofort, dass er den auch umsetzt", meint FCI-Physiotherapeut Hermann Eikam, der viele gescheiterte Versuche erlebt hat, den Ingolstädter Fußball aufzupäppeln. Jackwerth ist aber nicht Finanzier wie Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz (RB Leipzig) oder Mäzen wie HSV-Gönner Michael Kühne, sondern zu allererst Macher. Im Rahmen seiner Möglichkeiten schob er das Projekt FCI an. Als Sponsor, als Vereinsboss, als Aufsichtsrat und treibende Kraft. "Bezeichnend für ihn ist, dass er zu allem, was er sagt, steht und so großes Vertrauen schafft. Er zieht Menschen in seinen Bann", sagt FCI-Geschäftsführer Harald Gärtner, den er einst im Kampf um einen Spieler (Steffen Wohlfarth) kennengelernt hatte und danach prompt aus Siegen nach Ingolstadt lockte.

Wer weiß, was passiert wäre, hätte Jackwerth als einstiger Gesellschafter des ERC Ingolstadt den Zuschlag für die Namensrechte an der Saturn-Arena bekommen - er wäre wohl beim Eishockey geblieben. So aber schlug der Unternehmer beim Fußball zu und sorgte mit seiner zupackenden Art, einigen spektakulären Verpflichtungen wie den Ex-Nationalspielern "Zecke" Neuendorf oder Heiko Gerber sowie Trainer Thorsten Fink für einen rasanten Aufschwung von der Bayernliga in die 2. Bundesliga. "Ohne Peter wär' hier gar nichts los", sangen die Spieler 2008 beim ersten Aufstieg in die zweite Liga.

Heute ist das zwar nicht mehr so, das Baby FCI hat laufen gelernt und 2015 sogar den Aufstieg in die Bundesliga geschafft. Doch Jackwerth weiß: "Ich bin immer noch das Gesicht des Vereins." Das kann man so sagen. Dass der 60-Jährige ab jetzt nur noch den Golfschläger schwingt, muss keiner fürchten. Beim Fußball kann er einfach ausgelassener jubeln.