Gemeinsam glücklich in Bochum: Lukas Hinterseer (Mitte) und Danilo Soares (rechts) spielen beide seit vergangener Saison beim VfL. Mit dem FC Ingolstadt stiegen sie in die Bundesliga auf.
Gemeinsam glücklich in Bochum: Lukas Hinterseer (Mitte) und Danilo Soares (rechts) spielen beide seit vergangener Saison beim VfL. Mit dem FC Ingolstadt stiegen sie in die Bundesliga auf.
Güttler/dpa
Ingolstadt
Erst in Ingolstadt, wo sie von 2014 bis 2016 gemeinsam spielten, und seit vergangener Saison in Bochum. Lukas Hinterseer und Danilo Soares treffen an diesem Sonntag mit dem VfL auf ihren Ex-Verein. Mit dem DONAUKURIER sprachen sie über Angriffspressing in Ingolstadt, Stadionatmosphäre in Bochum und Derbys in Österreich.

Herr Hinterseer, Herr Soares, wissen Sie noch, was Sie am 26. März 2012 gemacht haben?

Lukas Hinterseer: Haben wir da den FC Ingolstadt 3:0 geschlagen? (lacht)

Nicht ganz. 26. Spieltag der 2. österreichischen Bundesliga, Sie beide waren damals Gegenspieler. Der FC Lustenau verlor zuhause gegen Austria Lustenau 1:3.

Hinterseer: Ah, großes Stadtderby. Wir vom FC Lustenau waren der klare Underdog und haben gegen den Abstieg gespielt. Gegen Austria haben wir eine Klatsche kassiert.
Danilo Soares: Ganz normal. (lacht)

Hinterseer: Das gab hinterher bestimmt Diskussionen im Dorf.

Sie liefen damals im rechten Mittelfeld auf, Austria-Linksverteidiger war Danilo. Was war er für ein Gegenspieler?

Hinterseer: Unangenehm und nervig wie heute, man musste ihn sechs- oder siebenmal ausspielen, um wirklich vorbeizukommen. Es gab auch damals in der zweiten österreichischen Liga Videoanalysen. Bei Danilo als Linksverteidiger hat man vorher schon gewusst, dass man besser über die andere Seite geht.

Und wie spielt Lukas Hinterseer?

Danilo: Lukas ist ein richtig guter Stürmer, stark am Ball. Er ist in der Lage jederzeit ein Tor zu machen.

Zwei Jahre später kreuzten sich Ihre Wege als Mitspieler in Ingolstadt.

Danilo: In meinem ersten Jahr (Saison 2013/14, Anm. d. Red. ) hatten wir in den ersten zehn Spielen Probleme. Aber ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt.

Hinterseer: Ich kam eine Saison später. Wir hatten von Tag 1 eine mega Stimmung. Mit der Spielweise von Ralph Hasenhüttl und den Jungs war das eine richtig geile Saison. Wir sind von Anfang an durchmarschiert und verdient aufgestiegen.

Danilo: Wir hatten in der Saison gar nicht an den Aufstieg geglaubt, deswegen sind wir jedes Spiel wie ein Finale angegangen und von Sieg zu Sieg haben wir mehr Vertrauen bekommen.

Ein Jahr später hielten Sie in der Bundesliga souverän die Klasse. War das die erfolgreichste Zeit Ihrer Karriere?

Hinterseer: Auf Aufstieg und souveränen Klassenerhalt folgte ein Abstieg. Wir hatten in Ingolstadt Höhen und Tiefen, insgesamt war es eine schöne Zeit.

Herr Soares, in den Zweitliga-Spielzeiten waren Sie in Ingolstadt Stammspieler. Warum hat es in der ersten Liga nur für ein Spiel gereicht?

Danilo: Ich war verletzt und hatte die ganze Zeit Probleme am Fuß (Zehenverletzung, Anm. d. Red. ). Mit Trainer Hasenhüttl hatte ich kein Problem.

Auch Sie waren in Ihren drei Jahren in Ingolstadt gesetzt. Warum ging es beim FCI nicht weiter?

Hinterseer: Ich habe mich anfangs sehr wohl gefühlt, bin mit der Philosophie von beiden Trainern, Hasenhüttl und Markus Kauczinski, zurechtgekommen und hatte meine Einsätze. Maik Walpurgis hat dann aber nicht so auf mich gesetzt. Als dann nach dem Abstieg klar war, dass er weiterhin Trainer bleibt, wollte ich gehen, um öfter zu spielen.

Zur Saison 2017/18 unterschrieben Sie beide beim VfL Bochum. Was sprach für diesen Verein?

Danilo: Ich war zuvor in Hoffenheim, dort hat Julian Nagelsmann - ein sehr intelligenter Mensch und guter Trainer - gesagt, dass ich Spielzeiten brauche. In den Gesprächen mit Bochum habe ich dann Vertrauen gespürt.

Hinterseer: Ich hatte auch gute Gespräche mit dem damaligen Sportvorstand Christian Hochstätter. Bochum hatte sich sehr um mich bemüht und steht für einen coolen Offensivfußball. Ich wollte wieder Spaß am Fußball haben und Einsatzzeiten bekommen. Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl. Und wie man sieht, war es die richtige Entscheidung.

Die vergangene Saison schlossen Sie auf dem sechsten Platz ab. Was ist in dieser Spielzeit das Ziel?

Hinterseer: Wir wollen uns langfristig unter den Top 25 in Deutschland behaupten. Wir wissen aber, wie schwer es ist, in der zweiten Liga zu gewinnen. Letztes Jahr sind wir die Saison ein bisschen zu euphorisch angegangen. Wenn man nicht immer 100 Prozent gibt, geht es schnell in die andere Richtung.



Für einen einsatzfreudigen Fußball ist ja auch Ralph Hasenhüttl bekannt.

Hinterseer: Es war sehr emotional, sehr kampfbetont. Wir haben 90 Minuten ein verrücktes Angriffspressing gespielt und sind in einen Flow gekommen.

Danilo: Auch Robin Dutt arbeitet sehr gut, das sind beides sehr gute Trainer.

Hinterseer: Auch wenn das in der zweiten Liga nicht immer einfach ist, wollen wir in Bochum einen gepflegten Ballbesitzfußball mit vielen Offensivaktionen spielen.

Was unterscheidet denn den VfL Bochum vom FC Ingolstadt?

Danilo: Bochum hat als Verein eine größere Geschichte, aber es herrscht auch mehr Druck. Man muss eigentlich in jedem Spiel drei Punkte holen.

Hinterseer: Genau. Ingolstadt ist ein junger Verein, der seine Tradition noch aufbauen muss. Das hat den Vorteil, dass man in Ruhe arbeiten kann, weil es weniger Drama gibt. Da haben wir hier in Bochum schon das Gegenteil miterlebt, da ist einiges passiert. Es gibt einfach eine größere Fanbase, die Leute in der Gegend leben alle für den Verein. Egal ob es ein fünf-jähriger Junge oder ein 90-jähriger Opa ist.

Wirkt sich das auch auf die Stimmung im Stadion aus?

Hinterseer: Die Leute wollen sehen, dass du Gas gibst, dann ist die Stimmung sehr gut. Da kann es schon mal sein, dass die Zuschauer uns in den letzten Spielminuten zum Sieg pushen, das hilft auf jeden Fall.

Am Sonntag kommt der FC Ingolstadt ins heimische Ruhrstadion. Besteht noch Kontakt zu Ihrem Ex-Verein?

Danilo: Wir schreiben jetzt nicht miteinander, aber immer wenn man sich trifft hat man Spaß und redet über Fußball. Mit Marvin Matip, Darío Lezcano und Thomas Pledl habe ich ja noch zusammen gespielt.



Und was erwarten Sie für ein Spiel?

Hinterseer: In dieser Liga kann man kein Spiel voraussagen, es wird ein Kampf um jeden Meter. Wir wissen um die Ingolstädter Stärken, vor allem in der Offensive haben sie ihre Qualitäten. Sie sind nicht schlecht gestartet, aber auch nicht so, wie sie sich das vorgestellt haben. Deshalb haben sie vielleicht etwas gut zu machen.

Damals im Lustenau-Derby traten Sie vor 4000 Zuschauern gegeneinander an, heute spielen sie in manchen Stadien vor knapp 30000 Menschen. Haben Sie das damals für möglich gehalten?

Danilo: Das war natürlich das Ziel. Ich wollte immer schon für große Vereine vor vielen Fans spielen.

Hinterseer: Für mich war es auch das Ziel. Auch wenn natürlich Glück dazugehört: Es geht immer höher, immer weiter.

Das Gespräch führte Christian Missy.
 

Zur Person

Lukas Hinterseer: Der 27-Jährige stammt aus einer Skifahrer-Familie. In Österreich spielte der Kitzbühler für Wacker Innsbruck, FC Lustenau und First Vienna FC, in Ingolstadt stieg er in die Bundesliga auf. Seit 2017 spielt Hinterseer für den den VfL Bochum, für das österreichische Nationalteam nahm er 2016 an der Europameisterschaft teil.

Danilo Soares: 2010 wechselte der Linksverteidiger von Grêmio Porto Alegre zu Austria Lustenau. 2013 schloss er sich  dem FC Ingolstadt an. Nach einer langwierigen Fußverletzung – in der Saison 2016/17 in Hoffenheim absolvierte der Brasilianer kein Spiel – unterschrieb der 26-Jährige in Bochum einen Drei-Jahres-Vertrag und ist inzwischen Stammspieler.cmi