Was ist vergangenen Samstag gut gelaufen?

Damir Buric: Wir haben das Spiel nach einem Rückstand gedreht. Die Jungs haben gesehen, dass das Spiel für uns läuft, wenn sie die Abläufe, die wir erarbeitet haben, umsetzen. Und das zu erkennen, ist wichtig. Mir wäre es natürlich lieber, wenn wir über einen längeren Zeitraum eine konstante Leistung bringen, aber diesmal haben 20 Minuten gereicht. Wir sind am Anfang der Saison, und es dauert, bis alle Mechanismen greifen.

Was haben Sie sich gedacht, als das Gegentor gefallen ist?

Buric: Naja, das Tor war ein Geschenk von uns. Am Anfang waren wir zu nervös und hatten zu viele einfache Ballverluste. Aber wichtig war die Reaktion der Mannschaft - nämlich, dass sie Moral bewiesen hat und in der Lage ist, zurückzukommen. Und natürlich, dass der Teamgeist stimmt. Wenn ein Neuzugang nach dem ersten Spiel sagt, es fühle sich an, als ob die Mannschaft schon zwei oder drei Jahre zusammenspielt, ist das ein gutes Zeichen. Man spürt, dass der Glaube an sich und die Mitspieler da ist.

Sie sprechen von Daniel Keita-Ruel, dem Doppeltorschützen. Er war am Samstag der einzige Neue, den Sie in die Anfangself berufen haben. Warum?

Buric: Wir haben 20 Stammspieler, die mal früher, mal später drankommen. Für mich war es schwierig, eine Startelf aufzustellen: Als Trainer kannst du in diesem Fall nie gerecht sein, aber das ist für mich ein Luxusproblem. Du kannst nicht alle Spieler glücklich machen.

Was hat sich bei Greuther Fürth im Vergleich zur vergangenen Saison geändert?

Buric: An der letzten Saison sind wir gewachsen, haben sehr viel analysiert und darüber gesprochen. Die Mannschaft ist wissbegierig und will sich weiterentwickeln. Die Zeit im Trainingslager war zudem wichtig, um mehrere Systeme einzuüben und zwischen den Systemen zu wechseln.

Und was muss sich jetzt noch verbessern?

Buric: Diese einfachen Fehler beim Passspiel und bei der Ballannahme. Unabhängig davon, ob am Samstag die Hitze oder die Aufregung rund ums erste Spiel eine Rolle gespielt haben.

Sie trainieren aber auch bei dieser Hitze.

Buric: Ja, wir versuchen zu den Zeiten zu trainieren, zu denen wir spielen. In dieser Woche zum Beispiel auch um 18 Uhr, um den Ablauf der Belastung, um Essens- und Ruhezeiten zu simulieren. Die Spieler müssen sich an diese Zeit gewöhnen.

Ist die Ersatzbank besser besetzt als in der vergangenen Saison?

Buric: Ja, das ist so. Wir haben wirklich mehrere Möglichkeiten. Als wir am Samstag gewechselt haben, waren die Spieler sofort im Spiel und haben in diesen 20 Minuten Druck aufgebaut. Unsere neuen Spieler werden im Laufe der Saison eine Verstärkung sein - nicht nur Keita mit seinen zwei Toren im ersten Spiel.

Welcher Spielertyp fehlt Ihnen noch in Ihrer Mannschaft?

Buric: Das ist wie beim Essen: Sie mögen Salat, ein gutes Hauptgericht und ein Dessert. Man will alles haben. Auch bei der Mannschaft ist es so: Wenn man qualitativ gute Spieler holen kann, sagt man als Trainer immer Ja. Denn damit erhöht man die Konkurrenz und Qualität. Wenn man eine etwas größere Trainingsgruppe hat, ist es auch mit der Steuerung etwas leichter. Wir haben im Moment 20 Feldspieler, davon zwei A-Jugendspieler. Das ist gut, und wir haben gesagt, wir werden Geduld haben und den Markt weiter beobachten. Aber wir werden nur Spieler holen, die auch vom Charakter zu uns passen und wegen der sportlichen Weiterentwicklung zu uns kommen wollen. Bis jetzt haben wir es sehr gut gemacht - das Team ist klein, aber fein. Wer jetzt kommt, muss genau passen - auch im Rahmen unserer finanziellen Möglichkeiten. Wir verfolgen ein klares Konzept und werden das nicht aufweichen.

Falls kein neuer Spieler mehr kommt: Können Sie guten Gewissens mit der derzeitigen Mannschaft in die Saison gehen?

Buric: Ja. Und wir haben Perspektivspieler, die wir fordern und fördern wollen. Wir müssen unseren jungen Spieler den Raum und die Zeit geben, sich zu entwickeln. Das ist nicht immer einfach, aber das ist unser Weg.

Was ist Ihr Ziel für diese Saison?

Buric: Besser zu spielen als letzte Saison.

Also nichts mit dem Kampf gegen den Abstieg zu tun zu haben?

Buric: Ja, aber letzte Saison wollte auch niemand etwas mit dem Abstieg zu tun haben, und trotzdem waren lange Zeit 14 Vereine mit dabei. So wie die Zweite Liga angefangen hat, zeigt sich, dass es wieder ein schweres Jahr wird. Die Liga ist unglaublich hart und schwer zu bespielen. Du brauchst die Ergebnisse - die geben dir Sicherheit und den jungen Spielern die Chance, sich zu entwickeln. Da wollen wir hin. Wir brauchen auch das Miteinander mit den Fans - sie geben uns Kraft.

Bekommt man die Fans auf dem Platz überhaupt mit?

Buric: Ja. Und die Fans sind unglaublich wichtig für die Mannschaft.

Vergangene Saison haben Sie und Ihre Mannschaft viel Druck gespürt und sich viel Kritik anhören müssen. Wie gehen Sie mit einer solchen Situation um?

Buric: Wir konzentrieren uns auf das Wesentliche und versuchen, immer fair und korrekt zu bleiben. Wir rufen alles ab und konzentrieren uns auf unsere Leistung. Wenn diese Leistung einmal nicht stimmt, stellen wir uns auch. Wir sind nie weggelaufen, sondern haben mit den Fans gesprochen. Das erwarte ich auch von meinen Spielern. Die Fans haben uns vielleicht auch deshalb am Ende der Saison weiterhin so toll unterstützt.

Morgen geht es nach Ingolstadt. In der vergangenen Saison haben Sie beide Liga-Spiele und im Pokal gegen den FCI verloren. Welchen Gegner erwarten Sie dort?

Buric: Wenn ich jetzt nur aufzähle, wen Ingolstadt alles geholt hat, wie viel Qualität da ist und wie viel Geld investiert wurde, muss ich sagen, dass der Verein seine Aufgaben gut erfüllt hat. Es ist richtig gut, welche Mannschaft sie zusammengestellt haben. Es wird für uns ein sehr schweres Spiel gegen einen Top-Gegner. Das verlorene Spiel gegen Regensburg - das ist nicht Ingolstadt.

Das Gespräch führte Sandra Mönius.

ZUR PERSON


Damir Buric ist seit September 2017 Trainer der SpVgg Greuther Fürth. In der vergangenen Saison konnte der Verein den Abstieg erst im letzten Moment verhindern. Vor mehr als 25 Jahren hat der Kroate als Spielertrainer beim MTV Ingolstadt gearbeitet. Später war er unter anderem bei Hajduk Split als Trainer beschäftigt.