13 Siege in 18 Rennen von 1999 bis 2016
Wo sind Kristensen und Co.? Audi stellt großartiges Le-Mans-Buch vor – ohne auch nur einen Protagonisten

12.05.2023 | Stand 16.09.2023, 22:15 Uhr |

Der letzte Sieg in Le Mans gelang den Ingolstädtern 2014 im Audi R18 e-tron quattro RP4 mit dem Trio Marcel Fässler, André Lotterer und Benoit Treluyer. Foto: Imago Images

Das legendäre Rennen von Le Mans wird heuer 100. Am 26. und 27. Mai 1923 fand der 24-Stunden-Marathon mit seinen vielen Vollgaspassagen das erste Mal statt. Rechtzeitig zu diesem Jubiläum präsentierte Audi Tradition im Museum mobile ein Buch, nein es ist das Buch.



„Audi in Le Mans“ taucht ganz tief in die Zeit von 1999 bis 2016 ein, als Audi in 18 Rennen 13 Siege einfuhr. Souverän, spektakulär, spannend, atemberaubend, tränenreich, innovativ, aufgeregt, glücklich, unglaublich. Le Mans geht ans Herz. Wer einmal im Niemandsland hinter Paris war, kann das Spektakel nie wieder vergessen.

Audis Erfolge beim 24-Stunden-Rennen sind unerreicht



Schade, dass der Buchpräsentation im Museum auf der Audi-Piazza keiner der Protagonisten beiwohnte. Als Le-Mans-Legende, als Motorenzauberer, als Strategiegenie, als väterlicher Teamchef, als einfühlsamer Mannschaftsarzt. Jeder hätte das Salz in der Suppe sein können. Wie einst Bruno Moravetz bei den Olympischen Winterspielen in Lake Placid ins Mikrofon rief: „Wo ist Behle?“ (weil der deutsche Langläufer dem ZDF-Reporter bei der Liveübertragung lange nicht im Bild zu sehen war), lag dem von Le Mans faszinierten Besucher bei Audi die Frage auf der Zunge: „Wo ist Kristensen?“ Oder: „Wo ist Baretzky? Wo ist Ullrich? Wo ist Joest? Wo ist Abt? Wo ist Paefgen? Wo ist Pippig?“ (Fahrer, Motorenchef, Sportchef, Teamchef, Fahrer, Vorstandsvorsitzender, Pressechef).

„Monsieur Le Mans“: Tom Kristensen gewann dort neunmal



Stefan Trauf, Leiter Audi Tradition, betonte, am 21. Mai, am Internationalen Museumstag, werde das Buch noch einmal im Fokus stehen. Zusammen mit Audi-Rennwagen aus Le Mans. Die Frage „Wo ist Behle?“ kommt dann wohl auch niemandem mehr in den Sinn. Hochkarätige Zeitzeugen sollen nach Ingolstadt kommen. Unter anderem Rinaldo („Dindo“) Capello, dreimal Sieger in Le Mans, und Ulrich Baretzky, der Mann der Sportmotoren. „Wo ist Kristensen?“ wird der ein oder andere vielleicht doch denken – eine Le Mans-Veranstaltung in Ingolstadt ohne den neunmaligen Sieger geht per se gar nicht. Auch berechtigt: „Wo ist Biela?“ – weil der fünfmalige Gesamtsieger ob der Geschwindigkeit auf der langen Hunaudieres-Geraden im Auto nie die Hütte wahrnahm, in und vor der Fans, vor allem trinkfeste aus England, stets eine Woche ihr motorsportliches Leben verbringen. Oder „Wo ist Abt?“ Weil der Allgäuer, Fahrer der ersten Generation der Le Mans-Rennwagen von Audi, nach einem Reifenplatzer bei über Tempo 300 im Cockpit schrie: „Ich will nicht sterben, ich will nicht sterben.“ Er hoffte danach nur, dass er nicht instinktiv den Knopf für den Funk in die Boxengasse gedrückt hatte. Hatte er nicht.

Die Autoren lüften einige Geheimnisse



Die Autoren Alexander von Wegner und Lars Krone blicken auf 320 Seiten und mit über 600 Fotos und Abbildungen auf die Audi-Zeit in Le Mans, auch hinter die Kulissen – „Informanten“ fanden sie reichlich: Fahrer, Sportchef, Teamchef, Mechaniker, Vorstandsvorsitzender, Ingenieure und Entwickler. Von Wegner und Krone arbeiten schon viele Jahre bei Speedpool, der Agentur, die Audi in Sachen Motorsport schon Jahrzehnte begleitet und journalistisch unterstützt. Sie machten Lust auf das Buch, erzählten im Museum manch selbst erlebte oder im Archiv aufgestöberte Geschichte nicht zu Ende: „Das können Sie ja dann lesen.“

Die Autoren lüften Geheimnisse, verraten Interessantes und Kurzweiliges. Dabei geht es um überraschend gleiche Zeiten von Audi und Peugeot in den Runden 354 und 355, um den Einstieg in die Sportprototypen-Welt, um Innovationen und Technologietransfer, um den teilweise technischen Vorsprung vor der Formel 1. Mit etwas Abstand und nach dem Ausstieg aus dem Le Mans-Projekt sind wohl einige Zungen etwas lockerer geworden. Sehr zur Freude der Le Mans-, Audi- und Motorsportfans.

DK



Lars Krone/Alexander von Wegner: Audi in Le Mans; Edition Audi Tradition, Delius-Klasing-Verlag; 320 Seiten; 603 Fotos/Abbildungen; 59 Euro.