Schon sein Name ist Programm. Franziskus verzichtet auf Pomp, lebt bescheiden, wendet sich demonstrativ den Menschen zu, die auf der Schattenseite des Lebens gelandet sind, und steht mit kirchlichen Würdenträgern auch mal auf Kriegsfuß. Darüber hinaus ist er Jesuit, Mitglied des Ordens, der sich seit jeher als Teil der katholischen Erneuerungsbewegung verstanden hat. Ihm wurde zugetraut, als verkrustet wahrgenommene Strukturen und Denkweisen zu ändern.

Das alles führte dazu, dass der bei seiner Wahl 76-jährige Bergoglio als Hoffnungsträger gefeiert wurde. Tatsächlich ist frischer Wind im Vatikan eingezogen, sind einige als unverrückbar geltende Lehrmeinungen infrage gestellt worden. Das hat dem Papst viel Beifall eingebracht, oft bei kirchenfernen Kreisen, die trotzdem nicht daran denken, nun der katholischen Kirche beizutreten.

Gleichzeitig hat er sich den Vorwurf zugezogen, die Substanz der katholischen Kirche zugunsten von Äußerlichkeiten zu verwässern. Es ist eine Gratwanderung zwischen Erneuerung überholter Denkweisen und Bewahrung des Wesentlichen, die der Papst unternimmt. Welche Wirkung sein Pontifikat entfalten wird, ist nicht abzusehen.