Die CDU-Chefin kann es verschmerzen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie 2021 noch einmal für eine weitere Amtszeit antreten wird, ist hingegen äußerst gering.

Die sechs Monate dauernde Hängepartie bis zur Regierungsbildung hat schließlich sichtbare Spuren hinterlassen. Die Kanzlerin war zu für die CDU schmerzhaften Zugeständnissen an SPD und CSU gezwungen. Das hat ihren Kritikern in der eigenen Partei Aufwind verschafft.

Doch mit Glück und Geschick sind Merkel noch einmal ein Befreiungsschlag und die Rettung ihres Amtes gelungen. Jetzt darf man gespannt sein, ob sie es beim "Weiter so" und "Sie kennen mich" belässt, sich nur noch möglichst unbeschadet und selbstbestimmt in den hochverdienten politischen Ruhestand moderieren will. Oder ob Merkel ihre Abschiedstour noch einmal zu einer Erfolgsgeschichte machen will und kann. Gleich zum Auftakt hat die SPD deutlich gemacht, dass sie Merkel in der neuen großen Koalition nichts schenken und es ihr nicht leicht machen wird. Und auch die CSU, die Landtagswahl im Herbst fest im Blick, wird alles andere als ein pflegeleichter Partner sein.

Union und SPD täten jedoch gut daran, die Mahnungen des Bundespräsidenten ernst zu nehmen und alles dafür zu tun, verloren gegangenes Vertrauen mit guter Arbeit wieder zurückzugewinnen und nicht nur einen Neuaufguss zu liefern. Sonst stehen die Regierungspartner am Ende der noch verbleibenden dreieinhalb Jahre gleichermaßen als große Verlierer da.