Audi: Die verhagelte Bilanz
Audi-Chef Rupert Stadler
Stache/AFP
Ingolstadt
Das hat sich dramatisch geändert, denn nun hat die Staatsanwaltschaft Beschaffungsvorstand Bernd Martens und sogar Konzernchef Rupert Stadler im Visier. Und die Vorwürfe wiegen schwer: "Betrug sowie mittelbare Falschbeurkundung" wird den beiden Managern zur Last gelegt.

Damit ist die 2015 in den USA ruchbar gewordene Abgas-Affäre endgültig bei Audi angekommen - und damit dort, wo die kriminellen Machenschaften ihren Ursprung hatten. Denn die ersten "Maschen" der Betrugs-Software für abermillionen Diesel-Fahrzeuge aus dem VW-Imperium wurden - so die bisherigen Erkenntnisse - in Ingolstadt gestrickt.

Auch wenn Audi-Chef Stadler seit 2015 immer wieder treuherzig zu versichern versuchte, von dem ungeheurlichen Tun in seinem Hause nichts gewusst zu haben, wird es jetzt ganz eng für den Vertrauten der VW-Eigentümer Porsche und Piëch. Ob die weiterhin ihre schützende Hand über Stadler halten können, darf füglich bezweifelt werden.

Zwar gilt auch für den Audi-Lenker bis zum Beweis des Gegenteils die Unschuldsvermutung. Doch trägt Stadler - wie der angeblich auch unwissende und dann doch zurückgetretene VW-Boss Martin Winterkorn - die politische Verantwortung für die Machenschaften in dem Unternehmen. Will heißen: Selbst wenn sich herausstellen sollte, dass der oberste Audi-Angestellte nichts von den Betrügereien gewusst hat, so drängt sich doch der Verdacht auf dass er seinen Laden nicht richtig im Griff hat. Auch dieses Organisationsversagen wäre zu sanktionieren.

So oder so: Die Zeit von Rupert Stadler an der Spitze ist abgelaufen. Selbst wenn er nicht vom Aufsichtsrat gefeuert wird oder selbst zurücktritt, so gebietet es nun schlichtweg der Anstand, dass er zumindest für die Dauer der Ermittlungen sein Amt ruhen lässt. Verbrannt ist er ohnehin.