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Glyphosat ist das am häufigsten versprühte Unkrautvernichtungsmittel Über seine Nebenwirkungen gibt es viele widersprüchliche Studien

Hoch umstritten, heiß diskutiert

Ingolstadt
erstellt am 06.12.2017 um 20:20 Uhr
aktualisiert am 22.01.2018 um 03:34 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Die Entscheidung hat sich hingezogen, es wurde heiß diskutiert und das Ja Deutschlands war letztlich ausschlaggebend: Vergangene Woche stimmte die EU-Kommission dafür, die Zulassung des Unkrautvernichtungsmittels Glyphosat um fünf Jahre zu verlängern. Trotzdem wird munter weitergestritten: zum einen über das höchst unglückliche Abstimmungsverhalten von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU), und zum anderen über die möglichen Risiken des Herbizids auf Umwelt und Gesundheit.
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Glyphosat ist das weltweit meistverkaufte Herbizid. Der vom US-Konzern Monsanto entwickelte Wirkstoff erhielt 1974 seine Zulassung. Seitdem wurde keine Chemikalie häufiger versprüht. Inzwischen ist das Patent ausgelaufen, weitere Hersteller bieten Glyphosat-haltige Produkte an. Verkauft werden in Deutschland jährlich etwa 5000 Tonnen.

Wo Glyphosat ausgebracht wird, wächst kein Gras mehr, kein Kraut oder Moos. Ackerflächen können so vor oder kurz nach der Aussaat oder nach der Ernte unkrautfrei gemacht werden. Aber auch auf öffentlichen Grünflächen und in privaten Gärten wird das Herbizid verwendet. Insgesamt 105 Produkte mit dem Wirkstoff sind bei uns in Deutschland zugelassen. Fast die Hälfte davon darf auch "in Haus und Kleingarten" angewendet werden.

Naturschützer, aber auch das Umweltbundesamt beklagen negative Auswirkungen für die Tier- und Pflanzenwelt: Vielen Insekten und Vögeln werde die Nahrungsgrundlage entzogen. Daneben werden mögliche Gesundheitsgefahren ins Feld geführt. Ob der Wirkstoff auch der Gesundheit schadet, ist umstritten. Es gibt Studien, die diese These untermauern und es gibt Studien, die sie widerlegen. Nicht selten hängt das Ergebnis davon ab, wer die Studie in Auftrag gegeben hat. Auch die Bewertungsgrundlagen unterscheiden sich oft deutlich. Da verwundert es nicht, wenn die Menschen verunsichert sind. Das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) jedenfalls gab grünes Licht. Auch die Lebensmittelaufsichtsbehörde Efsa und die EU-Chemikalienagentur ECHA gehen davon aus, dass es nicht krebserregend ist. Die Internationale Agentur für Krebsforschung der WHO dagegen stellte fest, dass Glyphosat "wahrscheinlich Krebs erzeugend bei Menschen" sei.

Dem BfR war zuletzt unterstellt worden, in seinem Gutachten Informationen der Anbieter abgeschrieben zu haben. Präsident Andreas Hensel hält das für eine Kampagne: "Der Plagiatsvorwurf ist erfunden und haltlos. Wir können doch nicht einen Stoff für gesundheitlich problematisch erklären, der unbedenklich ist, nur weil das bestimmten Kreisen in den Kram passt."

Große Aufregung gibt es jedes Mal, wenn Glyphosat-Rückstände im Bier publik werden. Laut einer Studie im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung finden sich Rückstände auch im Urin des Menschen. Immer wieder tauchen neue Gutachten auf. Es wird ein Schwarz-Weiß-Denken an den Tag gelegt: Die Industrie und der Bauernverband auf der einen Seite sehen sich Umweltaktivisten und Ärzten gegenüber. Die einen haben Angst um ihre Existenz, die anderen vor Folgen für die Natur. Und mittendrin steht der Bürger - unschlüssig, wem er glauben soll.

Den Angaben des Deutschen Bauernverbands zufolge gibt es keine "Eins-zu-eins-Alternative für Glyphosat". Der Wirkstoff habe anderen Herbiziden voraus, dass jene schneller Resistenzen hervorrufen könnten - das Unkraut also nicht mehr auf die Mittel reagiere. Das aber bestreitet der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft. Durch eine intelligente Verteilung der Pflanzenkulturen und den Einsatz modernster Technik benötige kein Bauer Glyphosat. Eine Annäherung scheint schwierig. Immerhin bleiben nun fünf weitere Jahren, um mögliche Folgen zu untersuchen und sich Gedanken über Alternativen zu Glyphosat zu machen.

Von Sandra Mönius
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