Montag, 12. November 2018
Lade Login-Box.

Urige Kulisse und gute Darsteller

Pfaffenhofen
erstellt am 30.06.2013 um 20:50 Uhr
aktualisiert am 01.02.2017 um 14:43 Uhr | x gelesen
Pfaffenhofen (DK) Bürgerlich-behäbig, spießig-verlogen, aber irgendwie auch heimelig-herzlich: Die fiktiven Kleindlfinger Bürger im Stück „Der Zwischenfall“ von Joseph Maria Lutz könnten ebenso Bürger jedes bayerischen Ortes sein. Auch der Konflikt zwischen den Bewohnern des Dorfes und dem Dichter aus der großen Stadt lässt sich ohne weiteres auf die heutige Zeit übertragen – 34 Jahre, nachdem der Theaterspielkreis Pfaffenhofen erstmals eine Bühnenadaption des Romans von Lutz inszenierte.
Textgröße
Drucken
Pfaffenhofen: Urige Kulisse und gute Darsteller
Liebesanfall: Metzgermeister Matthias (Walter Neufeld) nähert sich Jungfer Vikerl (Julia Stanglmayr). Für umoralisch hält man dann aber doch lieber den Dichter. - Foto: Brenner
Pfaffenhofen
Im Jahr 2013 profitiert das neu bearbeitete Stück von der urigen und lebensechten Freilicht-Kulisse. Regisseur Helmut Muthig nutzt diesen Vorteil für seine Inszenierung optimal aus. So fährt des Öfteren eine Pferdekutsche ein und aus, ein schnurrendes Oldtimer-Motorrad provoziert beim Publikum Spontan-Applaus und jedes Mal, wenn Kinder oder Musiker vor dem echten Pfaffenhofener Rathaus spielen, braucht es keine Fantasie, um die Szene glaubhaft zu machen. Das Kriegerdenkmal in der Einstiegsszene wirkt dabei so echt, dass einige Zuschauer überrascht auflachen, als es weggeschoben wird. Auch die markerschütternden Salutschüsse kommen überraschend. Ganze Zuschauerreihen zucken synchron zusammen, als dreimal hintereinander der Schuss ertönt.

Leider hat das Publikum in den letzten Reihen über ein Viertel des Stücks deutliche Probleme, die Schauspieler zu verstehen, da die Mikrofone zu leise eingestellt sind und die Techniker die Akustik im Freien wohl unterschätzt haben. „Ich verstehe gar nichts“ flüstern sich deshalb immer wieder Besucher ins Ohr, statt wie die vorderen Reihen über die Pointen des Stücks zu lachen. Das ist schade, denn im Verlauf des Abends gibt es viele witzige und irrwitzige Momente in der Geschichte. Die handelt letztendlich vom grundlegenden Misstrauen, das die Dorfgemeinschaft dem zugezogenen Dichter entgegenbringt, der sich auf dem Land doch nur literarische Inspiration erhoffte. Vorurteile feiern fröhliche Urständ und führen zu allerhand Verwicklungen für den Dichter, an deren Ende freilich die Dörfler die Dummen sind.

Dass der komische Plot auch zünden kann, dafür sind vor allem die Darsteller verantwortlich, die äußerst glaubhaft und mit viel Leidenschaft agieren. So glänzt Walter Neufeld in der Rolle des Metzgermeisters Matthias Huber mit doppelter Moral, der im stärksten Teil des Stücks, dem Finale, zur seiner persönlichen Hochform aufläuft und das Publikum mit dreistem Opportunismus zum Lachen bringt.

Julia Stanglmayr spielt die Jungfrau Vikerl Kramer mit dem richtigen Schlag Bösartigkeit, während Marion Simon als Hubers Tochter Maria überzeugend zerbrechlich wirkt. Den verliebten Dichter Konrad Maria Falk zeigt Steffen Wagner mit ebenso viel Elan wie lässiger Resignation, wenn er mit der Abneigung der Dorfbewohner hadert. Insgesamt ist das Stück bestens besetzt und gespielt.

Bleibt zu hoffen, dass die Macher die Mikros beim nächsten Mal lauter stellen. Denn jeder verlorene Satz in dieser Inszenierung ist ein Verlust für das Publikum.

 

Weitere Vorstellungen bis 14. Juli jeweils freitags bis sonntags um 20.30 Uhr.

 

Von Desirée Brenner
Kommentare

Schreiben Sie den ersten Kommentar!

Kommentare geben die Meinung des Verfassers wieder. Für die Inhalte übernimmt donaukurier.de keinerlei Verantwortung und Haftung. weitere Informationen
Um Beiträge schreiben zu können, müssen Sie eingeloggt sein!