Mittwoch, 18. Juli 2018
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Das Germanische Nationalmuseum würdigt Jugendstilikone Peter Behrens zu seinem 150. Geburtstag mit einer Schau

Schlaglichter eines Intermezzos

Nürnberg
erstellt am 09.01.2018 um 19:09 Uhr
aktualisiert am 12.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Nürnberg (HK) Unter der Überschrift "Das Nürnberger Intermezzo" präsentiert das Germanische Nationalmuseum zum 150. Geburtstag des Jugendstilkünstlers eine große Sonderschau über Peter Behrens.
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Nürnberg: Schlaglichter eines Intermezzos
Foto: DK
Nürnberg

Lang ist das Intermezzo nicht gewesen, das Peter Behrens in Nürnberg gegeben hat. Das Germanische Nationalmuseum zeigt in einer aktuellen Ausstellung, dass der kurze Aufenthalt in der Frankenmetropole aber umso größere Folgen für die Karriere des berühmten Jugendstilkünstlers hatte.

Wir schreiben das Jahr 1901. Das Zeitalter der Weltausstellungen sorgt für Aufbruchstimmung allerorten in Europa. Auf der Mathildenhöhe in Darmstadt macht sich Peter Behrens daran, die deutsche Kunst von seinen Schnörkeln zu befreien. Dazu baut er eine Villa, entwirft Möbel und gestaltet Besteck und Geschirr. Alles im neuen Look der erstrebten schnörkellosen Zeit. Noch hat Peter Behrens fränkischen Boden nicht betreten. Da wirft der Totengräber des Historismus und Mitbegründer des Jugendstils seinen revolutionären Schatten schon nach Nürnberg voraus. Bis in die Provinz hört man von Behrens und der Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe und deren Ideen zur neuen Kunst ohne Schnörkel und mit klaren Linien.

Genau an diesem Punkt berühren sich Behrens und Nürnberg zum ersten Mal. Es sollten zwei kurze, aber folgenreiche Begegnungen werden. Zunächst macht sich Theodor von Kramer mit der Bahn auf den Weg nach Darmstadt. Kramer, damaliger Direktor des Nürnberger Gewerbemuseums, ist so begeistert von dem als Gesamtkunstwerk konzipierten Behrens-Haus auf der Mathildenhöhe, dass er den Shootingstar vom Fleck weg engagiert als Dozenten für einen seiner neuen kunstgewerblichen Meisterkurse. Behrens kommt zuerst im Herbst 1901 für einen Monat nach Nürnberg, um den fränkischen Kunsthandwerkern den Historismus auszutreiben. Der-weil reist Clara Reif, vermögende Brauereitochter aus Nürnberg, ebenfalls nach Darmstadt. Clara schlendert mit der Mama durch den großen Show- und Verkaufsraum, den die Villa Behrens darstellt. Beide müssen von dem neuen Design hingerissen sein. Sie kaufen vom Rheinweinglas bis zum Schildpattkamm so ziemlich alles und bestellen es als Hochzeitsausstattung nach Nürnberg.

Hier setzt das Germanische Nationalmuseum den Anfangspunkt seiner bemerkenswerten Ausstellung mit dem Titel "Peter Behrens. Das Nürnberger Intermezzo". Nach einem Auftakt im ersten Raum, in dem Behrens' Weg als bedeutende Künstlerpersönlichkeit vom Maler bis zum Industriedesigner vorgestellt wird, blickt man im nächsten auf ein großes Schwarz-Weiß-Foto, dass das Haus der Familie Reif in Nürnberg vorstellt, für das Clara die neuen Möbel bei Peter Behrens auf der Mathildenhöhe in Darmstadt für ein stattliches Sümmchen zuvor bestellt hat. Die Nürnberger Behrens-Ausstellung ist aus diesem Grund auch eine große Möbelschau geworden.

Im zweiten Raum ist man mitten im Schlafzimmer der Brauereitochter. Ein Doppelbett ist zu sehen mit großflächigen Dekors aus Dreiecken. Daneben der passende Toilettenschrank aus Ulmenholz mit einem raffinierten, innenliegenden Spiegel, der aus drei Teilen besteht. Sogar an einen beweglichen Kerzenhalter zum Ausziehen hat Behrens gedacht.

Hinter den Beschlägen hat Petra Krutisch die originale grüne Farbe entdeckt. "Das gesamte Schlafzimmermobiliar war in einem kräftigen, leuchtenden Grün gebeizt", erklärt die Ausstellungsmacherin und Sammlungsleiterin für Möbel. In der Ausstellung wird der ursprüngliche Zustand mit farbigem Licht simuliert. Sogar an die passende Wandfarbe, den zeitgenössischen Vorgaben entsprechend, hat das Museum gedacht. Im Schlafzimmer soll ein matter Brombeerton für ruhige Nächte sorgen. In der weißen Küche dominieren wie im babyblauen Gästezimmer hellere Farben an den Wänden. Den meisten Nürnberger Zeitgenossen sei diese Inneneinrichtung freilich "viel zu modern" gewesen, sagt Krutisch. "Das war den Franken alles zu radikal."

Vor dem Hintergrund dieser Skepsis scheint es logisch, dass Behrens der Stadt wieder schnell den Rücken zukehrt. Zuvor zeigt Behrens den Kunsthandwerkern in Nürnberg im Frühjahr 1902 noch in einem zweiten Meisterkurs, wie man eleganten Hausrat ohne Schnörkel entwirft. Die schönsten Stücke der Meisterklasse sind in einer zweiten Ausstellungsfläche zu bewundern. Das gezeigte Kunsthandwerk beweist, wie willig die Schüler dem Lehrer im neuen Stil gefolgt sind. An die modernen Ikonen aus der Feder von Peter Behrens reichen die fränkischen Schüler allerdings nicht heran.

Trotzdem hat es sich gelohnt, dass Silvia Glaser, Sammlungsleiterin für Design, die eifrigen und durchaus gekonnten Versuche der Schüler aus dem Fundus des Kunstgewerbemuseums zu dieser Ausstellung beigesteuert hat. Ohne den erfolgreichen Zwischenstopp als Lehrer und Möbeldesigner in Nürnberg hätte Behrens den Ruf an die Düsseldorfer Kunstgewerbeschule wohl nicht erhalten, schreiben die Kuratorinnen Silvia Glaser und Petra Krutisch in dem vorzüglichen Katalog, der die sehenswerte Schau detail- wie kenntnisreich begleitet.

Ein Besuch dieser mondänen Möbelschau in Nürnberg ist nicht nur für graue Wintertage unbedingt empfehlenswert. Schade nur, dass es die schönen Möbel im Museumsshop nicht zu kaufen gibt. Die Ausstellung über Peter Behrens im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg ist noch bis zum 6. Mai zu sehen.

Von Nikolas Pelke
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