Donnerstag, 17. Januar 2019
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Spannender ORF-"Tatort": Die beiden Wiener Kommissare Eisner und Fellner ermitteln am Wolfgangsee

Der Fall Lütgendorf

Wien
erstellt am 11.01.2019 um 19:17 Uhr
aktualisiert am 11.01.2019 um 19:31 Uhr | x gelesen
Wien (DK) "Das muss ja unglaublich schön sein, hier in der Gegend Urlaub zu machen", sagt Bibi Fellner (Adele Neuhauser), als sie sich mit ihrem Kollegen Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) dem Tatort am Wolfgangsee nähert.
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Was haben sie zu verbergen? Die Ermittlungen führen die Kommissare auch zu Sybille Wilderin (Emily Cox) und David Weimann (Robert Hunger-Bühler).
Was haben sie zu verbergen? Die Ermittlungen führen die Kommissare auch zu Sybille Wilderin (Emily Cox) und David Weimann (Robert Hunger-Bühler).
Domenigg/Cult Film/ARD Degeto
Wien
Der antwortet trocken: "Und unglaublich teuer. " Ein rätselhafter Mordfall erwartet die Ermittler im Salzkammergut. Und so kommt der neue Wien-"Tatort: Wahre Lügen" so gar nicht wienerisch daher. Das liegt nicht nur daran, dass er in Teilen am drei Stunden entfernten Wolfgangsee spielt. Es handelt sich auch um einen brisanten Polit-Krimi mit starken Bezügen zur österreichischen Vergangenheit, in dem nicht - wie zuletzt - Strizzis den Ton angeben, sondern Ganoven in feinem Zwirn.

Ein Auto wurde aus dem See geborgen, am Steuer saß eine Frau. Sie wurde erschossen. Es handelt sich um eine Hamburger Journalistin, die an einer Geschichte über illegale Waffengeschäfte gearbeitet hat. Die Inspektoren durchleuchten das berufliche und private Umfeld des Opfers. Da ist die verzweifelte Lebensgefährtin der Toten, Sybille Wildering (Emily Cox). Da ist ihr Chefredakteur, der nicht mit offenen Karten spielt. Und da ist ein pensionierter Polizist, der das Kommissar-Duo auf einen mysteriösen und auch nach Jahrzehnten noch nicht restlos aufgeklärten Todesfall eines ehemaligen österreichischen Ministers aufmerksam macht. Damit nicht genug, Bibi und Moritz bekommen auch den langen Arm der Generaldirektion für Innere Sicherheit zu spüren. Die übt unter Leitung von Dr. Maria Digruber Druck auf die Kommissare aus. Doch Eisner & Fellner ermitteln unbeirrt weiter und es wird klar, dass es einen Zusammenhang zwischen beiden Fällen gibt.

Die Story hat einen historischen Hintergrund. Der Fall Lütgendorf, zu dem die investigative Journalistin im Film recherchiert, ist ein reales Ereignis österreichischer Kriminalgeschichte. Karl Lütgendorf war von 1971-77 Verteidigungsminister, musste zurücktreten und starb am 9. Oktober 1981 durch einen Revolverschuss in den Mund. Offiziell gilt der Tod Lütgendorfs als Suizid, dennoch gibt es hartnäckige Gerüchte, dass er auf einem Jagdausflug ermordet wurde. Dieses Gerücht nimmt Autor und Regisseur Thomas Roth auf und schickt die Wiener Kommissare auf eine Reise in die Vergangenheit. "Wenn wir den Stein ins Rollen bringen, rollen da jede Menge hohe Köpfe hinterher. Oder unsere eigenen", lässt er Eisner sagen. Doch viel Licht ins Dunkel des mysteriösen Todes Lütgendorfs bringt der Autor des Krimis nicht. Immerhin gelingt ihm ein kluger Schachzug, da er einen Mord in seinem Film exakt so inszeniert, wie auch Lütgendorf wohl zu Tode kam. Der "Tatort: Wahre Lügen" ist ein überlegt konstruierter, spannender Krimi, in dem aber weit weniger agiert als diskutiert wird. Der Film setzt auf viele Dialoge. Das nimmt der Story ein wenig den Fluss. Auch der sonst gewohnte Humor und die Bissigkeit der Kommissare bleibt hier deutlich hinter anderen Folgen zurück. Einen lockeren Ton würde diese Polit-Story auch nicht vertragen. Bibi und Moritz sind emotional mitgenommen von der Dimension des Verbrechens. "Warum ziehe ich das an? Das Unglück von anderen? ", sinniert Bibi. Moritz versucht ihr zu helfen: "Du darfst das alles nicht immer so tief in dein Herz hineinlassen. Du musst den Fall sehen, nicht das Schicksal. "

Der ORF feiert mit diesem "Tatort" übrigens das 20-jährige Dienstjubiläum von Harald Krassnitzer als Oberstleutnant Eisner und den 60. Geburtstag seiner Ermittlungspartnerin Adele Neuhauser (17. Januar).

"Tatort: Wahre Lügen" am Sonntag um 20.15 Uhr in der ARD.
 
Volker Bergmeister
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