Sonntag, 15. Juli 2018
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Uraufführung von Toshiki Okadas "No Sex" in den Kammerspielen

Karaoke-Selbstfindungstrip

München
erstellt am 16.04.2018 um 21:03 Uhr
aktualisiert am 16.04.2018 um 21:05 Uhr | x gelesen
München (DK) Lange Schlangen vor der Abendkasse, wie schon seit Jahren nicht mehr in den Kammerspielen, um noch eine Karte für "No Sex" des japanischen Autors und Regisseurs Toshiki Okada zu ergattern. Und vor Beginn der Aufführung eine aufgekratzte Stimmung im Zuschauerraum wie selten.
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Kein Wunder, ist Matthias Lilienthals Fanclub, teilweise mit Bierflaschen der Münchner und Tegernseer Kultbrauereien ausgestattet, doch restlos versammelt. Schließlich gilt es ja, den von großen Teilen der lokalen und überregionalen Presse samt der Mehrheit des Münchner Kulturausschusses wegen seines seichten Spielplans gescholtenen Intendanten den Rücken zu stärken. Und so gerät nach fast zwei Stunden Entertainment auf dem Niveau von wenig anspruchsvollen Unterhaltungssendungen im Privatfernsehen der Applaus der Lilienthal-Community denn auch zum geradezu hysterischen Jubel.

Dabei ist dieses Zeitgeist-Stückchen ein fader und allzu verkrampft aufgestylter Theaterbrocken. Ausgehend von Toshiki Okadas These, dass bei rund 47 Prozent der Japanerinnen und Japaner Sex keine Rolle spiele, da die vom Berufsstress erschöpften Menschen auf die Freuden des Geschlechtsverkehrs bewusst verzichten, schickt er vier junge Männer in eine Karaoke-Bar. Über die virtuelle Liebe tauschen sie sich hier nicht nur aus, sondern sie schwärmen geradezu herzerweichend davon auch in ihren Songs. Vor allem jedoch schwadronieren sie über die richtige Körperhaltung und die entsprechenden Bewegungen beim Sex-abstinenten Karaoke-Ausgleichssport.

Schier endlos zieht dieses Gelabere der vier im Rhythmus ihres schmalbrüstigen Singsangs zuckenden und zappelnden No-Sex-Bubis (Christian Löber, Thomas Hauser, Benjamin Radjaipour und Franz Rogowski) vorüber. Lichtblick in dieser dahinplätschernden Selbstfindungs-Performance ist wenigstens Stefan Merki als Besitzer dieses (von Dominic Huber) in quietschbunten Farben getauchten und mit überdimensionalen Plastikblumen bestückten Etablissements, der als schräger Altrocker die Liebesschnulzen seiner Jugend köstlich persifliert. Und Annette Paulmann erklärt als rührend-naive Putzfrau in Gestalt einer frivolen Amateur-Nachtclubdiva den vier darob ganz verdatterten Karaoke-Jünglingen nicht nur die erotischen Segnungen eines Spiegels über einem King-Size-Lotterbett, sondern in eindeutigen Songs auch die von den Sexabstinenten abgelehnten Freuden der Lust. Kurze Einschübe nur, aber sehr erfrischend in dieser leider allzu trivial-lahmen Show.

Die nächsten Aufführungen sind am 19. April sowie am 15. und 28. Mai. Kartentelefon: (089) 23 39 66 00.
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