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Acht Talente der Stadt treten bei den Jazztagen auf und präsentieren stilistisch vielseitige Klänge

Avantgarde der Ingolstädter Musik-Szene

Ingolstadt
erstellt am 02.11.2017 um 19:46 Uhr
aktualisiert am 03.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) So sieht sie also aus, die Avantgarde der Ingolstädter Jazzkultur, und vor allem: So spielen sie, die Söhne und Töchter Ingolstadts. Das Interesse an dieser Auswahl der Ingolstädter Musiker-Talente und natürlich ihrem jugendfrischen Sound ist am Dienstagabend groß, die Plätze in der Neuen Welt sind beim Konzert im Rahmen der Jazztage ausverkauft.
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Ingolstadt: Avantgarde der Ingolstädter Musik-Szene
Gute Stimmung in der ausverkauften Neuen Welt: die "Söhne und Töchter Ingolstadts". - Foto: Erl
Ingolstadt

Charly Böck, Herzschlag hinter der jungen Szene, hat die acht Musiker zusammengeholt und ihnen ein maßgeschneidertes Programm gestrickt. Vor drei Jahren formierte er erstmals so eine Truppe, einige der Leute von damals stehen wieder mit auf der Bühne. Mit den neuen im Team hat sich auch die Musikauswahl verändert. Singer und Songwriter Sebastian Pfeifer steuert eigene Pop-Songs als Balladen bei, seine Frau Chrissi Pfeifer - einzige Frau im Ensemble - prägt weite Teile des Sounds vielseitig am Saxofon.

Zuerst aber darf Joey Finger ran, er ist Förderpreisträger des Jahres 2011. Mit langen solitären Sequenzen samt flirrenden Fantasiesträngen aus seinem Blech belegt er in der Percussionbegleitung von Böck, dass er zu Recht diese Auszeichnung trägt. Ohnehin prägt Messing über weite Teile den Charakter der Formation, denn auch Daniel Schmidt lässt sein Saxofon schnurren, brummeln und ganz nach Belieben sinnlich schmeicheln.

Obwohl diese acht Musiker nur dreimal zuvor gemeinsam geprobt haben, ist das Oktett nahezu perfekt aufeinander eingestimmt. Die Einsätze passen, die Übergaben nach den Soli greifen ineinander und die innere Harmonie scheint wie selbstverständlich gegeben.

Der kurze Ausflug von Sebastian Pfeifer zu den Pop-Songs mit soulig auslaufenden Trompetensträngen entspannt und verschafft seiner Frau den kontrastvollen Ansatz zurück zum Jazz. Sie ist es, die im Stück "Cariba" genussreich aufwühlende Phrasierungen aus dem Horn jagt, aggressiv-fordernde Sequenzen herauspeitscht und den prickelnden Gegensatz zu den geschmeidigen Balladen setzt. Diese Saxofon-Lady ist eine Ermunterung für alle Girls, in die männerdominierte Jazzszene einzubrechen und Fußstapfen zu hinterlassen.

Die Söhne und die Tochter der Stadt wollen sich dennoch in ihrem Sound nicht eindeutig festlegen lassen. New Soul, Latin und forschender Jazz feuern die Neugier im Publikum an. Die wird gesteigert im selbst geschriebenen Stück von Chrissi Pfeifer mit dem Titel "Dear". Was wie ein vielfältig überlagertes Streitgespräch zwischen allen Instrumenten beginnt, entspannt sich zu verständnisvollen Dialogen und Monologen. In diesem angeregten Geplänkel der Instrumente vor dem Hintergrund einer fesselnden Gruppendynamik bekommen auch Pianist Benedikt Streicher - Förderpreisträger 2017 - und Drummer Matthias Hetzer - Förderpreisträger 2015 - sowie Bassist Uli Schiekofer und natürlich auch Charly Böck ihre verdiente Plattform.

Von Lorenz Erl
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