Mittwoch, 18. Juli 2018
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Tschak Neuhauser begeistert in der Neuen Welt in Ingolstadt

Flapsiger Witz und ernste Töne

Ingolstadt
erstellt am 05.01.2018 um 19:26 Uhr
aktualisiert am 10.05.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Ingolstadt (DK) Es wird ja behauptet, die Gattung "Liedermacher" sterbe allmählich aus. Ob das stimmt, sei mal dahingestellt. Vielleicht nennen sie sich ja auch nur anders als zu ihrer Hochzeit. Barden, Protestsänger oder Songpoeten beispielsweise. Bei Johann Neuhauser, genannt "Tschak", gibt es diesbezüglich keine Zweifel. Der ist noch Liedermacher von echtem Schrot und Korn, und dass einer wie er nach wie vor sein Publikum findet, wird bei seinem Konzert in der Neuen Welt deutlich. Denn die ist ausverkauft.
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Ingolstadt: Flapsiger Witz und ernste Töne
Singt Geschichten mit Wiedererkennungseffekt: Johann Neuhauser, genannt Tschak, bei seinem Auftritt in der Neuen Welt. - Foto: Leitner
Ingolstadt

Will ein Künstler, der ganz alleine zur Gitarre Lieder singt, beim Publikum ankommen, muss er mehrere Bedingungen erfüllen. Zum einen muss er gute Melodien haben. Die schnappt sich der Tschak bei Kollegen wie Leonard Cohen, Johnny Cash oder Georg Danzer. Dann muss er Texte haben, die die Leute ansprechen. Die verfasst er selbst, und zwar in bayerischer Mundart, und transportiert mit ihnen Inhalte, mit denen man sich sofort identifizieren kann.

Ums tägliche Leben geht es ihm dabei, ums Lieben, ums Trinken, ums Älterwerden. Und weil jeder jede Zeile nachfühlen kann, die beschriebenen Situationen selbst erlebt hat oder zumindest davon geträumt hat, sie mal zu erleben, entsteht auch sehr schnell ein Vertrauensverhältnis zwischen dem Künstler auf der Bühne und dem Publikum davor. "Der ist einer von uns, der singt für uns unsere Geschichten." - Das verbindet. Eingängige Melodien, die man bei Bedarf auch mitsingen kann, Texte zum Lachen und Schmunzeln, zum Sinnieren und Nachdenken. Leise Bekenntnisse eines Liedermachers. Bis hierher ist alles klar. Nur: Wie präsentiert man den Stoff am besten?

Nun ist der Tschak ja nicht unbedingt ein Hektiker, ein Wirbelwind, der die Leute dazu bringen will, auf den Tischen zu tanzen. Nein, eigentlich ist er ein eher ruhiger Zeitgenosse. Gerade sein Naturell aber ermöglicht es ihm, den Spagat hinzubekommen zwischen Spaß und Ernst, flapsigem Witz und in Töne und Verse gegossene Nachdenklichkeit. Man nimmt ihm beides ab und hat auch nicht einen Augenblick lang den Eindruck, er verstelle sich dabei. Nein, das ist der Tschak, den alle kennen, manch einer wohl auch privat. Das verrät Ehrlichkeit, und die kommt an, auch beim "neutralen" Publikum, denn der Tschak schafft auch den zweiten Spagat, den zwischen dem familiären Kreis des Hoagartens mit Freunden und Bekannten, des kleinen Auftritts in geselliger Runde und der Konzertbühne und damit einem Publikum, das erst einmal für sich gewonnen werden muss.

Geschickt hält er die Balance, genießt den Bonus eines Heimspiels, plaudert charmant, aber verzettelt sich nicht und zieht seinen Auftritt stringent durch, was durchaus ziemlich professionell ist. Ein schöner, in sich stimmiger Abend, bei dem der Tschak seine vielen langjährigen Fans begeistern und sicherlich auch ein paar neue hinzugewinnen konnte.

Von Karl Leitner
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