Montag, 16. Juli 2018
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Im "Tatort: Böser Boden" geht es um einen Umweltskandal

Die Zombies sind los

Hamburg
erstellt am 24.11.2017 um 19:29 Uhr
aktualisiert am 27.03.2018 um 03:33 Uhr | x gelesen
Hamburg (DK) "Die sehen alle so aus, als ob sie dasselbe Handtuch benutzen", so charakterisiert Kommissar Falke süffisant die Einwohner eines kleinen Dorfes in Niedersachsen. Und auch musikalisch werden sie gleich zu Beginn treffend beschrieben, wenn der Ermittler im Auto den alten Hit der Cranberries hört: "Zombies". Denn alle werden von einem Ausschlag geplagt, sind blass, verhalten sich merkwürdig und schleichen wie Untote durch die Gegend - ein bisschen eben wie Zombies. Ein wenig Fantasy und Horror hat der neue "Tatort: Böser Boden" zu bieten. Beim Hauptthema setzt er aber eher auf TV-Realismus: Es geht um Fracking und die Folgen.
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Hamburg: Die Zombies sind los
Gefahr: Jan (Rainer Furch) traut nicht einmal mehr seiner Frau (Cristin König). - Foto: Schroeder/NDR
Hamburg

Arash Naderi, vor einigen Monaten aus dem Iran nach Deutschland gekommen, wird brutal ermordet. Die Ermittler Julia Grosz (Franziska Weisz) und Thorsten Falke (Wotan Wilke Möhring) vermuten eine rechte Gewalttat. Doch es stellt sich heraus, dass das Opfer als Fahrer für ein Unternehmen tätig war, das Gas-Gewinnung durch Fracking betreibt. So war Naderi Anfeindungen von protestierenden Bauern aus der Ge-gend ausgesetzt. Die entpuppen sich unter ihrem Rädelsführer, Biobauer Kielsperg, als militante Umweltschützer. Kommt aus ihren Reihen der Mörder? Doch Nachforschungen ergeben: Naderi war einem handfesten Umweltskandal auf der Spur.

Fast eineinhalb Jahre hatten Falke und Grosz "Tatort"-Pause. Dafür dürfen die beiden gleich zweimal binnen drei Wochen ran. Bisher hat das Duo, das erst einmal miteinander im Einsatz war, wenig Berührungspunkte. Auch diesmal ermitteln sie eher noch neben- denn miteinander: Falke hat privat Ärger mit seinem Sohn, der ihm zu entgleiten droht, sie hat ihr Trauma aus Afghanistan noch aufzuarbeiten. In "Böser Boden" müssen sie sich durch einen sehr kühn konstruierten und unglaubwürdigen Fall kämpfen. Die Autoren Marvin Kren und Georg Lippert wollen zeigen, dass es unter ökologisch bewussten Menschen auch rechte Tendenzen gibt. "Diese Gruppe der rechten Grünen hat nach unseren Recherchen großen Zulauf. Wir wollten im ,Tatort €˜ erzählen, wohin ihr Fanatismus führen kann", sagt Kren. Dass er sie als kleine Zombies überhöht, zeigt, dass er sich selbst dabei nicht sehr wohl fühlt. Sozialkritik sieht anders aus. Und so treibt dieser "Tatort"-Krimi seltsame Blüten. Ausführlich und umständlich werden technische Verfahren und Gefahren erklärt und die Versammlungen der im Film als "Öko-Nazis" betitelten Zombies sind höchst sonderbar.

 

Der "Tatort: Böser Boden" läuft in der ARD am Sonntag um 20.15 Uhr.

Von Volker Bergmeister
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